APA - Austria Presse Agentur

Ausbau von Erneuerbaren bringt hohen Rohstoffbedarf

Durch den Umbau des Energiesystems weg von Öl, Gas und Kohle und hin zu Wind und Solar sowie die Forcierung der Elektromobilität wird sich der Bedarf nach Rohstoffen wie Kupfer, Lithium, Nickel, Kobalt und seltenen Erden in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten vervielfachen, warnt die Internationale Energieagentur (IEA). Die Regierungen müssten deshalb schon jetzt Maßnahmen setzen, damit keine Versorgungsengpässe entstehen, empfiehlt die IEA einem Sonderbericht.

In dem Bericht mit dem Titel "The Role of Critikal Minerals in Clean Energy Transitions" empfiehlt die IEA den politischen Entscheidungsträgern u.a., langfristige Emissionsverpflichtungen vorzunehmen, um den Rohstoffproduzenten Planungssicherheit zu geben, damit sie die notwendigen Investitionen machen und ihre Produktion ausweiten. Die Regierungen sollten Forschung und Entwicklung fördern und Recycling vorantreiben, um den Druck von der Produktion von Primärrohstoffen zu nehmen. Gleichzeitig müssten die Regierungen auch auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards achten und die internationale Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Verbrauchern stärken.

"Die aktuellen Daten zeigen ein drohendes Ungleichgewicht zwischen den ehrgeizigen Klimazielen der Welt und der Verfügbarkeit kritischer mineralischer Rohstoffe, die für das Erreichen der Klimaziele von entscheidender Bedeutung sind", sagte IEA-Chef Fatih Birol am Mittwoch laut Mitteilung. "Die Herausforderungen sind nicht unüberwindlich, aber die Regierungen müssen klare Signale setzen, wie sie ihre Klimaverpflichtungen in die Tat umsetzen wollen. Wenn sie jetzt gemeinsam handeln, können sie das Risiko von Preisschwankungen und Versorgungsunterbrechungen deutlich verringern." Sollte man dieses Problem ignorieren, könnte das die Entwicklung hin zu sauberer Energie bremsen und verteuern, warnt Birol.

Dem IEA-Bericht zufolge unterscheidet sich der Rohstoffbedarf Erneuerbarer Energien fundamental von jenem mit Fokus auf fossilen Brennstoffen. Für ein typisches Elektroauto würden sechsmal so viele mineralische Rohstoffe benötigt wie für ein herkömmliches Auto, für einen Windpark an Land brauche man neunmal so viele mineralische Ressourcen wie für ein Gaskraftwerk ähnlicher Größe.

Insgesamt könnte sich die Nachfrage des Energiesektors nach kritischen Mineralien bis 2040 versechsfachen, abhängig davon, wie rasch die Staaten die Emissionen senken. Das werde sich auch auf die Preise auswirken. Während derzeit die Umsatzerlöse der Kohleindustrie zehnmal so groß seien wie jene der Rohstoffe, die für die Erneuerbare Energieproduktion benötigt werden, könnte sich dieses Verhältnis noch vor 2040 umkehren, glauben die IEA-Experten.