APA - Austria Presse Agentur

Abriss von Gebäude mit Picasso-Werken in Norwegen angeordnet

Norwegens Regierung hat ungeachtet des Widerstands von Kulturerbe-Verteidigern den Abriss eines Gebäudes angeordnet, an dessen Fassaden Picasso-Werke dargestellt sind. Die Regierung in Oslo lehnte am Mittwoch einen Antrag von Abriss-Gegnern ab, das an der Stelle geplante Bauvorhaben bis zum Ende eines von ihnen angestrebten Gerichtsverfahrens zu verschieben.

Der Abriss war beschlossen worden, weil das Gebäude bei den Attentaten des Rechtsextremisten Anders Behring Breivik im Juli 2011 beschädigt worden war. Drei Organisationen und Verbände hatten vor rund zwei Wochen angekündigt, den Streit über den Abriss des Gebäudes vor Gericht bringen zu wollen. Sie forderten von der Regierung, den Abriss zu verschieben, bis ein Gericht über den Fall entschieden habe. Das norwegische Ministerium für Kommunalverwaltung und Modernisierung lehnte dies nun mit der Begründung der hohen Kosten einer weiteren Verschiebung des Abrisses ab sowie der Dringlichkeit, das bereits beschlossene Wiederaufbauprojekt voranzutreiben.

Ein weiterer Aufschub über den 1. April hinaus würde 30 bis 50 Millionen norwegische Kronen (rund drei bis fünf Millionen Euro) kosten, teilte die für die Verwaltung des staatlichen Immobilienvermögens zuständige Behörde mit. Ein Datum für den geplanten Abriss war zunächst nicht bekannt.

Das 1969 im Zentrum von Oslo im modernistischen Stil fertiggestellte und ypsilonförmige Bauwerk "Y Block" hat an seinen Wänden Zeichnungen des spanischen Künstlers Pablo Picasso, die von dem norwegischen Künstler Carl Nesjar mit Sandstrahlungs-Technik aufgetragen worden waren.

Das Gebäude war für Regierungszwecke genutzt und 2011 beim Bombenanschlag des Rechtsextremisten Breivik erheblich beschädigt worden. 2014 beschloss die Regierung daher, das Gebäude aus Sicherheitsgründen im Rahmen eines großen Wiederaufbauprojekts abzureißen und die Wandmalereien "Die Fischer" und "Die Möwe" an einen anderen Platz zu bringen. Die Entscheidung löste Proteste von Kulturerbe-Verteidigern und Teilen der Bevölkerung aus, die den Abriss des Gebäudes verzögerten.