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Wieso man in Beziehungen auch öfter allein sein sollte

In einer Beziehung ein eigenständiges Individuum bleiben, kann das funktionieren?

Abgesehen davon, dass die Corona-Pandemie unsere Gesundheit, unseren Alltag und unsere Arbeit beeinflusst, trägt sie auch zu Veränderungen in unseren Beziehungen bei.

Wie eine Umfrage der Online-Datingplattform "ElitePartner" mit 2.058 TeilnehmerInnen zeigt, schweißt uns die Pandemie sogar noch mehr zusammen. Demnach führen die ProbandInnen viel tiefgründigere Gespräche, tauschen mehr körperliche Nähe aus, ziehen früher zusammen und geben sich sogar schneller das Ja-Wort.

Doch jedes fünfte Paar gab auch an, dass es mehr streitet – das führt bei manchen Pärchen sogar dazu, dass sie kurz davor sind, sich zu trennen. 

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Durch mehrere Lockdowns und das Homeoffice sind viele Pärchen 24 Stunden zusammen – und verschmelzen dabei zu einem Wesen. Wir beginnen, alles zusammen zu machen: schlafen, kochen, essen, sporteln, streamen und videotelefonieren mit FreundInnen. Klingt anfangs ziemlich romantisch, ist es aber nicht immer. 

Allein sein tut gut 

Während die einen dauernd streiten, da die Pandemie schlicht und einfach eine herausfordernde Situation auf mehreren Ebenen ist, gibt es Turteltäubchen, die sich zu einer Einheit zusammenschließen, die Individualität und Selbstständigkeit außen vor lässt. Hier wird aus dem "Ich" schneller en "Wir", als ich “gemeinsamer Haushalt!" schreien kann.

Viele Paare verbringen aktuell mehr Zeit denn je miteinander – und wir versuchen auch in dieser schwierigen Phase, die Romantik und Leidenschaft am Leben zu erhalten – und vergessen dabei oft, dass wir nicht nur als Duo, sondern auch als Individuum existieren. 

Es ist verständlich, dass man sich in Zeiten von Corona permanent nach einer Schulter zum Anlehnen sehnt und nach dem Motto “zusammen ist man weniger allein” lebt. Zweisamkeit bietet uns Sicherheit, die wir besonders jetzt so dringend brauchen. 

Häufig geht man für eben diese Zweisamkeit auch Kompromisse ein, um seine bessere Hälfte nicht zu verärgern, das gemeinsame, sichere Nest nicht zu gefährden. Denn Streit in der Pandemie macht alles nur schlimmer, nicht wahr? 

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Doch du hasst es in Wahrheit, dein Work-out zu zweit zu machen, weil du viel lieber alleine joggen gehst und dabei einen Podcast hörst? Du hast aber Angst, das laut auszusprechen? Es ist nichts Verwerfliches daran, einmal allein sein zu wollen – im Gegenteil. Alleinsein tut uns gut – egal, was wir mit dieser Zeit anstellen.

Ob du dein Leben optimieren und meditieren, oder einfach nur deine Lieblingsserie bingen und dir eine Gesichtsmaske in die Visage klatschen willst – tu es. Wenn du zufrieden bist, spiegelt sich das ziemlich sicher auch in deiner Beziehung wider – und alle haben etwas davon. Auch in Pandemie-Zeiten muss kein Streit entstehen, nur weil du deine Wünsche und Bedürfnisse zum Ausdruck bringst.

Du bist das Mitglied einer Einheit 

Auch wenn wir derzeit oft das Gefühl haben, als wären unsere FreundInnen und sozialen Kontakte in ungreifbarer Ferne (und nein, Zoom-Treffen sind einfach nicht dasselbe): Dein Leben beschränkt sich nicht  auf deine/n PartnerIn und du bist mehr als deine Beziehung.

Du bist FreundIn, Familienmitglied, hast Hobbys. Dein Schatz muss nicht bei jedem Zoom-Meeting oder YouTube-Work-out dabei sein, er oder sie muss nicht bei jeder Nachricht mitlesen und es ist absolut in Ordnung, wenn du einer Watchparty beitrittst, um den schnulzigen Liebesfilm zu sehen, den dein Hasepups nicht ausstehen kann. 

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Wann bist du das letzte Mal deinem Hobby nachgegangen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil du gerade etwas für dich tust? Was würde dir mehr Spaß machen, wenn du es alleine machen könntest? Und wie kannst du du selbst bleiben – trotz Beziehung, trotz Pandemie?

Du hast eine tolle Persönlichkeit, bist liebevoll und stark. Genau deswegen ist deine Lieblingsperson mit dir zusammen. Und unsere Beziehungen können nur besser werden, wenn wir nicht müde werden, an unserem individuellen und gemeinsamen Glück zu arbeiten.