Aktivisten wollen Mordakte Pasolini wieder öffnen lassen

Pier Paolo Pasolini zwei Jahre vor seiner Ermordung 1972
Ein italienischer Filmregisseur und ein Drehbuchautor haben bei der Staatsanwaltschaft Rom einen Antrag eingereicht, damit die Ermittlungen zum Mord am Regisseur und Schriftsteller Pier Paolo Pasolini im Jahr 1975 wieder aufgenommen wird. Sie fordern eine neue Untersuchung von drei DNA-Spuren, die am Tatort in Ostia gefunden worden waren, berichteten italienische Medien am Freitag.

Die Ermordung des berühmten Dichters, Schriftstellers, Regisseurs ist in Italien immer noch ein Rätsel. Viele vermuten, dass Pasolini von politischen Gegnern getötet wurde. Der Regisseur David Grieco und der Drehbuchautor Giovanni Giovannetti beantragten nun, den Fall auf der Grundlage der im Jahr 2010 gesammelten DNA-Spuren neu aufzurollen. Ihr Anwalt, Stefano Maccioni, startete im Jänner eine Onlinepetition zur Wiederaufnahme des Verfahrens, die bereits Tausende von Unterschriften gesammelt hat. Maccioni und ein ehemaliger Anwalt von Pasolinis Cousin stehen hinter der Petition.

47 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des italienischen Schriftstellers und Filmregisseurs wird weiterhin um die Rolle des verurteilten Täters Pino Pelosi gerätselt. Das ehemalige Straßenkind erlag im Jahr 2017 58-jährig in einem römischen Krankenhaus einer längeren Krankheit.

Mit Pelosi starb eine Schlüsselfigur im rätselhaften Mord an Pasolini. In der Nacht auf den 2. November 1974 hatte sich der damals 17-Jährige, der gegen Geld sexuelle Dienste anbot, mit Pasolini zum Strand in Ostia bei Rom begeben, wo der Regisseur und Dichter später tot aufgefunden wurde. Pasolinis verstümmelte Leiche wurde auf einem Fußballplatz in Ostia entdeckt. Laut Pelosis ursprünglicher Aussage setzte er sich gegen einen Vergewaltigungsversuch Pasolinis zur Wehr und tötete den um 36 Jahre älteren Künstler ohne Hilfe von Komplizen.

Der minderjährige Pelosi wurde wegen Mordes verurteilt und saß neun Jahre im Gefängnis. Ermittler bezweifelten von Anfang an, dass ein Täter allein das Opfer derart hätte verstümmeln können. Am Tatort wurden Kleidungsstücke und Fußabdrücke gefunden, die weder zu Pasolini noch zu Pelosi gehörten.

2005 erklärte Pelosi in einem Fernsehinterview, dass noch zwei andere Personen am Tatort gewesen seien und er dies aus Angst nie eingeräumt habe. In einer weiteren Aussage vor Gericht wies Pelosi im Jahr 2010 jede Schuld von sich. Für den brutalen Mord sollen demnach mindestens sechs Menschen verantwortlich gewesen sein. Sie sollen Pasolini mit drei Autos und einem Motorrad umringt haben. Die Identitäten dieser Personen seien ihm nicht bekannt, hatte Pelosi betont.

Der Verdacht eines politisch motivierten Mords an Pasolini hat sich bis dato nie bestätigt. Der Regisseur hatte wegen seines letzten Films "Die 120 Tage von Sodom" Todesdrohungen von rechtsextremen Organisationen erhalten. In dem Streifen kritisierte Pasolini die Mussolini-Diktatur in den Jahren 1944 bis 1945.

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