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Was tun bei Schulangst? Diese Tipps können helfen!

Neues Schuljahr, neue Herausforderungen: Was tun, wenn das eigene Kind von Schulangst betroffen ist? Psychologin Luise Hollerer klärt auf.

"Ich will nicht in die Schule!", diesen Satz haben Eltern bestimmt schon einmal gehört. Keine Lust auf Schule und Lernen zu haben, kennen wohl einige von uns aus ihrer eigenen Kindheit. Doch was kann man tun, wenn sich der Nachwuchs tatsächlich weigert in die Bildungsstätte zu gehen, weil er unter Schulangst leidet?

Wir haben mit Dr.in Luise Hollerer, der Leiterin der Fachsektion für pädagogische Psychologie des Bundesverbands Österreicher PsychologInnen (BÖP), über das Thema gesprochen.

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Was sind die Ursachen für Schulangst? 

Die Ursachen für die Angst vor der Schule können unterschiedlich sein. Psychologin Hollerer erklärt, dass man bei Betroffenen vor allem auf die Altersgruppe achten muss. Bei Schulneulingen kann die Angst besonders durch die Sorge vor Neuem entstehen. "Der Schulbeginn kann beängstigend sein", erklärt die Expertin. Auch Sprüche wie "Du wirst schon sehen, wenn du in die Schule kommst", können bei Kindern Ängste auslösen. Gespräche von Erwachsenen über die Schule könnten dadurch von Kindern "negativ" oder sogar als "Drohung" aufgefasst werden.

Abgesehen vom Einzug in die erste Klasse kann für (ältere) SchülerInnen auch ein steigender Leistungsdruck während des Schuljahres die Ursache sein, der zudem Versagensängste in den Betroffenen auslösen kann.

Auch soziale Schwierigkeiten, wie

  • Probleme beim Eingliedern in die Klassengemeinschaft,
  • Kommunikationsschwierigkeiten zwischen SchülerInnen und LehrerInnen
  • oder Mobbing

können hierbei eine Rolle spielen. Traumata aus der Vergangenheit, die nicht aufgearbeitet wurden, können ebenfalls zur Schulangst führen.

Welche Anzeichen gibt es für Schulangst? 

"Im glücklichen Falls sagt das Kind, dass es Angst hat", erklärt Hollerer.  Die Anzeichen einer Schulangst können laut der Expertin jedoch sehr unspezifisch sein: "Bauchweh, Kopfweh, große Müdigkeit oder das Kind trödelt, bevor es in die Schule geht." Aber auch Aussagen wie "Ich kann oder mag nicht in die Schule" können hierbei häufig fallen. "Es kann bis zur Schulverweigerung kommen", sagt Hollerer weiter.

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Das können Eltern für Schulangst-Betroffene tun 

Doch nicht nur die Betroffenen, auch die Eltern können im Falle einer Schulangst schnell unter Druck geraten. Immerhin haben die Erziehungsberechtigten die Pflicht, ihre Kinder in die Bildungsstätten zu schicken. Was kann man also als Mutter oder Vater tun, um seinen Nachwuchs zu unterstützen?

Eltern haben die Möglichkeit, sich an PsychologInnen zu wenden, um die Gründe für die Schulangst mit dem/der Betroffenen gemeinsam zu ermitteln. Hierbei wäre es vor allem wichtig zu erfragen, was sich das Kind von der Schulzeit erwartet. Der Fokus läge vor allem darauf, den/die SchülerIn erzählen zu lassen, wie er/sie sich in der Situation fühlt. So kann man gemeinsam Lösungen ausarbeiten.

Eltern können ihren Sprösslingen insofern helfen, wenn sie das Kind ermutigen und bei neuen Situationen begleiten. "Man soll es nicht an der Hand hinterherziehen", mahnt die Expertin. Mutter oder Vater könnten beispielsweise vor dem Einzug in die Schule mit ihren Kindern gemeinsam den Schulweg abgehen und wichtige Stationen wie das Klassenzimmer oder die Toiletten bereits vor Schuleintritt erkunden.

"Die Eltern sollen das Kind zur Selbsttätigkeit anregen", erklärt Hollerer. "Und auch diese Selbstständigkeit zutrauen und zumuten." Der gemeinsame Einkauf von Schulmaterial oder Lebensmittel für die Jause können ebenfalls helfen. Der/die Betroffene wird aktiv miteinbezogen, um den Schulalltag mitzugestalten. Besonders für SchuleinsteigerInnen kann dies unterstützend sein.

Ansonsten ist es auch hilfreich, die Kinder und Jugendlichen daran zu erinnern, was sie bisher geschafft haben. Eltern sollten ihrem Nachwuchs erzählen, wie es den Einzug in den Kindergarten oder vorherigen Bildungseinrichtungen gemeistert hat. Dies dient vor allem als Erinnerung daran, dass der/die SchülerIn bereits zuvor schwierige Situationen selbstständig bewältigt hat – und auch erneut bewältigen kann.

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Wie können LehrerInnen unterstützen?

Falls LehrerInnen Schulangst-Betroffene in ihren Klassen haben, dann sollten sie auf jeden Fall die "persönliche Begegnung" mit den SchülerInnen suchen. PädagogInnen können die Kinder vor Beginn des Unterrichts oder in der Pause auf ihre persönlichen Interessen ansprechen und eine "Beziehung" aufbauen. LehrerInnen sollten auch darauf achten, dass sie ein "wohlwollendes Klima" im Klassenzimmer herstellen. Zudem sollten nicht Fähigkeiten von SchülerInnen erwartet werden, die die Betroffenen laut Hollerer "noch nicht" entwickelt oder erworben haben. Das Lehrpersonal hat demnach die Aufgabe, die Kinder zu bestärken. 

Auch auf einen passenden Lehrplan kommt es an: "Die Kinder sollten weder über- noch unterfordert sein", erklärt die Expertin. "LehrerInnen sollten die richtigen Leistungsanforderungen für das Kind zu finden und diese auch mit den Eltern kommunizieren", sagt Hollerer abschließend.

Wo kann man sich professionelle Hilfe holen?

Betroffene und Eltern sollten sich vor allem an Lehrpersonen wenden, die gegebenenfalls an die Schulpsychologie verweisen können. Zudem bieten manche (höheren) Schulen auch BeratungslehrerInnen an, die Hilfe und Lösungsansätze mit den SchülerInnen sowie Eltern ausarbeiten können.

Außerhalb der Schule können sich Eltern/Betroffene auch an die Hotline des BÖP wenden.

  • Unter der Telefonnummer 01/504 8000 kann man kostenlos und anonym Montag bis Donnerstag ab 9:00 bis 13.00 Uhr beraten werden.
  • Die ExpertInnen können an Beratungsstellen und ÄrztInnen weitervermitteln.