APA - Austria Presse Agentur

Allegro Vivo Festival startete mit grooviger Uraufführung

In der Barockbibliothek von Stift Altenburg ist am Sonntagabend das 44. Allegro Vivo Festival eröffnet worden. Der künstlerische Leiter Vahid Khadem-Missagh dirigierte die Academia Allegro Vivo mit Charisma und fungierte an der Geige gemeinsam mit dem Komponisten Daniel Schnyder (Saxofon) auch als Solist bei der Uraufführung von Schnyders Konzert für Violine, Tenorsaxofon und Streichorchester: ein grooviges, intensives und spektakuläres Auftragswerk zum Auftakt.

"Momentum" lautet das diesjährige Festivalmotto, das den Augenblick als kraftvollen Aufbruch versteht, aber auch als Gelegenheit zum Innehalten, um neue Perspektiven zu gewinnen. Manchmal genügt es sogar, sich alte Sichtweisen zu vergegenwärtigen. So sind beim Festival etliche ukrainische wie auch russische Musiker beteiligt. Gerade Kunst und Kultur wurden und werden immer wieder als Hort der Völkerverständigung und des friedlichen Umgangs miteinander beschworen. Heute ist es oft so weit, dass daran erinnert werden muss. Bei Allegro Vivo ist man sich dessen jedenfalls sehr bewusst und lebt diese Idee seit Anbeginn.

Das Konzert begann mit Mozarts heiterem Divertimento in D-Dur KV 136, ein schönes Zeichen für helle Lebensfreude und Leichtigkeit - Begriffe, denen heutzutage geradezu etwas Utopisches anhaftet. Dann also das viersätzige Werk des in New York lebenden gebürtigen Schweizers Daniel Schnyder. Das Orchester mutierte zu einer Big Band - besonders bemerkenswert, da doch nur Streicher mitwirkten. Sehr dynamisch, harmonisch fein strukturiert und rhythmisch pulsierend vorantreibend der erste Satz, dem ein Abschnitt mit weit ausschwingenden melodischen Linien folgt, in einen melancholischen Latin-Teil mit angedeuteter Funk-Passage mündend. Der balladeske dritte Satz erinnert an bluesig-sentimentale Filmmusik, das Finale tobt mit unwiderstehlich Drive dem effektvollen Ende entgegen. Ein prächtiges wie anspruchsvolles Stück, hinreißend musiziert, mit großem Beifall aufgenommen.

Den Ausklang bildete dann die elegische Kammersymphonie op.110a von Dmitri Schostakowitsch, komponiert als Mahnmal gegen die Schrecken des Kriegs und für die Opfer des Faschismus. Ein de facto selbsterklärendes Werk, basierend auf dem achten Streichquartett, eine Musik der Trauer über erlittene Gewalt, am Ende des letzten Satzes ganz langsam verklingend, ersterbend - und da ist er wieder, der Moment, in diesem Fall die sekundenlange Stille danach, der magische Moment des Nachklangs, des Begreifens, ehe der Applaus einsetzt. So viel kann Musik zur Klarheit beitragen und zur Aufklärung.

Die nächste Festivalveranstaltung bringt schon am Dienstag "Musik und Wort" in den Schüttkasten von Schloss Harmannsdorf, es erklingt Kammermusik von Mozart, Elisabeth Eschwé rezitiert Texte aus den Quellen der Hochreligionen. Am selben Abend laden Teilnehmer der Meisterkurse (zu denen über 500 Anmeldungen einlangten) zur Moonlight Serenade an den Horner Stadtsee. Am 10. August stehen in der Altenburger Bibliothek Werke von Brahms, Prokofiev und Schumann auf dem Programm, es musiziert u.a. Elisabeth Leonskaja. Insgesamt 50 Konzerte an 25 Orten des Waldviertels werden bis 18. September geboten.

(S E R V I C E - 44. Festival Allegro Vivo, bis 18. September, Information und Tickets: Tel. 02982 / 4319, www.allegro-vivo.at)