Handelt es sich hier um das gleiche Produkt?

Julia Deutsch/Etsy Screenshot

BRUNA-Gründerin bestreitet Vorwürfe und spricht von "Hexenjagd"

Das BRUNA-Schmuck-Label muss sich schweren Vorwürfen stellen. Was ist dran und was sagt das Erfolgslabel dazu?
Sophie Unger

Eigentlich sollte die Erfolgsstory des österreichischen Labels BRUNA mit der Eröffnung eines Pop-Up-Stores fortgesetzt werden. Doch nach der Veröffentlichung eines Beitrags des österreichischen "Fleisch"-Magazins ist das Image der Brand stark angekratzt.

Was genau passiert ist, erfahrt ihr hier.

Was ist BRUNA?

BRUNA ist ein österreichisches Schmuck-Label, das 2019 von Helena Milchrahm und Simon Rupp gegründet wurde. Der Onlineshop vertreibt dabei "handgefertigte Produkte", bei denen zur Herstellung laut eigenen Angaben nur fair und ethisch gehandelte Rohstoffe zum Einsatz kommen – wie etwa 100-prozentig verantwortungsvolles Gold und Silber. Die Produktion findet in Thailand und Italien statt, dabei ist von "feiner Handarbeitskunst" und von fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen die Rede, was auf der Website unter "Verantwortungsbewusstsein" nachzulesen ist.

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Erfolg durch Influencer-Marketing

Viele Kund:innen schätzen in erster Linie die angepriesene verantwortungsvolle Wertschöpfungskette der Marke und die relativ erschwinglichen Preise für Edelmetalle, Edelsteine und Perlen.

Der Erfolg hatte aber auch noch andere Gründe: Denn bekannte Influencer:innen aus Österreich und später nahezu der ganzen Welt, sowie eine tolle Aufmache auf Instagram, sollten das Label erst so richtig pushen. So posieren Weltstars wie US-Schauspielerin Reese Whiterspoon und Emily Ratajkowski mit den Schmuckstücken – eine virale Verbreitung der Marke also, was auch Gründer Milchrahm gegenüber "Business Insider" so beschrieb: "Das hat sich von Monat zu Monat hochgeschaukelt". 

Sehr ähnlicher Schmuck aus China aufgetaucht

Doch nun hat eine Autorin des Fleisch-Magazins eher zufällig eine fragwürdige Entdeckung gemacht. Als sie einen verlorenen Ring von BRUNA nachbestellen wollte, ging sie hierfür auf die Google-Bildersuche. Was sie dort entdeckte war nicht nur der BRUNA-Ring, sondern auch ein nahezu identes Modell eines chinesischen Händlers, der auch sehr ähnliche Produktvideos und sogar idente Schmuckbilder, wie sie eben auf der BRUNA-Seite zu sehen sind, verwendet.

Nach einem realen Vergleich ist für die Autorin des Fleisch-Magazins klar: Der Ring hat das gleiche Muster, wiegt gleich viel, nur die Vergoldung ist eventuell ein bisschen dunkler. Zudem bestätigten Expert:innen: Beide Produkte sind mit hoher Sicherheit maschinell hergestellt worden. Der Unterschied: der BRUNA-Ring kostet 75 Euro, der China-Ring nur 4,50 Dollar (im Mengenrabatt). 

Zudem sei nicht nur der Ring, sondern auch andere Schmuckstücke von BRUNA betroffen. 

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Wer kopiert wen?

Die Aussage der nachhaltigen "Handarbeit" in beiden BRUNA-Produktionsstätten ist somit weiter dehnbar, als viele Kund:innen vielleicht zunächst gedacht hatten. Diese Tatsache alleine rückt BRUNA nicht gerade ins beste Licht. Zu klären bleibt zudem die Frage: wer kopiert hier wen? Das Resümee der Fleisch-Autorin: Es sei ziemlich unwahrscheinlich, dass ein vergleichsweise kleines Label aus der Steiermark von einem chinesischen Händler kopiert wird. Gründerin Helena Milchrahm sieht den Betrug auf Seiten der chinesischen Anbieter. Sie postete hierzu Bilder in ihre Instagram-Story.

Auch die Frage, warum einer Interview-Anfrage des Magazins zunächst zugestimmt, nach Bekanntgabe der Fragen dann aber aus "ressourcentechnischen"-Gründen doch eine Absage erteilt, bleibt offen. BRUNA bedankte sich vor Wochen für den Hinweis, dass "Alibaba unsere urheberrechtlichen Bilder verwendet". 

Das sagt BRUNA dazu

Mittlerweile hat sich BRUNA in den Instagram-Storys offiziell zu Wort gemeldet und weist die Anschuldigungen von sich. Zum Artikel von "Fleisch" erklärt das Schmuck-Label: "Wir wissen, dass der Artikel für Verunsicherung bei unseren Kund:innen sorgt. Daher werden wir auch die Urheber:innen mit ihren Anschuldigungen konfrontieren", heißt es.

Auch Gründerin Helena Milchrahm hat sich auf ihrem privaten Account zu den Vorwürfen geäußert und wies diese dezitiert zurück."Wir sehen uns nicht in der Opferrolle, sondern als Teil einer Schmutzkampagne und Hexenjagd gegen uns", schreibt sie in ihren Storys auf Instagram. 

Screenshot privat

Screenshot privat

Das sagt Influencerin Dariadaria dazu

Die nachhaltige österreichische Influencerin Dariadaria arbeitete bis Ende 2022 mit dem Schmucklabel zusammen. Nachdem auch sie von zahlreichen Instagram-Nutzer:innen um ein Statement gebeten wurde, äußerte sie sich Mittwochabend zu den Anschuldigungen. Obwohl sie keine Expertin für Lieferketten sei, konnte sie und ihr Management bei BRUNA anfangs keine "red flags" erkennen. 

Screenshot / Dariadaria

Auch privat war sie mit den Schmuckstücken und deren Qualität zufrieden. Doch im Laufe der Zeit sei ihr aufgefallen, dass die Brand "sehr lax mit Marketingbegrifflichkeiten umging". Diesen Umstand hätte sie intern auch immer wieder angemerkt. Mit Ende 2022 löste sie die Zusammenarbeit auf.