Belvedere beleuchtet barocken Lichtmeister Maulbertsch

Maulbertschs Preisbild "Die Akademie mit ihren Attributen zu Füßen Minervas" (1750)
Er hat die Fresken der Wiener Piaristenkirche angefertigt, die Ausgestaltung des Prunksaals der Österreichischen Nationalbibliothek von Daniel Gran ergänzt und gilt als einer der prägendsten Maler des Spätbarock in Mitteleuropa: Das Obere Belvedere widmet Franz Anton Maulbertsch, dessen Geburtstag sich heuer zum 300. Mal jährt, ab Freitag eine 34 Werke umfassende Ausstellung. Dort zeigt sich, wofür der Künstler vor allem gefeiert wurde: für seine meisterhafte Lichtregie.

Maulbertsch (1724-1796), im deutschen Langenargen am Bodensee geboren, übersiedelte 1739 nach Wien und trat dort in die Akademie der bildenden Künste ein. Die Donaumetropole sollte ab dann sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt sein - auch wenn er vor allem auch in Südmähren und Ungarn viele Altarbilder und Fresken schuf. Denn viele seiner Auftraggeber kamen aus dem klerikalen Bereich und nahmen seine Dienste für die Ausstattung von Kirchen und Klöstern in Anspruch. Da man Deckengemälde schwer ins Museum verfrachten kann, fokussiert die Schau vorrangig auf Ölgemälde und Entwürfe für Fresken und Altarbilder.

Begehrt waren die Darstellungen Maulbertschs vor allem wegen der dramatischen, expressiv-farbigen Inszenierung, erklärte Kurator Georg Lechner im APA-Gespräch. "Seine Bedeutung lag vor allem im starken Kontrast von Hell und Dunkel. Das gab es zwar vorher schon, aber Maulbertsch machte das in einer besonders extremen Form. Man sieht richtige Lichtblitze aufgehen", betonte Lechner und verwies dabei auf die ausgeprägte Vorstellungskraft des Malers. Denn künstliches Licht oder gar Spots zur Ausleuchtung habe es im 18. Jahrhundert freilich noch nicht gegeben.

Die Kirche schien es dabei auch nicht zu stören, dass Maulbertsch das Bibelpersonal zuweilen wenig idealisierte. Da kann es schon vorkommen, dass Gott mit Säufernase auf Josef, Maria und das Jesukind herabblickt - wie in "Die Heilige Sippe". Das Bild stammt aus den 1750ern und damit aus jener Zeit, in der des Künstlers Stern so richtig am Steigen war. 1752/53 realisierte er seinen ersten monumentalen Freskenzyklus in der Piaristenkirche in Wien-Josefstadt, zahlreiche Aufträge für Wandmalereien und Altarbilder folgten. Einen Meilenstein in der Karriere des Barockmalers zeigt das Obere Belvedere mit "Die Akademie mit ihren Attributen zu Füßen Minervas" aus 1750. Mit der dank viel Licht und Schatten theatralischen allegorischen Darstellung der Schutzgöttin der Künste wurde Maulbertsch mit dem ersten Preis des Wettbewerbs für Malerei an der Wiener Akademie prämiert - eine Adelung, dank der erst die folgenden lukrativen Aufträge möglich wurden.

Viele der Fresken und Altarbilder wurden im Lauf der Jahrhunderte wieder übermalt, ausgetauscht oder zerstört - etwa im Biedermeier, als der Künstler als laut Kurator "zu laut" angesehen wurde und somit wenig angesagt war, oder etwa im Zweiten Weltkrieg wie im Fall der Schwechater Pfarrkirche. Aber immerhin gibt es eine Reihe von Entwürfen aus der Hand des Meisters, auf die die Ausstellung ebenfalls zurückgreift. Wobei Maulbertsch später die großformatigen Ausführungen der Konzepte seiner Werkstatt überließ und - wenn überhaupt - nur die wichtigsten Figuren selbst malte.

In seinen späten Schaffensjahren verlor der Künstler die Kirche als wichtige Auftraggeberin. Dies war die Folge einer 1782 von Kaiser Joseph II. verordneten Reform, die Klöster ohne soziale Funktion auflöste. Maulbertsch konzentrierte sich daraufhin auf klein- und mittelformatige Gemälde und Druckgrafiken für private Sammler. Auch stilistisch gibt es Änderungen: Statt der intensiven Farbigkeit mit starken Einsatz von Rot treten nun dunklere Töne wie Blau in den Vordergrund. Außerdem habe sich Maulbertsch dann zunehmend an der holländischen Malerei orientiert, erklärte Lechner. So interpretiert er etwa Rembrandts "Joseph erzählt seine Träume" oder "Die Blendung des Samson" neu.

Die Maulbertsch-Schau, für die viele Exponate restauriert wurden, findet im Rahmen der Reihe "Im Blick" statt, mit der das Belvedere vor allem die hauseigenen Schätze vor den Vorhang holen will. Im Fall des nun gewürdigten Barockmalers wurden zahlreiche Ankäufe ab 1923 mit der Gründung des Barockmuseums im Unteren Belvedere getätigt. Damit verfügt das Haus heute über den weltweit größten geschlossenen Bestand an Gemälden des Künstlers.

(S E R V I C E - "Im Blick: Franz Anton Maulbertsch" im Oberen Belvedere, ab Freitag und bis 29. September 2024, Ausstellungskatalog: 19 Euro, https://www.belvedere.at/im-blick-franz-anton-maulbertsch#IMBLICK)

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