APA - Austria Presse Agentur

Beschauliche Ruhe vor Start in Kulturhauptstadt Bad Ischl

Am Freitag, dem Tag vor der Eröffnung, war es in Bad Ischl noch ruhig, die Einheimischen gingen auf den Markt, erste Presseteams strawanzten durch die angezuckerten Gassen. Im Kurpark liefen hinter Absperrungen die Aufbauarbeiten für die große Eröffnungsfeier, im Lehártheater probte lautstark das "Ballet Mécanique".

Als George Antheil 1926 in Paris sein "Ballet Mécanique" vorstellte, provozierte er einen Riesen-Skandal, das Maschinenorchester aus Pianolas, Propellern, Sirenen, Glocken, Pianos und Trommeln polarisierte zu sehr. Dennoch schrieb er damit Musikgeschichte. In Bad Ischl wurde die Installation im Lehártheater aufgebaut, am Vormittag gab ein lautstarker Soundcheck von Kurator Winfried Ritsch einen erste Eindruck. Am Nachmittag soll das Maschinenorchester offiziell präsentiert werden, die Eröffnung ist am Samstag.

Am Alten Postgebäude wurde zu Mittag die feministische Installation "Solange #29" von Katharina Cibulka entrollt: Bis April bleibt die Baustelle bei der Post mit einem Netz verhüllt. Darauf wurde in pinkem Kreuzstich der Satz gestickt: "Solong ois bleibt, weils oiwei scho so woa, bin i Feminist:in" (Solange alles bleibt, weil es immer schon so war, bleibe ich Feministin). Im Innenhof des Gebäudeblocks, in dem auch die Verwaltung der Kulturhauptstadt untergebracht ist, baute die slowenisch-österreichische Künstlerin Maruša Sagadin mit ihrem Team die Installation "Luv Birds in toten Winkeln" auf.

Am Nachmittag konnte man mein Spazierengehen im Kurpark erste Eindrücke von der Eröffnung gewinnen. Hubert von Goisern probte - hinter großräumigen Absperrungen für Samstagabend. Jodler, Glocken und elektronische Klänge waren zu hören. Das Gesamtwerk ist eine Überraschung, das Publikum muss sich noch gedulden.

Am Freitag nutzten aber auch andere Kulturhauptstadtgemeinden die Gelegenheit, sich den angereisten internationalen Journalistinnen und Journalisten vorzustellen. Eine englischsprachige Pressereise führte per Bus nach Bad Goisern und Steinbach am Attersee. In Goisern präsentierte das engagierte Team des "Hand.Werk.Haus" seine Projekte, die bereits 2023 begannen und Handwerkstraditionen zu erhalten und mit zeitgenössischer Kunst zu verbinden trachten. In Steinbach brachte man den Pressevertretern nicht nur den Wahl-Steinbacher Friedrich Gulda, sondern vor allem "die beiden Gustavs" näher, auf die der 900-Seelen-Ort besonders stolz ist: Gustav Klimt und Gustav Mahler. Besonderen Anklang bei Journalisten von Australien bis Japan fand aber der malerisch verschneite Attersee selbst. "Ich hoffe, wir sehen manche von Ihnen im Sommer wieder", hieß es seitens des Tourismusverantwortlichen.