Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag: Hört auf, behindert als Schimpfwort zu verwenden!

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Hört auf, "behindert" als Schimpfwort zu verwenden!

Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Eine gute Gelegenheit, um darauf aufmerksam zu machen, das Wort "behindert" nicht zu missbrauchen.
Monika Kässer

Viele Jahre hatte ich keine besonders enge Bindung zu meinem Bruder, der mit Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, geboren wurde. Ich war um die zwölf Jahre alt, als mich meine Mutter zur Brust nahm und klagte, warum ich mich denn nicht ein wenig mehr für meinen Bruder interessieren würde. Ja, warum denn nicht? Darauf hatte ich nicht wirklich eine Antwort. Weil es keine Absicht war. Manchmal hat man eben gar nicht so viel am Hut mit seinen Geschwistern. 

Doch das Gespräch hat nachhaltig etwas bewirkt in mir. Ich nahm mich meinem Bruder mehr an, duschte ihn regelmäßig, spielte mit ihm und las ihm abends Geschichten vor. Ich kümmerte mich. Zum einen wollte ich es Mama recht machen, zum anderen war ich selbst bestrebt, das Verhältnis zu meinem Geschwisterteil zu intensivieren. 

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Meine Bemühungen fruchteten, denn mein Bruder und ich wurden ein Herz und eine Seele. Wir nannten uns gegenseitig "Schwänchen" eine Anekdote, die unseren gemeinsamen Fernsehabenden geschuldet ist, denn in der Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" hat einer der Darsteller seine Partnerin besagten Kosenamen gegeben, worüber wir uns köstlich amüsierten. Im Familienleben gab es also keine Probleme mit der Beeinträchtigung meines Bruders, doch es gab und gibt eine andere Sache in diesem Zusammenhang, die mir auf den Geist geht: "behindert" als Schimpfwort zu verwenden. 

Was ist eigentlich das Down-Syndrom?

Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Ziel ist es, mehr Aufmerksamkeit und Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen, denn etwa eines von 600 Neugeborenen kommt mit Down-Syndrom auf die Welt. Dabei handelt es sich um eine angeborene genetische Störung, um eine sogenannte Chromosomenanomalie, nicht aber um eine Krankheit. Sie wird auch Trisomie 21 genannt, da sich 47 statt 46 Chromosomen in jeder Körperzelle befinden das 21. Chromosom ist dreifach statt doppelt vorhanden. 

Wie einem Bericht von "Gesundheit.gv.at" zu entnehmen ist, haben Menschen mit dieser Beeinträchtigung körperliche (beispielsweise mandelförmige und leicht schräg stehende Augen sowie ein kleinerer Kopf) und geistige Auffälligkeiten (wie zum Beispiel Lernverzögerungen oder Lernschwierigkeiten) in unterschiedlicher Ausprägung und zudem mehr gesundheitliche Probleme als Menschen ohne dieser Behinderung. 

"Wie behindert ist das denn?"

"O Gott, du bist echt so behindert!" oder "Echt jetzt? Wie behindert ist das denn?": Irgendwann fing es, dass Leute den Begriff "behindert" synonym als Schimpfwort, Beleidigung oder in einem sonstigen abwertenden Zusammenhang verwendeten. Auch ich gehörte als Jugendliche dazu. Es war etwas Alltägliches, schließlich verwendete der Großteil meiner Klassenkamerad:innen Begriffe wie "schwul", "Homo", "Spasti" oder eben "behindert" als andere, "coolere" Bezeichnung für "Idiot" oder "bescheuert". Wie dumm von mir! Zum einen hab ich durch meine Sprache andere Menschen diskriminiert, zum anderen gebrauchte ich diese Worte schlichtweg falsch, sprich nicht ihrem eigentlichen Sinne entsprechend. 

Auch heute fällt mir immer wieder auf, wie stark sich diskriminierende und sexistische Ausdrücke (wie beispielsweise "Sei keine Pussy!" oder "So ein Mädchen!") in unseren Sprachgebrauch eingenistet haben. In den meisten Fällen ist uns gar nicht bewusst, dass wir durch unsere Sprache andere beleidigen sowie Ungleichheiten und Stigmatisierungen aufrechterhalten.

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Sensibler Sprachgebrauch ist wichtig 

Sprache ist allgegenwärtig und niemals neutral, daher ist ein sensibler Sprachgebrauch so bedeutsam. Vor allem darf man auch hinterfragen, was die Gründe sind, Begriffe aus ihrem Zusammenhang zu reißen und ihnen statt Neutralität Abwertung beizumessen. Immerhin bietet die deutsche Sprache genügend Wörter, um seinen negativen Emotionen auf angemessene Art und Weise Ausdruck zu verleihen.

Daher folgt hier eine kleine Auswahl an Schimpfwörtern, die man statt "behindert" verwenden kann:

  • deppert
  • gschissn
  • bescheuert
  • hirnrissig
  • dämlich
  • dumm

Oft fühlt man sich machtlos, wenn es um Ungerechtigkeiten geht, doch selbst im Alltag hat jede:r im wahrsten Sinne des Wortes ein Mitspracherecht. Lasst uns Sprache als Mittel für eine positive Veränderung nutzen.