APA - Austria Presse Agentur

Aktionismus Museum setzt auf Kontext und Kommunikation

Wenn das Wiener Aktionismus Museum (WAM) am Freitag eröffnet, erwartet die Besucher nicht nur ein "Ort des Zeigens, sondern ein Ort, an dem Bewegung entsteht", freut sich dessen Leiterin Julia Moebus-Puck. Zum Auftakt zeigt das private Museum in der Weihburggasse 26 die Überblicksschau "Was ist Wiener Aktionismus?", die eine Einführung in das Werk von Otto Muehl, Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler und Günter Brus bietet. Besonders wichtig ist dabei auch die Vermittlung.

"Hier wird niemand im Haus allein gelassen, neben einem digitalen Guide über QR-Codes und einem Begleitheft ist unser Aufsichtspersonal so geschult, dass es Fragen beantworten und in den Diskurs gehen kann", so die deutsche Kunsthistorikerin, für die der Wiener Aktionismus "unglaublich konfrontativ und in seiner Radikalität authentisch" ist. Künftig will man im Haus auf "Kontextualisierung und Kommunikation" setzen. Mit über 80 Arbeiten zeigt man in der Eröffnungsausstellung, die bis zum 31. Jänner 2025 zu sehen ist, etwa ein Zehntel jener Sammlung, die den Grundstock des Museums bildet. Der Galerist Philipp Konzett hat 2022 die u.a. 880 Ölbilder und viele Tausende von Fotos, Grafiken, Skulpturen, Zeichnungen oder Aquarelle umfassende Sammlung Friedrichshof, die in den 1980er-Jahren mit dem Vermögen der am burgenländischen Friedrichshof lebenden Kommune rund um Otto Muehl aufgebaut und nach Kommunenende 1990 in die bis heute bestehende Kooperative eingebracht wurde, mit Partnern wie Jürgen Boden, der gemeinsam mit Konzett als Geschäftsführer des Neo-Museums fungiert, gekauft.

Auf 800 Quadratmetern nähert sich die von der WAM-Chefkuratorin Eva Badura-Triska konzipierte Ausstellung auf zwei Etagen in sieben Stationen "den wesentlichen Aspekten in ihrer zeitlichen Entwicklung", wie sie am Mittwoch bei der Presseführung erläuterte. Der Fokus liegt dabei auf den 1960er-Jahren: "Man kann sich nicht vorstellen, wie viel Verschiedenes in diesen zehn Jahren passiert ist, es ist unglaublich komplex, was wir zeigen", so Badura-Triska, die bereits im mumok federführend für den Wiener Aktionismus verantwortlich war. Und so werden die Besucher, die für die Schau einen vergleichsweise geringen Eintritt von sieben Euro bezahlen, in den hohen Räumen im Erdgeschoß von frühen Bildwerken von Brus, Muehl, Nitsch und Schwarzkogler begrüßt. Unter dem Titel "Vom Tafelbild zur Aktion" will sie dabei die jeweilige individuelle Entwicklung der Künstler von der Malerei zur Aktion beleuchten. So ist etwa ein 1960 entstandenes Nitsch-Schüttbild vertreten, dem eine Fotografie der 4. Aktion von 1963 gegenübergestellt ist. Die bildnerischen Anfänge von Brus sind durch Zeichnungen vertreten, von Muehl stammen frühe informelle Bilder.

Im Untergeschoß widmet man sich schließlich mit Werken wie Brus' "Selbstbemalung I" der "Inszenierten Fotografie", bevor der Parcours zu den "Bildwerken" (etwa mit Collagen von Muehl und Aktionsrelikten von Nitsch) führt. Die Zeit zwischen 1965 und 1967 thematisiert der "Aktionsraum", in dem Solo-Aktionen wie etwa Brus' "Wiener Spaziergang" oder die Aktion "Diana" (mit seiner Tochter als Baby) zu sehen sind, bevor in der Station "Politisierung" vermehrt Gemeinschaftsaktionen ("Kunst & Revolution" oder "Vietnam Party") im Fokus stehen. Den Höhepunkt der Schau bildet schließlich der Film "Zerreißprobe", die Brus' Abschluss seiner Laufbahn als Aktionist markierte.

Künftig sollen im WAM, das über ein Jahresbudget von 700.000 Euro verfügt und keine Mittel aus der öffentlichen Hand erhält, ein bis zwei Ausstellungen pro Jahr realisiert werden, wobei sich jede Schau aus einem Forschungsprojekt speisen werde, wie Badura-Triska und Moebus-Puck erläuterten. "Wir haben schon ungefähr 197 Ausstellungsideen", so die beiden. "Man kann noch so sehr ins Detail gehen, es gibt so viele Bereiche, die sich wissenschaftlich erschließen lassen." Die Arbeiten Sammlung Friedrichshof würden völlig neu aufgearbeitet und digitalisiert. Ein "großer Wunsch" sei es auch, "die internationale Strahlkraft auszubauen", was etwa durch Wanderausstellungen und Kooperationen realisiert werden soll.

Fest stehe jedenfalls, dass ein Aktionismusmuseum bisher in Wien gefehlt habe: "In Oslo haben sie Munch, in Amsterdam Van Gogh", so Badura-Triska. Dass Wien nun ein Aktionismusmuseum habe, sei dank der privaten Initiative ermöglicht worden. Für sie ist auch klar: "Klimt, Schiele und Kokoschka waren genauso radikal wie die Wiener Aktionisten. Heute kommen alle nach Wien, um ihre Werke zu sehen." Das solle irgendwann auch der Wiener Aktionismus erreichen, so die Chefkuratorin. "Die menschliche Qualität der Arbeiten wird überleben. Hier werden so existenzielle Fragen verhandelt, dass in 300 Jahren junge Leute diese Qualität spüren werden - losgelöst vom Nachkriegsösterreich oder der 68-Bewegung."

(S E R V I C E - Wiener Aktionismus Museum, Eröffnung am 15. März, 17 Uhr. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr. https://wieneraktionismus.at/)