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Zu alt? TikTokerin stillt ihr Kleindkind – und wird kritisiert

"Ein bisschen alt, oder?": Eine TikTokerin wird kritisiert, weil sie ihr Kleinkind stillt – und ihm dabei Konsens beibringt.

Die TikTokerin @mamadelamyco teilte ein Video, in dem sie ihren Sohn stillt. Dabei sieht man, wie sie ihrem Kind ihr Einverständnis gibt, damit es von ihrer Brust trinken darf. Sie fragt ihren Sohn unter anderem, von welcher Brust er trinken möchte und bittet ihn, seine Hände solange auf seinen Oberschenkeln zu halten, bis sie ihr T-Shirt hochhebt. So will sie ihrem Sohn beibringen, abzuwarten, bis er Erlaubnis bekommt. 

"Ich weiß, dass das wahrscheinlich für viele Leute seltsam aussieht, aber ich hätte beinahe aufgehört zu stillen, weil es so schwer war, das hier ohne gute Still-Modelle zu erreichen", schrieb die Userin im Video. Im Anschluss fragt die Mutter noch, ob die ZuschauerInnen die gezeigten Szenen "eklig" finden. 

Der TikTok-Clip wurde bereits mehr als 7,8 Millionen Mal angesehen. 

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Kleinkinder stillen: Gespaltene Meinungen 

Einige UserInnen sind der Meinung, dass der Sohn der TikTokerin schon "zu alt" sei, um gestillt zu werden. Eine Userin bezog sich auf die Frage, ob sie das gezeigte Video "eklig" finde: "Um ehrlich zu sein, ja, es fühlt sich komisch für mich an, weil ich es nicht verstehe. Bei allem Respekt: Was motiviert Mütter dazu, ihre Kinder noch im Kleinkindalter zu stillen?" 

"Ich finde, er ist alt genug, um aus einem Trinkbecher zu trinken, warum nicht einfach abpumpen?", kommentierte eine andere Zuschauerin. Zudem kommentierten einige UserInnen, dass die Mutter durch ihr Verhalten zeigt, dass sie nicht "loslassen" kann und sich das späte Stillen negativ auf ihren Sohn auswirken könnte.

Andere NutzerInnen lobten jedoch @mamadelamyco und betonten, dass sie es großartig finden, dass die TikTokerin weiterhin stillt. "Ich denke, du machst einen wunderbaren Job. Ich habe mein Kind bis zum dritten Lebensjahr gestillt und ich habe ihm die Still-Etikette beigebracht", schrieb eine Userin. 

Einige TikTokerInnen sagten, es sei zwar nicht "eklig", dafür aber ungewöhnlich, ein Kleinkind in dieser Situation zu sehen. In einem weiteren Kommentar hieß es: "Nein, das ist natürlich. Wenn die Leute aufhören würden, etwas zu sexualisieren, das dazu gedacht ist, unsere Babys zu füttern, würde sich niemand 'seltsam' dabei fühlen!"

Zudem lobten einige NutzerInnen, dass @mamadelamyco ihren Sohn schon in jungen Jahren über Konsens aufkläre. 

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Wie lange sollte man ein Baby stillen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys möglichst bis zum sechsten Lebensmonat ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren. Muttermilch ist laut WHO die "ideale Nahrung für Säuglinge". Sie sei sicher, sauber und enthalte Antikörper, die zum Schutz vor vielen Kinderkrankheiten beitragen. Muttermilch liefert zudem die gesamte Energie und alle Nährstoffe, die Säuglinge in den ersten Lebensmonaten benötigen. Die Milch deckt auch in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres bis zur Hälfte oder mehr des Nährstoffbedarfs eines Kindes, im zweiten Lebensjahr bis zu einem Drittel.

Dennoch werden laut WHO-Daten weltweit nur 40 Prozent aller Babys unter sechs Monaten gestillt. Oft brechen Mütter (häufig frühzeitig) das Stillen ab, weil sie wenig Milch geben oder Schmerzen haben. Andere Frauen fühlen sich auch dazu gezwungen, abzustillen, weil es ihnen beispielsweise unangenehm ist, in der Öffentlichkeit zu stillen. 

Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) empfiehlt, das Füttern mit fester Nahrung (Beikost) "je nach individuellem Entwicklungsstand des Kleinkindes zwischen Beginn des fünften Lebensmonats (17. Woche) und Ende des sechsten Lebensmonats (26. Woche) zu beginnen". Laut AGES bleiben Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung auch danach eine wichtige Quelle für Nährstoffe. 

Wie die WHO berichtet, sollen gestillte Kinder besser bei Intelligenztests abschneiden, seltener übergewichtig oder fettleibig sein und ein geringeres Diabetesrisiko haben. Frauen, die stillen, sollen zudem auch ein geringeres Risiko haben, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken. 

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Kann man ein Kind "zu lange" stillen? 

Langzeitstillen ist laut dem "Still-Lexikon" nichts Ungewöhnliches. In einer internationalen Studie wurden 4.000 Mütter zu ihrem Stillverhalten befragt. Probandinnen, die ihre Kinder besonders lange stillten, gaben an, dass sie eine engere Bindung zu ihrem Kind spürten und auch der Nachwuchs selbst – sofern er schon sprechen konnte – äußerte, dass er sich dadurch "sicher und geborgen" fühle.

Wie lange man ein Kind stillt, bleibt im Endeffekt jeder Mutter selbst überlassen. Schlussendlich bleibt eine Sache immer das Wichtigste: Das Wohle des Kindes – und der Mutter!