APA - Austria Presse Agentur

Arbesser widmet Schau in Mailand seiner Familiengeschichte

Auf den Spuren der Vergangenheit seiner Familie wandelt Arthur Arbesser mit seiner neuen Kollektion, die er am Mittwoch (18. September) im Rahmen der Modewoche in Mailand vorstellt. Wie für ihn üblich, hat der Wiener Designer einen ausgefallenen Schauplatz für sein Defilee gewählt. Über die mit Spannung erwartete Schau sprach der 36-jährige Modeschöpfer und Unternehmer im APA-Interview.

APA: Herr Arbesser, Sie sind für die besonderen Locations bekannt, die Sie für Ihre Modedefilees wählen. Was haben Sie sich diesmal einfallen lassen?

Arthur Arbesser: Ich habe mich für einen industriellen, weißen und sauberen Ort entschieden, der Farben und Stoffe besonders gut zur Geltung bringt. Es gibt dort einen Hof, sodass die Modelle indoor und outdoor gezeigt werden können. Der Ort befindet sich unweit der Fondazione Prada.

APA: Welchen Leitfaden haben Sie diesmal für Ihre Kollektion gewählt?

Arbesser: Die Schau ist eine Hommage an meine Großmutter mütterlicherseits, die aus Siebenbürgen, dem ehemals deutschsprachigen Teil Rumäniens, nach Österreich geflüchtet war, als der Kommunismus dort überhandnahm. Sie hatte ihr Leben lang eine romantische Erinnerung an ihre Jugend und das nicht mehr existierende Land Siebenbürgen behalten, an eine verlorene Welt. Ich bin nach Siebenbürgen gereist und habe dort viele Eindrücke gesammelt.

APA: Haben Sie Ihre Eindrücke in Stoff umgewandelt?

Arbesser: Einige Drucke inspirieren sich an Motiven siebenbürgischer Keramik. Es handelt sich um florale Motive in weiß und blau, die wir im Studio nachgezeichnet haben. Die Idee, auf den Spuren des Lebens meiner Großmutter zu wandeln, hat mich sehr inspiriert. Es war ein tief emotionales Erlebnis im Zeichen meiner Familiengeschichte und auf der Suche nach Orten, die es heute so nicht mehr gibt.

APA: Haben Sie für die Show auch Kleiderstoffe Ihrer Großmutter verwertet?

Arbesser: Meine Großmutter sammelte ihr Leben lang Stoffe von Kleidern, die sie besaß. Ich habe sie wiederverwertet und mit Textilien verbunden, die hier im Studio von alten Produktionen übrig geblieben sind, Streifen aus anderen Kollektionen. Ich wollte diese Reste in etwas Neues umwandeln. Die Stoffe wurden in leichten Blau- und Grautönen neu eingefärbt. Das Resultat sind wunderschöne Patchworks.

APA: Apropos Stoffe, wie orientieren Sie sich bei der Wahl des Materials für Ihre Kreationen?

Arbesser: Ich verwende natürliche Stoffe italienischer Produktion, darunter viel Seide. Die Stoffe werden in Como und in der Toskana hergestellt und dann in Turin genäht. Der Strick kommt aus Belluno in der Region Veneto. Meine Kollektionen sind eine komplett italienische Produktion.

APA: An wen richtet sich Ihre Kreation?

Arbesser: Über die Jahre hat sich ein klares Klientel herauskristallisiert. Dabei handelt es sich um Frauen, die im kreativen Bereich tätig sind und sich zu Architektur, Kunst und Design hingezogen fühlen. Meine Mode spricht die Frau ohne Alter an.

APA: Deswegen schicken Sie auch ältere Mannequins auf den Laufsteg?

Arbesser: Ja, es sind Freundinnen der Marke, reifere Models, die in einer familiären Atmosphäre die Kreationen zur Geltung bringen.

APA: Sie zeigen in Mailand auch Männermodelle. Warum?

Arbesser: Oft werden wir von Männern angesprochen, die Interesse für unsere Grafik und Muster zeigen. Daher werde ich in Mailand auch fünf Männerkreationen mit denselben Grafiken der Damenkleider vorstellen.

APA: Sie entwerfen gerade die Kostüme für Richard Strauss' "Rosenkavalier", der in der Berliner Staatsoper Unter den Linden am 9. Februar 2020 Premiere feiert. Wie laufen die Vorbereitungen?

Arbesser: Es ist eine tolle Erfahrung, die mit viel Arbeit verbunden ist. 150 Kostüme, unter anderem für die Chorsänger und Komparsen, werden vorbereitet. Es ist eine riesige Produktion, an der ich schon seit April arbeite. Swarovski unterstützt uns mit Kristallen für die Kostüme. Ich danke Regisseur Andre Heller, der mich an Bord geholt hat.

APA: Wie ist der Wechsel von der Mode- in die Opernszene?

Arbesser: Der Rausch der Schönheit, den man in der Opernwelt erlebt, ist aufregend. Alles was um Oper und Ballett kreist, interessiert mich schon seit jeher sehr. Es ist ein Bereich, in dem man nicht mit Trends oder Verkaufszahlen zu tun hat, und in dem man mit vielen talentierten Menschen wie Sängern und Tänzern verkehrt.

APA: Sie leben zwischen Wien und Mailand. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Arbesser: Ich bin viel unterwegs. Zuletzt verbringe ich mehr Zeit in Italien, weil sich hier die Fabrikanten unserer Stoffe befinden. Ich fühle mich als Europäer, der glücklich ist, in Italien viel Zeit zu verbringen. Italien ist ein Land, in dem Schönheit, Qualität und ein gewisses Know-how im Handwerk hoch gehalten werden.

APA: Sind Sie auch immer wieder in Wien?

Arbesser: Ja, in Wien machen wir jede Saison einen Pop-up-Shop für unsere Kollektionen. Wir pflegen den Kontakt zu den Wiener Kundinnen und zu den Geschäften, die unsere Kreationen anbieten, wie "Nachbarin" in Wien.

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