Prozess um 523 Kilogramm Cannabis: Angeklagter geständig

Um viel Cannabis ist es am Montag am Wiener Landesgericht gegangen
Am Wiener Landesgericht ist am Montag gegen ein Mitglied einer Suchtgift-Bande verhandelt worden, die in großem Stil Drogen hergestellt haben soll.

Dem mittlerweile 40-Jährigen wurde vorgeworfen, in Ostösterreich den Betrieb mehrerer Cannabis-Plantagen organisiert und finanziert zu haben und wirtschaftlicher Eigentümer der Produktionsstätten gewesen zu sein. Diese warfen laut Anklage einen Ertrag von insgesamt 523 Kilogramm Cannabis und entsprechende Einkünfte ab.

Der Angeklagte lebte jedenfalls in einer Villa, fuhr einen schneeweißen Ferrari und besaß eine Reihe von Luxus-Uhren, wie Staatsanwalt Martin Ortner gleich zu Beginn der Verhandlung illustrierte, indem er im Gerichtssaal entsprechende Fotos an die Wand projizierte. Der 40-Jährige war umfassend geständig. "Alles, was da steht, stimmt", meinte er in Bezug auf die Anklageschrift. Allerdings sei er nicht als führendes Mitglied in der kriminellen Organisation tätig gewesen: "Ich war nie Chef."

Danach war der Mann serbischer Abstammung zu keinen weiteren Angaben mehr bereit. Seine Verteidiger Nikolaus Rast und Philipp Wolm verwiesen darauf, dass die Drahtzieher des Ganzen in Serbien säßen. "Das sind sehr gefährliche Leute am Balkan. Er hat drei kleine Kinder. Es wäre sehr gefährlich für ihn zu sagen, wer dahinter steht", meinte Rast.

"Wichtiges Mitglied" der Kriminellen

Der Staatsanwalt bezeichnete den Angeklagten als "wichtiges Mitglied" der Kriminellen, die hochprofessionell industriell erzeugtes Suchtgift bereit gestellt hätten. Er fettete seinen Anklagevortrag mit Fotos der verfahrensgegenständlichen Cannabis-Plantagen in Mark Piesting (Bezirk Wiener Neustadt-Land), Strasshof an der Nordbahn (Bezirk Gänserndorf), Vösendorf (Bezirk Mödling) und Oberpullendorf im Burgenland auf. "Da hat es Beleuchtung, Bewässerung und Belüftung gegeben, dass man den Geruch wegkriegt. Professioneller werden Sie Cannabis nicht herstellen können", erläuterte der Staatsanwalt den Geschworenen. Die Plantagen hätten sich teilweise in Einfamilienhäusern befunden, seien also "gut versteckt" gewesen.

Im Juni 2018 hatten die Strafverfolgungsbehörden nach umfangreichen Ermittlungen, Observationen und Telefonüberwachungen dem Treiben ein Ende gesetzt. Elf Hausdurchsuchungen und neun Festnahmen fanden statt, mittlerweile sind die einst in den Plantagen beschäftigten Handwerker - mehrere Gärtner, ein Elektriker, ein Laufbursche - längst verurteilt. Der 40-Jährige, der als Berufsbezeichnung in der heutigen Verhandlung Angestellter in einer Schneeräumfirma angab, hatte sich allerdings zwischenzeitlich für zwei Jahre in Serbien aufgehalten. Er konnte von der Justiz nicht belangt werden, weil es mit Serbien kein Auslieferungsabkommen gibt.

Nun stellte er sich freiwillig der Verhandlung, in der es für ihn um mehrere Jahre Haft geht, sollten ihn die Geschworenen als führendes Mitglied einer kriminellen Organisation ansehen. Für Verteidiger Rast war das schon allein deshalb denkunmöglich, weil den 40-Jährigen laut Akt ein vermeintlicher Untergebener zum Autoputzen geschickt hätte: "Da kann er kein führendes Mitglied sein." "Dass eine halbe Tonne produziert wurde, ist völlig klar", hielt dem Staatsanwalt Ortner entgegen. Welche Rolle der 40-Jährige dabei inne hatte, sei "die Gretchenfrage", die die Geschworenen zu entscheiden hätten. Mit dem Urteil des Schwurgerichts dürfte am Nachmittag zu rechnen sein.

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