APA - Austria Presse Agentur

Brasilien veröffentlicht keine Summe der Corona-Toten mehr

Brasilien veröffentlicht keine Gesamtzahl der Corona-Toten mehr.

Seit Freitagabend nennt das Gesundheitsministerium nur noch die Opferzahl jedes Tages. Regierungsvertreter hatten die lokalen Statistiken zuvor als "unzuverlässig und manipuliert" bezeichnet. Die regionalen Gesundheitsbehörden warfen der Regierung daraufhin vor, die vielen Opfer der Pandemie "unsichtbar" machen zu wollen.

Die Zahl der in Brasilien an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorbenen Menschen überschritt inzwischen die Schwelle von 35.000. Damit ist Brasilien das Land mit der weltweit dritthöchsten Zahl von Corona-Toten nach den USA und Großbritannien. Landesweit wurden bisher mehr als 645.000 Infektionen registriert, Experten gehen jedoch aufgrund der geringen Zahl von Tests von einer hohen Dunkelziffer aus.

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Am Samstag warfen die regionalen Gesundheitsbehörden Regierung von Präsident Jair Bolsonaro vor, die vielen Corona-Opfer im Land "unsichtbar" machen zu wollen. Dieser "autoritäre, unsensible, unmenschliche und unethische Versuch, die Covid-19-Toten unsichtbar zu machen, wird nicht funktionieren", erklärte der Rat der Gesundheitsminister. Der Theologe Leonardo Boff (81) bezeichnete Bolsonaro angesichts der rasch steigenden Corona-Opferzahlen laut Medienberichten vom Samstag als "Völkermörder" und rief zu seinem Sturz auf.

Mit mehr als 6.400 Todes- und 63.000 Infektionsfällen ist Rio de Janeiro der am zweitstärksten betroffene Bundesstaat Brasiliens. Am Samstag lockerte der Bundesstaat die verhängten Corona-Beschränkungen: Gouverneur Wilson Witzel ordnete per Dekret an, dass Bars, Restaurants und Einkaufszentren teilweise wieder öffnen dürfen. Auch einige sportliche Aktivitäten sind wieder erlaubt. Viele Menschen strömten nach den Lockerungen wieder an die Strände.

Nach dem Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) droht nun auch Brasilien mit einem solchen Schritt. Bolsonaro warf der internationalen Organisation "ideologische Voreingenommenheit vor" und sagte am Freitag vor Journalisten, seine Regierung bewerte derzeit den WHO-Austritt der USA.

"Entweder die WHO arbeitet ohne ideologische Voreingenommenheit oder wir gehen auch. Wir brauchen hier keine Außenstehenden, die ihre Meinung zur Gesundheitslage abgeben", verkündete Bolsonaro. Der rechtsradikale Präsident kritisierte die WHO unter anderem dafür, dass sie die klinischen Studien für das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19 ausgesetzt hatte. Bolsonaro hatte - wie US-Präsident Donald Trump - die umstrittene Einnahme des Medikaments als Präventivmaßnahme wiederholt angepriesen.

Die WHO hatte die Versuche mit Hydroxychloroquin ausgesetzt, nachdem mehrere Studien Bedenken hinsichtlich seiner Verträglichkeit und Wirksamkeit aufgeworfen hatten. In einer neuen Studie der Universität Oxford hieß es am Freitag, dass Hydroxychloroquin "keine positive Wirkung" bei der Behandlung der Lungenkrankheit zeige.

Bolsonaro und Trump pflegen ein enges Verhältnis. Sie ähneln sich in ihrer harschen und aggressiven Rhetorik sowie in ihren rechtspopulistischen Ansichten, weshalb Bolsonaro oft auch als "Tropen-Trump" bezeichnet wird. Bolsonaro steht wegen seines Umgangs mit der Coronavirus-Pandemie massiv in der Kritik. Er bezeichnete Covid-19 in der Vergangenheit als "kleine Grippe" und lehnt die von den Bundesstaaten angeordneten Beschränkungen ab, weil die Wirtschaft darunter leide.

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