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Was bedeutet Femizid? Das steckt hinter dem Begriff

Was bedeutet eigentlich das Wort Femizid? Wir klären dich über die Definition des Begriffs auf.

Triggerwarnung: In diesem Beitrag geht es um Mord und Gewalt an Frauen. 

Am 5. August 2022 wurde erneut mit einem Bericht über zwei ermordete Frauen erschüttert. Eine Mutter und ihre Tochter wurden leblos in ihrer Wohnung aufgefunden. Es ist der 22. Femizid, der dieses Jahr in Österreich passiert ist. Doch was genau bedeutet der Begriff? Wir klären euch darüber auf. 

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Was ist Femizid? 

Ähnlich wie der Begriff Genozid weist das Wort Femizid auf die Ermordung einer speziellen Gesellschaftsgruppe hin. Während mit Genozid die Auslöschung einer Völkergruppe gemeint ist, beschreibt der Begriff Femizid den Mord an einer Frau. 

Laut dem Europäischen Institut für Gendergerechtigkeit (EIGE) wurde der Begriff Femizid (femicidio) insbesondere in Lateinamerika als hilfreiches Instrument begrüßt, um auf die alarmierende Eskalation äußerst brutaler Morde an Frauen und Mädchen reagieren zu können.

In der "Rudolphina", dem Wissenschaftsmagazin der Universität Wien, meint die Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer: Femizid "soll darauf hinweisen, dass eine Gruppe von Menschen systematisch ermordet wird, weil sie ein Merkmal teilt. Das ist in dem Fall das Merkmal Geschlecht."

Einfach ausgedrückt: Frauen werden ermordet, weil sie Frauen sind. 

Das EIGE definiert Femizid folgendermaßen: "Ein Femizid ist eine von privaten und öffentlichen Akteuren begangene oder tolerierte Tötung von Frauen und Mädchen wegen ihres Geschlechts."

Hier wird deutlich, von wem die Taten begangen werden: Bei den genannten privaten AkteurInnen handelt es sich meist um männliche (Ex-)Partner der Frauen. Mit den öffentlichen AkteurInnen sind laut Sauer staatliche Institutionen gemeint, "die keine Mechanismen, Gesetze, Institutionen schaffen oder Maßnahmen ergreifen, um Femizide zu verhindern." Die Verantwortung des Staates bei Frauenmorden wird auch als Feminizid beschrieben. 

Laut der "Autonomen Österreichischen Frauenhäuser" sind "Femizide [...]Tötungen, die an Frauen aufgrund ihres Geschlechts beziehungsweise aufgrund von 'Verstößen' gegen die traditionellen sozialen und patriarchalen Rollenvorstellungen, die Frauen zugeschrieben werden, ausgeübt werden." 

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Was sind die Motive und Hintergründe für einen Femizid? 

Wie das EIGE meldet, fördern patriarchale Strukturen in der (österreichischen) Gesellschaft Sexismus, der zu Frauenfeindlichkeit führt. Diese Misogynie nimmt ihren tragischen Höhepunkt in Morden an Frauen, die sich von ihren Partnern getrennt oder widersetzt haben. Als Motiv von Femiziden zählen auch Morde, die aus "Ehre" begangen werden, und anderes in Zusammenhang mit schädlichen Praktiken stehendes Töten. 

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Femizide in Österreich

Leider werden Femizide oftmals nicht als diese erkannt und werden somit auch nicht statistisch festgehalten. Aus diesem Grund ist es gut möglich, dass die unten stehenden Zahlen nicht vollzählig sind. 

Laut Zählungen der "Autonomen Österreichischen Frauenhäuser" (AÖF) sind 2022 bisher 22 Frauen durch einen Femizid ums Leben gekommen. Die Zählung der AÖF inkludiert auch Fälle von sogenanntem "erweiterten Suizid", wo der Tatverdächtige mutmaßlich zuerst die Frau getötet hat und danach sich selbst.

Das Bundeskanzleramt hat 2019 in einer Studie untersucht, wer die Täter und Opfer sind und in welchem Verhältnis (Beziehung) diese miteinander standen. Dabei wurden 23 Fälle betrachtet. In der Studie wurde folgendes herausgefunden: 

  • In 47 Prozent dieser Fälle, war die Beziehung zum Tatzeitpunkt bereits getrennt.
  • Bei Femiziden stellten Trennungen (46 Prozent), Arbeitslosigkeit (48 Prozent), Alkohol- oder Drogenmissbrauch (30 Prozent) und fortdauernde Konflikte ein erhöhtes Risikopotential dar. 
  • In 44 Prozent der Fälle wurde bereits ein Betretungsverbot verhängt, in 16 Prozent sogar mehrmals.

Wer Erfahrungen mit Gewalt oder sexuellen Übergriffen erlebt oder in der Vergangenheit erlebt hat, kann sich kostenlos und anonym an die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222-555, www.frauenhelpline.at, an die Onlineberatung für Mädchen und Frauen im HelpChat, www.haltdergewalt.at, an die Frauenhelpline für gehörlose Frauen, www.oegsbarrierefrei.at/bmf/hilfseinrichtungen/ oder an die Männerberatungsstelle unter 0720 / 70 44 00, https://www.maennerinfo.at wenden. Auch die Frauenberatungsstelle kann bei sexueller Gewalt kontaktiert werden.