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Tattoos am Arbeitsplatz: Über "Jobkiller" und alte Vorurteile

Ob es 2022 noch sogenannte "Jobkiller"-Tattoos gibt? Natürlich! Hier solltest du besser untätowiert zur Arbeit gehen.

Man möchte heutzutage meinen, dass gewisse antiquierte Ansichten, Haltungen und Meinungen der Vergangenheit angehören. Auf so manche mag das durchaus zutreffen. Auf viele andere leider nicht. Das merkt man selbst im Jahr 2022 immer noch am All-Time-Paradebeispiel "Tattoos".

Denn auch wenn sie seit den 1990er-Jahren vielerorts immer salonfähiger geworden sind, und sich gesellschaftlich vom "Häfenbruder"-Stigma zum sogenannten Körperschmuck weiterentwickelt haben, so gibt es nach wie vor ArbeitgeberInnen, denen tätowierte MitarbeiterInnen ein Dorn im Auge sind. Und manch eine/r erfährt im Extremfall aufgrund (sichtbarer) Tätowierungen sogar eine Job-Absage, wird gar nicht erst eingestellt oder zum Vorstellungsgespräch geladen.

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Als "Jobkiller"-Tattoos werden vor allem jene Tätowierungen bezeichnet, die an gewissen Körperstellen wie etwa Handrücken, Fingern, Hals oder Gesicht nur schwer bis gar nicht versteckt werden können. Während das in den meisten handwerklichen Berufen oder am Bau grundsätzlich eher kein Thema ist, treibt es ArbeitgeberInnen anderer Sparten schon mal die Tränen in die Augen.

Schule und Bildungssektor

Als ich noch Lehrer am Gymnasium war, war die Aufforderung zum Verstecken meiner Tattoos eine meiner ersten Anweisungen. Kurze Ärmeln und Hosen wären mir so auch im Sommersemester verwehrt geblieben. Auch meinem damaligen Kollegen, einem Zeichen- und Kunstlehrer, ganzkörper-tätowiert, wurde es nicht gestattet, zur warmen Jahreszeit luftig zu erscheinen.

"Welchen Eindruck soll das denn auf die Kinder machen?", bekam ich damals zu hören. Grundsätzlich eine gute Frage. Zumindest in diesem konkreten Fall ist die Antwort eindeutig: Ein Tattoo sagt über die berufliche Qualifikation oder die soziale Kompetenz eines Menschen genauso viel aus, wie seine/ihre Haarfarbe oder die Wahl seiner/ihrer Klopapiermarke. Im schulischen Kontext sollte man diese Frage lieber anderorts stellen. Doch das ist eine andere Geschichte ...

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Nach wie vor machen sich viele vor dem Stechen eines Tattoos (aber auch von Piercings an gewissen Stellen) Gedanken darüber, ob das Auswirkungen auf ihr Berufsleben haben könnte. Während ich neben meinem Studium als Fitnesstrainer bei einem vermeintlich elitären Fitnesscenter arbeitete, gab es dort durchaus KundInnen, die tätowierte TrainerInnen ablehnten. In den meisten Fällen arbeiteten diese Leute in Branchen, in denen Tattoos auch unter den MitarbeiterInnen ein No-Go sind.

Banken-, Finanz- und Versicherungswesen

Auch das "UNICUM Karrierezentrum" weiß zu berichten, dass sichtbare Tattoos in vermeintlich seriösen Branchen mit Kundenkontakt immer noch unerwünscht sind. Tatsächlich steht es jedem Unternehmen frei, sein Image in der Außenwirkung zu bestimmen. Personen, die den Beruf eines Bankkaufmanns beziehungsweise einer Bankkauffrau oder den eines Versicherungsmaklers/einer Versicherungsmaklerin anstreben, begeben sich in Sachen Körperschmuck leider nach wie vor auf konservatives Terrain. 

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Repräsentative Berufe

So wie es in unserer Gesellschaft nach wie vor hartnäckige Stigmata gibt, kennt sie auch vermeintlich repräsentative Berufe. "Das ist eine Respektsperson", hört man heutzutage noch immer speziell aus den Mündern der "Boomer" oder älterer Generationen.

Totschlagargument oder nicht – wenn wir uns daran erinnern, welchen Shitstorm sich der ehemalige Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein zu seinem Amtsantritt aufgrund seiner Sneakers eingefangen hat, können wir uns leicht vorstellen, was ihn etwa mit Schlangen-Tattoo am Hals erwartet hätte.

Neben dem Beruf des/der PolitikerIn hättest du es laut dem Magazin "Wirtschafts Woche" vermutlich auch als Anwalt oder Anwältin, RichterIn, PolizistIn, aber ebenso in manch elitärem Betrieb als KellnerIn oder Empfangsperson, und durchaus auch als FlugbegleiterIn schwer.

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Natürlich gibt es grenzwertige Tattoo-Motive, die Auskunft über die (politische) Gesinnung des Trägers/der Trägerin geben. Im Regelfall kann man aber maximal eines aus ihnen herauslesen – das ästhetische Empfinden der Person. 

Solltest du sichtbare Tattoos haben und dir ein Vorstellungsgespräch bevorstehen, wäre es daher ratsam, wenn du dir folgende Frage stellst: Möchtest du in einem Betrieb oder Unternehmen arbeiten, das sich aufgrund deiner Tätowierungen ein Bild von dir macht? Deine Einstellungschancen sollten letztlich immerhin nicht davon abhängen, ob du tätowiert bist oder nicht.

Denn in erster Linie dient ein Vorstellungsgespräch ArbeitgeberInnen dazu, ihren potenziellen Neuzuwachs besser kennenzulernen. Den besten Eindruck machst du daher, wie immer und überall, mit Authentizität!