APA - Austria Presse Agentur

50 Jahre "Wickie und die starken Männer"

"Wickie und die starken Männer" wird 50 Jahre alt. Die japanische Trickfilmserie gehörte mit "Heidi" zu den ersten, die in Zusammenarbeit mit ORF und ZDF entstanden. Gezeichnet wurde die Serie im Studio Zuiyo Enterprises, wo auch Großmeister des Fachs wie Hayao Miyazaki ("Chihiros Reise ins Zauberland") arbeiteten. Spätere wichtige Ko-Produktionen der 1970er-Jahre waren zum Beispiel "Pinocchio" und "Die Biene Maja".

Das Titellied ("Hey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey! Zieh' fest das Segel an!") haben Millionen Menschen noch heute im Ohr. Gesungen hat es die Beatgruppe The Stowaways, Vorläufer der heutigen Kölner Stimmungsband Bläck Fööss. Die Melodie schrieb Erfolgskomponist Christian Bruhn, Schöpfer von "Marmor, Stein und Eisen bricht".

Die Serie beruhte auf Kinderbüchern des schwedischen Autoren Runer Jonsson. Sie wäre aber vielleicht nie so erfolgreich geworden, wäre Westeuropa zu Beginn der 1970er nicht so fasziniert von allem Skandinavischen gewesen. Nordische Sexfilmchen wie "Schweden - Hölle oder Paradies?", wuchtige Teakmöbel, Sauna - das war 1974 alles schwer en vogue.

Wie viele Trickfilme aus dieser Zeit hatte "Wickie" fabelhafte Synchronstimmen. Der Bub mit den roten Haaren wurde von Florian Halm gesprochen, der später unter anderem den Schauspieler Jude Law synchronisierte - und übrigens auch Rapper Sean "P. Diddy" Combs. Die Stimme seines Vaters Halvar - mal gutmütig, mal cholerisch - gehört Walter Reichelt, der in "Tom und Jerry" die Bulldogge Spike sprach.

"Wickie" hat viele Menschen inspiriert. Rapper Sven Mikolajewicz von der Kult-Gruppe Fischmob firmierte in den 1990ern auf der Bühne als "Der schreckliche Sven". Das ist Halvars schlimmster Feind. Der japanische Mangazeichner Eiichiro Oda war nach eigenen Worten von den Piratenabenteuern Wickies so begeistert, dass er daraus die Idee zu "One Piece" ableitete, heute die erfolgreichste Mangaserie der Welt.

Es gab viele Versuche, die Welt von "Wickie" neu zu gestalten. Als erstes erschienen "Wickie"-Comics in den 1970ern. Michael "Bully" Herbig brachte 2009 dann einen "Wickie"-Film mit echten Menschen in die Kinos. Ungefähr zu der Zeit entstand auch ein Computerspiel. 2014 entstand eine 3D-Animationsserie in völlig neuer Optik. Aber an den Charme der allerersten Trickfilmfolgen reicht nichts heran.