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Skiurlaub in Kals am Großglockner

Es gibt sie noch, die kuscheligen und romantischen Ecken abseits vom großen Ski-Rummel.

Urige, bäuerlich geprägte Ortschaften ohne Riesenparkplätze am Lift und laute Discos. Malerische Flecken mit einem Kirchturm in der Mitte und stattlichen alten Höfen ringsherum – Winterziele wie aus dem Bilderbuch, ideal für Genuss-Urlauber und Familien. Kals am Großglockner ist so ein Dorf, das der Massentourismus noch nicht überrollt hat. Ein alter Bergsteiger-Stützpunkt auf gut 1.300 Metern, von dem aus 1855 die Erstbesteigung des höchsten Gipfels in Österreich gelungen ist.

Irgendwie ist die Zeit in Kals dann wohl ein wenig stehengeblieben. Zur modernen Ski-Welt jedenfalls hat es lange nicht aufschließen können. Ein Stück abseits der Hauptferienstraßen im Osttiroler Tauern-Nationalpark gelegen, ausgestattet mit ein paar klapprigen Schlepp- und Sesselliften in einem sehr überschaubaren Pistenareal, hätten die Kalser im harten Konkurrenzkampf um Gäste um ein Haar vollends den Anschluss verloren. Die Bergbahnen standen kurz vor dem Aus, die Menschen im Bergsteigerdorf bangten um ihre Zukunft.

Eine neues Ski-Resort brachte die Rettung

Doch dann, vor gut zehn Jahren, investierte der größte private Liftbetreiber Österreichs, die Schultz-Gruppe, kräftig in Kals. Seither schnurrt eine moderne Gondelbahn hinauf auf den Cimaross, die zusammen mit ein paar neuen Sesselliften das Skigebiet von Kals mit dem der Nachbargemeinde Matrei verbindet – ein Projekt, von dem die Gemeinde fast 30 Jahre lang geträumt hat.

Breite Pisten und wenig Trubel - das ist typisch für Kals
KALS - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA (dpa/gms/Joachim Hauck)/Joachim Hauck

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Entstanden ist das mit 17 Aufstiegsanlagen und 44 Kilometern Piste größte Osttiroler Skigebiet: das "Großglockner Resort Kals-Matrei".

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Ums nackte Überleben kämpft Kals-Matrei längst nicht mehr, im Gegenteil: Zug um Zug wird das Pistenangebot erweitert, werden Lifte modernisiert und neu gebaut. Erst in der vergangenen Saison ist der Sechsersessel Glocknerblick dazugekommen, eine flotte Anlage, die das Skigebiet unter der Blauspitze komplettiert und ein paar neue, breite Abfahrten eröffnet.

Inzwischen bietet das Großglockner Resort Tiefschneehänge, Funparks und Halfpipes und Dutzende feiner Pisten. In den höheren Lagen überwiegen die mittelschweren Varianten mit einigen rabenschwarzen Ablegern für Könner. Anfänger finden ihr Revier vor allem am Matreier Goldried und im flachen Gelände des Kalser Tals.

Dort sind auch die Skischulen zu Hause. Nicht nur die Allerkleinsten sind dankbar, dass die Temperaturen hier angenehmer und die Wirtshäuser näher sind als oben auf dem Berg.

Im "Gradonna" geht die Piste direkt vor die Tür des Hotels
KALS - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA (dpa/gms/Joachim Hauck)/Joachim Hauck

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Schneesicherheit durch Staulage

Dass in Kals vor allem Sessellifte surren, ist in Corona-Zeiten ein Pluspunkt, und schneesicher sind die Abfahrten überall, denn das Großglockner Resort ist mit einer Staulage auf der Südseite der Tauern gesegnet. Wenn es trotzdem mal etwas an Naturschnee mangelt, lassen sich 90 Prozent der Abfahrten buchstäblich auf Knopfdruck künstlich beschneien. Für deren Pflege sind die Männer in den Pistenraupen mehrfach ausgezeichnet worden, ein gutes Dutzend rückt jede Nacht zum Ausbessern und Planieren aus.

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Die Pisten sind ein Pluspunkt der Region, die Gastronomie ist ein weiterer. Mit den neuen Bahnen hat die Schultz-Gruppe das Viereinhalb-Sterne-Hotel "Gradonna" nebst 34 schmucken Chalets hoch über dem Dorf gebaut – eine Anlage, die direkt an den Pisten liegt und sich recht gut in die Landschaft einfügt.

Doch das gefällt nicht allen. Naturschützer haben Kals das Prädikat Bergsteigerdorf gestrichen, was die meisten Einheimischen nicht wirklich stört. Von dem Titel können sie schließlich nicht abbeißen. Das Hotel und die Investitionen ringsum dagegen bringen neue Gäste und Geld ins Dorf, das im Kern seinen alten Charme behalten hat.

Vom Aufschwung profitieren zudem Dutzende von alteingesessenen Gasthöfen, Frühstückspensionen und Restaurants. Mögen im Resort droben die eher besser betuchten Gäste wohnen – das alte Kals drunten ist geblieben, was es immer war: ein idyllischer Ort und ein gutes Ziel auch für kostenbewusste Wintersportler und Schüler-Skilager.

Regionaltypisches zu fairen Preisen

Vielleicht ist es gerade das Nebeneinander von hochpreisigen und ausgesprochen günstigen Angeboten, das den Erfolg der Region ausmacht – auch beim Einkehrschwung. Da sind auf der einen Seite die urigen Hütten, die sich mit bodenständiger Küche wie Schlutzkrapfen, Käsespätzle, Kaspressknödeln oder Ingsanten Nigelen (mit Mohn gefüllte Germknödel) empfehlen.

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Und da gibt es zum anderen die "Adler Lounge" von Wirt Walter Hartweger, der all das auch serviert, in dem Bauwerk aus Stahl und Glas aber auch mit exquisiten Gerichten aufwartet. Eine Haube im Gault Millau hat er sich schon erkocht, der Panoramablick auf König Glockner und weitere 62 Dreitausender ist so grandios wie die Küche.

Für alle Skifahrer, die am Gipfel auf 2.600 Meter schlafen möchten, hält Hartweger einige exklusive Appartements bereit - Großglockner-Blick beim Aufwachen inklusive.

Unterm Strich ist der Winterspaß in Kals-Matrei jedoch vergleichsweise erschwinglich geblieben. Die Halbpension in einem ordentlichen Gasthof ist durchaus noch für 60 Euro zu haben, der Cappuchino für weniger als drei Euro. Beim Skipass, der auch für die Liftanlagen im nahen St. Jakob, in Sillian und auf dem Mölltaler Gletscher gilt, zahlen junge Leute bis zu ihrem 18. Lebensjahr nur den günstigen Kindertarif. Das ist im Alpenraum selten.

Schick und ganz hoch droben: die Adler Lounge
KALS - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA (dpa/gms/Joachim Hauck)/Joachim Hauck

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