Auch an Austro-Unis Keim für Antisemitismus

Das am Montag gestartete Protestcamp am Campus der Uni Wien
Die Proteste an den US-Unis für Palästina und gegen Israel sind zuletzt auf Europas Hochschulen übergeschwappt, seit Montag gibt es auch in Wien ein Protestcamp.

In Österreich sei die Situation zwar nicht so dramatisch wie in anderen Ländern, wo jüdische Studierende Angst vor körperlichen oder verbalen Übergriffen haben müssten. Doch "der Keim existiert für Israel-Hass, für israelbezogenen Antisemitismus", betonte Alon Ishay von den jüdischen Studierenden.

Wenn die Studierenden und Rektorate nicht konsequent dagegenhalten würden, "gibt es durchaus das Potenzial, dass sich das weiter verschärft", warnte der Präsident der Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen (JÖH) im Gespräch mit der APA. Als Beispiel nannte er den Vortrag der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese. "Da muss man nicht viel drüber diskutieren, ob das antisemitisch ist. Sie spricht von einer 'jüdischen Lobby', welche angeblich die USA kontrolliert". Trotzdem habe sich ein Lehrender zur Einladung dieser Person entschieden und die Uni den Vortrag nicht untersagt, kritisierte Ishay. Anschließend an Albaneses Vortrag hat laut Israelitischer Kultusgemeinde (IKG) eine judenfeindliche Truppe Hassparolen skandiert.

Seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober, auf den Israel mit massiven militärischen Angriffen auf den Gazastreifen reagiert hat, hat es immer wieder Kundgebungen vor und in Österreichs Unis gegeben. "Es ist natürlich legitim, gegen Krieg zu protestieren. Aber wer 'Bomb Tel Aviv' oder 'Intifada' schreit, ruft nicht für Frieden, sondern zur Ermordung von Jüdinnen und Juden auf", betonte Ishay. Es müsse sichergestellt sein, dass es bei solchen Demos nicht zu antisemitischen Äußerungen, Relativierungen des Holocaust oder Aufrufen zur Intifada komme. Das sei allerdings bei den meisten von der JÖH beobachteten Demos der Fall. Auch beim Montag am Campus der Uni Wien im Alten AKH gestartete Protestcamp seien Flugblätter mit Aufrufen zur Intifada - also gewaltsame Palästinenseraufstände gegen Israel - verteilt worden.

Schon vor dem 7. Oktober hätten es viele vermieden, sich an der Uni als jüdische Studierende erkennen zu geben. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel gelte das noch einmal mehr, auch was Bezüge zu Israel angehe. An den künstlerischen und besonders internationalen Hochschulen sei das Problem dabei ausgeprägter, schilderte Ishay. Von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) auf Bundesebene und der Uni Wien fühlt sich die JÖH unterstützt. Dort habe man ein Verständnis von Antisemitismus "und dafür, wie sehr die Dinge eskalieren können und dass man dauerhaft dagegen aufstehen muss, wenn antisemitisch gehetzt wird".

Im Alltag seien jüdische Studierende an den Unis zwar vor allem mit Antisemitismus von linker Seite konfrontiert. Vor einer Warnung speziell vor linkem Antisemitismus, wie das zuletzt Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) getan hat, würde er sich allerdings hüten, so Ishay - vor allem wenn deren eigene Partei in mehreren Bundesländern mit einer "rechtsextremen Partei" (gemeint ist die FPÖ, Anm.) in einer Koalition zusammenarbeite. "Das klingt für mich eher danach, sich reinwaschen zu wollen."

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