Bildband bietet historische Reise zu Wien und seinen Bergen

Am 415 Meter hohen Pfaffenberg liegt auch der "Himmel"
"Drei Kilometer östlich des Hermannskogels erhebt sich die Prominenz unter den Wiener Hausbergen: der Kahlenberg und der Leopoldsberg ...", heißt es im kommentierten Bildband "Wien und seine Berge". Die Autoren, Kulturwissenschafter Matthias Marschik und APA-Redakteur Edgar Schütz, präsentieren anhand historischer Fotos eine "Weltstadt mit vielen Höhepunkten", wie der launische Untertitel lautet. Essays, u.a. über "Wien als Skistadt", ergänzen das optische Potpourri.

Laut im Internet kursierenden Infos wurde die Hauptstadt Österreichs im Gegensatz zu Rom nicht auf sieben Hügeln, sondern aus fast 100 Bergen und Hügeln erbaut. Diese Zahl wird offiziell nicht konkret bestätigt, schreiben Marschik und Schütz in ihrer Einleitung. Aber "wo fängt ein Berg an, wo hört er auf?" Entsprechend weit dehnen die Autoren den Begriff und - wohl mit einem Schmunzeln - widmen die letzten beiden Foto-Seiten dem Rautenweg mit seinem Deponiehügel, auf dem Ziegen grasen.

Die historische Exkursion beginnt mit der Höhenstraße (ein Foto zeigt Arbeiter beim mühsamen Bau) und führt später über den Laaer Berg über den Küniglberg ("erst nach 1900 bebaut") und Satzberg (im Nordwesten von Hütteldorf mit einer Höhe bis zu 435 Metern) bis zum Schafberg und zum Kahlenberg, um eine kleine Auswahl zu nennen. Man erfährt etwa, dass am 415 Meter hohen Pfaffenberg, südlich des Cobenzl gelegen, auch der "Himmel" liegt, dessen Name später auf den ganzen Berg überging.

Die Fotostrecken bieten Vielfalt. Einige Beispiele: Eine Aufnahme von 1914 zeigt das Lokal Bockkeller am Abhang des Nussbergs, auf einem anderen Bild erblickt man Paare, die sich 1931 in der Meierei am Cobenzl eine Stärkung gönnen. Beim Weiterblättern sind Badende im 1923 eröffneten Krapfenwaldl zu sehen, Wiens höchstgelegenem Freibad auf dem gleichnamigen Hügel. Sportlich geht es auch zu: ob Fußball auf der Hohen Warte oder Skifahren auf der Hohen Wand.

Selbst der Konstantinhügel in der Hauptallee wird gewürdigt. Dass dort 1946 die Teilnehmer an einem Rad-Querfeldeinrennen mangels an natürlichen Hindernissen im Prater die Stiegen, die zu einem Kaffeehaus führten, überwinden mussten, ist eine von vielen kurios anmutenden Anekdoten. Apropos: Auf Seite 123 begegnet man dem Wiener Original Florian Berndl, der am Bisamberg einen Kurort für ärmere Bevölkerungsschichten führte, aber kaum jemanden anlockte.

(S E R V I C E - Matthias Marschik, Edgar Schütz: "Wien und seine Berge", Verlag Edition Winkler-Hermaden, 132 Seiten, 27,90 Euro)

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