APA - Austria Presse Agentur

Ausstellung im Jüdischen Museum thematisiert Care-Arbeit

Wer angesichts der aktuellen Weltlage ein Gefühl von Unsicherheit verspürt, ist damit wohl nicht allein. Um die Perspektive zu wechseln und einen positiveren Zugang zu wählen, hat sich das Jüdische Museum Wien (JMW) den Themen Hilfestellung und soziales Engagement gewidmet. "In Zeiten von Krieg und Krisen sollten wir schauen, dass die Menschheit zusammenhält", meinte JMW-Direktorin Barbara Staudinger angesichts der Schau "Who Cares? Jüdische Antworten auf Leid und Not".

Der sprichwörtliche Funken Hoffnung, er ist in dieser dicht gereihten Präsentation in verschiedenster Weise anzutreffen. Gemälde, Modelle, Installationen, aber auch historische Objekte und etliche Wissenstafeln versuchen zu beleuchten, wie die jüdische Gemeinschaft auf harte Zeiten geantwortet hat. Dass ein genauer Blick lohnt, zeigt bereits Georg Ehrlichs Bild "Der Blinde und der Lahme", dem man im ersten Raum begegnet: So düster das Sujet wirken mag, wissen sich beide Figuren zu unterstützen und den jeweiligen Mangel des anderen auszugleichen. Nicht nur hier zeige sich das Aufeinandertreffen von "Wunsch und Wirklichkeit", sagte Kuratorin Caitlin Gura bei der Presseführung am Dienstag. "Man könnte auch sagen: Utopie und Dystopie."

In weiterer Folge werden Hilfeleistungen vor einem Glaubenshintergrund beleuchtet, wenn etwa Talismane und Amulette ausgestellt sind, vor allem aber medizinische und sozialpolitische Errungenschaften im Wien des 20. Jahrhunderts veranschaulicht. Im medizinischen Kapitel wird neben der Ärzteschaft auch besonderes Augenmerk auf Krankenschwestern und Hebammen jener Zeit gelegt, ging es vor mehr als 100 Jahren doch auch maßgeblich um das Recht der Frauen auf den eigenen Körper. Immer wieder werden fachliche Utensilien künstlerisch kontextualisiert, wenn etwa Max Oppenheimers "Operation" dieses Kapitel flankiert oder Käthe Kollwitz' Bildnis "Tod, Frau & Kind" finstere Assoziationen hervorruft.

Je größer Wien als Metropole wurde, umso wichtiger wurden auch "Hilfsvereine zur Linderung der sozialen Not". Das reichte von Hygieneaspekten im Tröpferlbad - für die Schau holte man sich mit einer historischen Waschvorrichtungen auch den "Rolls-Royce der Duschen" von damals, wie Kurator Marcus G. Patka schmunzelnd anmerkte - bis zur Feuerbekämpfung. Ein Rauchanzug aus Hirschleder, der das Atmen in brennenden Gebäuden ermöglichen sollte und bis ins frühe 20. Jahrhundert genutzt wurde, dient als eindrucksvolle Erinnerung an die Umstände, wie Hilfe auch geleistet werden musste. Das gilt umso mehr für die Schrecken des Zweiten Weltkriegs.

Zwischen den unzähligen Gemälden, Bildern und Objekten reihen sich in der kleinteiligen Präsentation auch etliche biografische Displays über jüdische Ärzte, Psychoanalytiker, Forscher und sonstige Gelehrte, die mit ihrem Tun und Wissen Care-Arbeit im heutigen Verständnis geleistet haben. Letztlich gehe es um ein gesellschaftliches Bekenntnis dazu, betonte Staudinger vor einer abschließenden Spenden-Installationen für Organisationen wie UNICEF, Zara oder Volkshilfe: "Care muss man sich leisten können, man soll und will es sich leisten können", verwies sie auf die Kosten für die in Österreich immer noch gute medizinische Versorgung und den funktionierenden Sozialstaat. Ohne Zusammenhalt geht es eben nicht.

(S E R V I C E - "Who Cares? Jüdische Antworten auf Leid und Not" von 31. Jänner bis 1. September im Jüdischen Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien. So-Fr von 10-18 Uhr. Weitere Infos unter www.jmw.at)