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Naturnahes Gärtnern: Ist das Unkraut - und darf das bleiben?

Naturnahes Gärtnern der Umwelt zuliebe kostet Überwindung. Dazu gehören ein wenig Kontrollverlust über das Wachstum und eine gewisse Unordnung. Denn Unkraut sollte man zulassen. Was ist schon Unkraut? Das sagen Naturschützer. Was viele Hobbygärtner als unerwünschtes Grün in ihrem Rasen und den Beeten empfinden, sind oft für die Natur sehr wertvolle Wildkräuter. Gerade Insekten brauchen sie.

Das Problem für viele Gartenbesitzer: Giersch, Vogelmiere, Distel und Brennnessel gedeihen in Massen, ohne gepflanzt zu werden. Zumal Wildkräuter an ihre Umgebung optimal angepasst sind und daher klimatische Stresszeiten wie Trockenperioden gut überstehen, während das angepflanzte Kulturgrün eher kaputt geht. Auch sonst gehen sie aus dem Kampf um Raum, Licht, Wasser und Nährstoffe oftmals als Gewinner hervor.

Doch aus Sicht der Naturschützer überwiegen die Vorteile der Unkräuter im Garten: Nicht nur, dass viele der Pflanzen Nektar- und Pollenlieferanten sind. "In einem funktionierenden Ökosystem muss es auch Futterpflanzen für Blattläuse und Raupen geben, die wiederum Nahrungsquelle für Vögel und andere Insekten sind", sagt die Buchautorin und Geo-Ökologin Sigrid Tinz.

Unkräuter sind auch Nutz- und Heilpflanzen

Außerdem finden Insekten zwischen Wildkräutern Ruheplätze und Verstecke, Nistplätze und Überwinterungsorte, ergänzt Karla Paliege vom Naturschutzbund. Und der negativ belegte Begriff Unkraut lasse außer Acht, dass dahinter auch eine Nutz- oder gar Heilpflanze für den Menschen stecken kann.

Auch zur Bodengesundheit können Wildkräuter beitragen. Sie bedecken kahle Stellen, beschatten den Boden und halten ihn besser feucht.

Überlässt man die wilden Kräuter sich selbst, sterben sie irgendwann ab - aber der Kreislauf setzt sich fort. Denn kleine und größere Bodenlebewesen sowie Mikroorganismen zersetzen das Pflanzenmaterial und bauen es um zu wertvollem nährstoffreichem Boden, dem Humus. "In der Natur gibt es keinen Abfall, nur Kreisläufe", erklärt Tinz.

Was ist nun die optimale Methode gegen Unkraut?

Naturschützer plädieren zu mehr Gelassenheit und Unordnung. Vor allem sollte man auf Gift verzichten, auch wenn für den Privatgarten zahlreiche Herbizide synthetischen und natürlichen Ursprungs zugelassen und erhältlich sind. Doch für die Mittel gibt es gerade in diesem Bereich aus Sicht von Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nicht viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten.

Viel hilft nicht viel

"Nach dem Motto "viel hilft viel" kommt es häufig zu Fehlanwendungen und damit einhergehenden direkten Belastungen von Gewässern und Lebewesen", erklärt der Experte. Zumal die Unkrautvernichter keinen Unterschied zwischen Unkraut und Kulturpflanzen machen. Die Gefahr, bei engem Bewuchs auch gewünschte Pflänzchen zu schädigen, ist deshalb groß.

Auf befestigten oder versiegelten Flächen ist der Einsatz von Herbiziden sowieso verboten, da die Mittel bei Regen abgespült werden und in den Wasserkreislauf gelangen. Wer Unkraut entfernen will, dem rät Rüb daher zur mechanischen Entfernung mit Fugenkratzer und -bürste. Auch das Entfernen mit Hochdruckreiniger und Abflammgerät habe sich bewährt.

Unkraut früh jäten

Im Garten selbst ist die frühe Entfernung entscheidend. Hobbygärtner sollten Unkraut regelmäßig hacken und zupfen, um eine flächige Ausbreitung zu verhindern. Der beste Zeitpunkt, um mit Grubber, Grabegabel, Spaten und Hacke ins Feld zu ziehen, ist kurz nach einem Regenguss, wenn der Boden aufgeweicht und locker ist.

Gut zu wissen ist auch, wie sich bestimmte Unkräuter verbreiten, sagt Harald Nonn von der Deutschen Rasengesellschaft. Geht das über Samen, sollte man die Blüten vor der Samenbildung abschneiden.

Bei Wurzel-Wildkräutern wie Giersch, Schachtelhalm und Löwenzahn muss man zusätzlich graben. Ihre langen Wurzelausläufer müssen komplett aus dem Boden geholt werden, denn schon kleinste zurückbleibende Wurzelstücke treiben neu aus. "Es hilft, ständig hinterher zu sein und die Pflanzen möglichst komplett aus der Erde zu ziehen", so Nonn.

Paliege empfiehlt, den entfernten Wildwuchs zu kompostieren. Auf diese Weise kann er zu einem späteren Zeitpunkt dem Boden als Gründünger wieder zugeführt werden. Auf keinen Fall dürfen die hartnäckigen Wurzel-Unkräuter auf dem Kompost landen. In der Regel entwickeln private, kleine Komposthaufen nicht ausreichend hohe Temperaturen, um die Wurzeln ausreichend zu vernichten - und mit dem ausgebrachten Kompost gelangen diese wieder zurück in den Gartenboden.

Mulch unterbindet Unkraut

Man kann den Unkräutern auch von Anfang an die Chance zum Treiben nehmen: "Um den Wildkräutern Angriffsfläche und Licht zum Keimen streitig zu machen, kann der offene Boden zwischen Nutzpflanzen mit Rindenmulch, Hackschnitzeln oder Stroh bedeckt werden", empfiehlt Tinz. Eine dichte Bepflanzung und Bodendecker schaffen den gleichen Effekt.

Einen dichten Rasen, der Wildkräutern keine Chance lässt, bekommt man im Rasen-Dreikampf, wie Nonn es nennt: Durch "Wässern und Düngen und Mähen" werden die Gräser gegen die Konkurrenz gestärkt. Zu häufiges und tiefes Mähen hat hingegen einen gegenteiligen Effekt. "Es schwächt die Gräser und erleichtert die Einwanderung von Fremdarten."

Will man Löwenzahn loswerden, muss man tief graben
HAMBURG - DEUTSCHLAND: ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Stella Franziska Bauer vom 20. August 2020: Will man Löwenzahn loswerden, muss man tief graben. Die langen Wurzelausläufer müssen komplett aus dem Boden geholt werden, denn schon kleinste zurückbleibende Wurzelstücke treiben neu aus. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++. - FOTO: APA/APA (dpa/gms/Mascha Brichta)/Mascha Brichta

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Naturnahes Gärtnern der Umwelt zuliebe kostet Überwindung
BERLIN - DEUTSCHLAND: ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Stella Franziska Bauer vom 20. August 2020: Wer Unkraut entfernen will, sollte ihm mit Fugenkratzer und -bürste zu Leibe rücken. Außerdem muss man es ständig jäten, sonst wächst es schnell wieder nach. Foto: Robert Günther/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++. - FOTO: APA/APA (dpa/gms/Robert Günther)/Robert Günther - Das Bild darf nicht in einem das Model diffamierenden Zusammenhang verwendet werden !

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