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Kann Viagra eine Essstörung bei Hunden heilen?

Laut einer neuen Studie könnte ein potenzerregender Wirkstoff eine Erkrankung bei Hunden behandeln.
Selma Tahirovic Selma Tahirovic

ForscherInnen der Washington State University haben herausgefunden, dass Viagra dabei helfen könnte, eine Erkrankung der Speiseröhre namens Megaösophagus bei Hunden zu behandeln.

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Was ist Megaösophagus?

Megaösophagus ist eine Erkrankung, die die Speiseröhre einiger Hunderassen betrifft. Das Organ vergrößert sich und verliert seine Fähigkeit, Nahrung in den Magen zu befördern. Das wird auch Regurgitieren genannt, da das Futter den Magen nicht erreichen kann.

Dies führt dazu, dass sich die Nahrung in der unteren Speiseröhre staut – der Hund würgt das Futter somit wieder hoch oder atmet es in die Lunge ein.

Studienleiterin und Tierärztin Dr. Jillian Haines erklärte in einer Universitätsmitteilung, dass viele Tiere aufgrund einer Lungenentzündung sterben, die durch die Erkrankung ausgelöst wird oder aufgrund ihrer verschlechterten Lebensqualität eingeschläfert werden müssen.

  • Nach Angaben des VCA Animal Hospitals erkranken Hunde häufiger an Megaösophagus als Katzen. Bei Foxterriern und Zwergschnauzern sei es eine Erbkrankheit.
  • Andere Rassen, bei denen dieses Problem häufiger auftritt, sind Deutsche Schäferhunde, Deutsche Doggen, Irish Setter, Windhunde und Labrador Retriever.

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Wie kann Viagra helfen?

In dieser Studie untersuchten die ForscherInnen die Wirksamkeit von flüssigem Sildenafil. Dabei handelt es sich um einen potenzerregenden Wirkstoff. Nach der Behandlung von zehn Hunden mit Megaösophagus zeigten die Ergebnisse, dass das Medikament die glatte Muskulatur der unteren Speiseröhre entspannte. Dadurch konnte sich das Organ für kurze Zeit – von 20 Minuten bis zu einer Stunde – öffnen, um Nahrung in den Magen zu befördern.

Abgesehen von seltenen Fällen von Magen-Darm-Reizungen traten bei der Verwendung von Sildenafil in der Studie keine schädlichen Nebenwirkungen auf. Die ExpertInnen weisen in ihrer Pressemitteilung darauf hin, dass ÄrztInnen das Medikament bereits zur Behandlung von Bluthochdruck sowohl bei Hunden als auch bei Menschen einsetzen.

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Weniger Erbrechen durch Potenzmittel

Für die Studie teilten die StudienautorInnen die zehn Hunde in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe erhielt das Sildenafil, die andere ein Placebo als Behandlung. Anschließend nahmen die Hunde eine Woche lang keines der beiden Medikamente ein. Schließlich tauschten die ForscherInnen die Gruppen aus, sodass jeder Hund in der Studie Sildenafil für den gleichen Zeitraum ausprobieren konnte.

Während der Studie notierten die HundebesitzerInnen jedes Mal, wenn sich ihr Haustier übergab. Die HundehalterInnen wussten nicht, ob ihr Tier das Placebo oder das Viagra bekam. So sollte eine Verzerrung der Beobachtungen verhindert werden. Die Ergebnisse zeigten, dass sich neun von zehn Hunden in den zwei Wochen, in denen sie flüssiges Sildenafil erhielten, weniger übergaben.

Das Team überwachte auch, wie die Hunde flüssiges und gemischtes Nassfutter verdauten. Es konnte jedoch bei der Röntgenaufnahme kein signifikanter Unterschied zwischen der Schluckfähigkeit der Hunde unter der Einnahme von Sildenafil und einem Placebo festgestellt werden. Das Medikament führte dennoch zu einer Gewichtszunahme bei allen Hunden, die am Ende der Studie mehr als ein Kilogramm zugenommen hatten.

Die ForscherInnen stellten auch fest, dass Sildenafil bei Hunden mit schweren Fällen von Megaösophagus nicht so gut wirkte. Die Studie ergab, dass es in diesen Fällen schwieriger war, Sildenafil in den Magen des Tieres zu bekommen, damit der Körper es aufnehmen kann.