Lass uns Freund:innen bleiben! Kann Friendzoning auch positiv sein?

Friendzone-Bedeutung: Muss sie immer negativ sein? Wie waren unsere Erfahrungen damit?
Selma Tahirovic
"Lass uns einfach Freund:innen bleiben", hat so manches Herz gebrochen. Doch kann die Friendzone auch positive Auswirkungen haben?

Stell dir vor, du datest seit einiger Zeit deinen Crush und bist über beide Ohren verliebt. Doch eines Tages führt ihr beiden ein Gespräch und er/sie beichtet dir, dass die Gefühle nicht für eine Beziehung ausreichen. Wäre das nicht schmerzhaft genug, folgt dann noch ein "Ich seh' das zwischen uns nur platonisch" oder "Lass uns doch einfach Freund:innen bleiben!". 

In der Friendzone zu sein, war für mich bisher immer eine sehr negative Erfahrung, denn bei mir haben anschließende Freundschaften nie geklappt. Als mein letzter Crush mich in die "Spielzone für freundliche Gefährt:innen" gesteckt hat, hab ich tagelang geheult. Er wollte mich jedoch noch als gute Freundin "behalten" und schlug vor, dass wir zusammen in Clubs oder abends auf Drinks gehen oder kurz nach seiner Offenbarung sogar zu zweit einen Wochenendtrip machen – als Travel-Buddies.

Für mich kam das absolut nicht infrage, denn emotional wäre das so eine Belastung gewesen, die ich kaum ausgehalten hätte. Ich beendete den Kontakt und machte ihm vor allem eines klar: "Wir sind keine Freund:innen und werden es auch nie sein – vor allem jetzt nicht." 

Kann die Friendzone auch ein sicherer Hafen sein? 

Ich verstehe, wenn man eine Person sehr mag und diese so sehr schätzt, sodass man zumindest befreundet bleiben möchte, auch wenn es romantisch nicht klappt. Doch oftmals vergisst man vielleicht, dass man damit immer noch einen Funken Hoffnung der anderen Person gegenüber zuwirft.

Ich habe mich vor der Friendzone so sehr gefürchtet, sodass ich sie im Endeffekt nie betreten habe. Allein der Gedanke, dass ich mehr von dieser Person will, als sie von mir und ich trotzdem ihre Nähe "ertrage", obwohl ich romantisch keine Chance habe, hat mich zu sehr verfolgt. 

In meiner Jugend habe ich dasselbe Spiel mit einem ehemaligen Crush versucht: Zuerst war ich in ihn verliebt, danach er in mich und dann waren wir beste Freund:innen. Doch die Freundschaft zerbrach anschließend komplett, weil es sich einfach nicht richtig angefühlt hat. Ich habe deswegen nur eine wichtige Devise: wenn ich date, dann suche ich vor allem nach einem Partner und nicht nach einem neuen (platonischen) Freund – denn davon habe ich schon genug.

Während ich ein gebrandmarktes Kind bin, haben meine Kolleg:innen jedoch auch überaus positive Erfahrungen mit der "Lass uns Freund:innen bleiben"-Schiene gesammelt und zeigen damit, dass nicht jede:r in der Friendzone unglücklich sein muss:

"Ich war ihm am nächsten Tag unendlich dankbar"

Sophie, 29: Ich war mal bei einem guten Freund auf einer Homeparty und wie das eben so ist, wenn man Beerbong und Trinkspiele zockt, waren wir alle nach der Zeit etwas betrunken. Zuvor ist niemals etwas zwischen uns gelaufen, aber irgendwie wollte ich ihn plötzlich küssen. Er hat abgeblockt und obwohl ich anfangs irritiert war, war ich ihm am nächsten Tag unendlich dankbar, dass er nicht darauf eingegangen ist. Wir sind heute noch befreundet und lachen darüber.

"Wir stehen uns heute sehr nah – aber nur platonisch"

Dario, 22: Meine "beste Freundin" war früher viel mehr als das, wir haben uns vor circa vier bis fünf Jahren kennengelernt und am Anfang gar nicht gemocht. Durch gemeinsame Freundeskreis-Abende haben wir immer mehr Zeit miteinander verbracht und bemerkt, dass wir uns doch relativ gut leiden können. Es folgten ein paar Monate des Datings, bevor ich mehr oder weniger den Kontakt abbrach. Wenige Monate später versuchten wir es wieder als Freund:innen, und wir stehen uns heute eben sehr nah – aber nur platonisch.

"Unpraktischerweise haben sich beide in mich verliebt"

Amina, 35: Nachdem meine erste richtige Beziehung in die Brüche gegangen ist, habe ich viel Zeit mit zwei Freunden verbracht, was mir sehr über die schwierige Trennungszeit hinweggeholfen hat. Wir waren zu dritt auf Konzerten, sind durch Bars gezogen, haben die Stadt unsicher gemacht. Unpraktischerweise haben sich dann aber beide in mich verliebt, was mich damals dezent überfordert hat. Bei einem der beiden wusste ich aber immer, dass er wie ein Bruder für mich ist, da konnte einfach nicht mehr entstehen. Was ich ihm schlussendlich auch ehrlich gesagt habe.

Das war anfangs hart für ihn, aber die Freundschaft war uns weiterhin wichtig. Wir haben sie nach einer kurzen Unterbrechung des Kontakts auch fortgesetzt. Das kann auch funktionieren, wenn beide es wollen und immer ehrlich zueinander sind! Heute ist er stolzer Papa eines kleinen Sohnes und glücklich verheiratet – und wir sind nach wie vor befreundet.

Und der zweite Freund, mit dem ich damals soviel Zeit verbracht habe? Das ist eine andere Geschichte ....

"Ich war seine Wing-Woman, er mein Wing-Man"

Julia, 29: Die Friendzone habe ich schon ab und zu mal ausgesprochen. In einem Fall führte sie aber dazu, dass ich eine der wichtigsten Freundschaften meiner Studienzeit dazugewonnen habe. Ein Freund von Freund:innen war gerade nach Wien gezogen und er fragte mich nach einem Treffen. Ich vermutete dahinter schon eine romantische Annäherung und dachte mir, ich mache einfach direkt klar, wie ich zu ihm stehe und behandle ihn ganz offensichtlich wie einen Kumpel. Er verstand diese Hints gottseidank direkt und wir begannen, regelmäßig miteinander feiern zu gehen. 

Ich war seine Wing-Woman, er mein Wing-Man und wir vertrauten uns auch immer mehr persönliche Probleme an. So formten wir eine tiefe Freundschaft. Jahre später sagte er zu mir: "Weißt du noch, damals als wir uns getroffen haben, da wollte ich eigentlich schon was von dir." Wir lachten bei dieser Bemerkung beide laut auf und ich fragte, wie er jetzt dazu steht. Er meinte, dass er so froh ist, dass damals nichts passiert ist, weil es sich kurze Zeit später bereits so anfühlte, als wäre ich seine Cousine oder Schwester. Experiment geglückt!

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