APA - Austria Presse Agentur

Aktionskünstler Flatz verkaufte seine Haut an Sammler

Eigentlich wollte der österreichische Aktionskünstler Wolfgang Flatz am Donnerstagabend seine Haut samt Tätowierungen versteigern, einlösbar nach seinem Tod. Nackt auf der Bühne präsentierte er sich samt Tattoos den ca. 1.000 Gästen, die zur Benefiz-Auktion "To Risk One's Own Skin" des Auktionshauses Christies in die Pinakothek der Moderne in München geströmt waren. Doch die Auktion fand nicht statt, da ein Sammler die gesamte Arbeit "Die Haut zu Marke tragen" en bloc erwarb.

Details wurden nicht verraten. Nur so viel: Ein international tätiger Sammler aus der Schweiz habe die Tattoos als ungeteilte Werkgruppe erhalten wollen, teilte die Pinakothek mit. Wie viel lässt sich das der Käufer kosten? "Die Summe geht dich nichts an", antwortete Flatz. "Aber es war ein Angebot, wo ich nicht nein sagen konnte, wo niemand nein gesagt hätte." Das Geld soll unter anderem an die gemeinnützige Flatz Stiftung fließen, die junge Künstlerinnen und Künstler unterstützt.

Und noch etwas ist dem gebürtigen Österreicher aus Vorarlberg wichtig: "Ich bin froh, dass das ganze Werk bei einem Sammler landet und damit auch zusammenbleibt und auch wieder zusammen ausgestellt werden kann". 13 Tätowierungen hat sich der 71-Jährige bisher stechen lassen. Eines davon hat er seinem Sohn versprochen, die zwölf anderen gehen an den Sammler, der bis zum Tod des Künstlers lebensgroße Fotografien erhält. Wenn Flatz stirbt, sollen seine Hautpartien vom Körper abgelöst, präpariert und hinter Glas in die Fotos eingesetzt werden - alles festgelegt in einem Testament.

Doch noch ist der Wahlmünchner selbst das Gesamtkunstwerk - und präsentiert sich dem Publikum in der Pinakothek als solches. Im schwarzen Kimono betritt er die Bühne, löst den roten Gürtel und steht schließlich nackt da. Minutenlang verharrt er regungslos auf einer Scheibe, die sich langsam dreht und ihn von allen Seiten zur Schau stellt. "Aktion statt Auktion", kommentierte der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz und würdigte Flatz als Motor der Kunstfreiheit, der die Grenzen der Bildenden Kunst immer weiter herausgeschoben habe.

Wie weit der Künstler zu gehen bereit ist, zeigt die Retrospektive "Something Wrong with Physical Sculpture". Bis zum 5. Mai präsentiert die Pinakothek der Moderne Werke wie Fotos, Installationen und Performances. So etwa die Installation "Bodycheck", 1992 bei der Documenta IX in Kassel: Von der Decke hängen 90 schwere Boxsäcke, durch die sich die Besucher förmlich durchschlagen müssen. Auch mit Glitzersteinen besetzte Motorräder gibt es zu sehen, ebenso wie ein Video von 1990: In einer zerstörten Synagoge im georgischen Tiflis baumelt Flatz an einem Seil von der Decke. Wie ein Glockenschwengel pendelt er hin und her und knallt gegen zwei riesige Metallplatten, bis er bewusstlos wird.

Ausstellungskurator Bernhart Schwenk schätzt den Mut des Künstlers zu stören und zu verstören. Kunst werde immer mehr vereinnahmt, vom Kommerz, vom Kapital, von gesellschaftlichen und von politischen Strömungen. "Das ist gefährlich", warnte Schwenk. "Denn wir wissen aus der Geschichte, dass gesellschaftliche Systeme, in denen Kunst instrumentalisiert oder verboten wurde, keine Zukunft haben oder eine Zukunft, in der wir alle nicht leben wollen."

(Von Cordula Dieckmann, dpa)

(S E R V I C E - "Something Wrong with Physical Sculpture" in der Pinakothek der Moderne in München, von 9. Februar bis 5. Mai, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr)