Ukraine: Bundespräsident Van der Bellen besuchte Butscha

Van der Bellen betrachtet ein Foto mit Kriegsopfern in Butscha
Eine mit Blumen geschmückte und mit Stofftieren verzierte Grabstelle erinnert im Garten der Orthodoxen Kirche von Butscha an die Gräuel, die die 35.000-Einwohnerstadt in der Nähe von Kiew im Vorjahr erlebte.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen besuchte am Mittwoch zu Beginn seiner Reise in die von Russland angegriffene Ukraine den Ort, an dem im März des Vorjahres Massengräber mit Hunderten Leichen gefunden worden waren. Ein Ort des Grauens, aber auch der Hoffnung.

Butscha ist ein Symbol der Gräuel, die laut ukrainischen Angaben von russischen Soldaten im Zuge des Angriffskriegs begangen wurden. Im März kam es hier zu mehreren Massakern. Letztlich wurden die Leichen von 458 Menschen gefunden, von denen 419 Anzeichen dafür trugen, dass sie erschossen, gefoltert oder erschlagen worden waren.

Kriegerische Auseinandersetzungen

Es sei wichtig, dass die Welt wisse, was hier geschehen sei, meint der orthodoxe Pater Andrii bei einem Rundgang am Rande der Stelle, wo sich die Massengräber neben der Kirche zum Heiligen Andreas und Allerheiligen befanden, zu Van der Bellen. Er zeigt auf ein rotes Haus. Dieses habe eine Familie gehört, die bereits vor Jahren aus der Donbass-Region hierher geflohen sei, um den dortigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen russischen Separatisten und ukrainischen Verbänden zu entgehen.

Das Haus der Familie sei wie viele in der Stadt ausgeplündert und zerstört worden, erzählt der Pater. Die Leichen der Frau mit ihren Kindern fand man später im ausgebrannten Auto. In der Kirche werden in einer Ausstellung Fotos der Gräuel gezeigt. Bilder mit Leichen auf der Straße oder bereits in Plastiksäcke gehüllt.

Ein Video zeigt aber auch Bilder aus der Zukunft. Wie die Gedenkstätte rund um die Kirche einmal in Nachkriegszeiten einmal aussehen solle. Butscha ist gewissermaßen nämlich auch ein Ort der Hoffnung und des Durchhaltevermögens. Viele der zerstörten oder schwer beschädigten Häuser wurden bereits zumindest einigermaßen wieder instandgesetzt und repariert.

Dies geschah und geschieht auch mit österreichischen Hilfsgeldern, wie sich Van der Bellen am Mittwoch selbst überzeugen konnte. Im Bezirk Butscha unterstützt die Volkshilfe mit einem lokalen Partner Menschen bei Reparaturen in ihren Wohnungen und Häusern - etwa beim Austausch von Fenstern, Scheiben oder Türen sowie bei der Behebung von Schäden an Dächern und Wänden. Fast 700 Familien haben bisher diese Hilfe erhalten. Auch Schulen und Kindergärten können mit Hilfe rechnen. So wurden laut Volkshilfe für 3.000 Kinder bessere Rahmenbedingungen für den Unterricht geschaffen,

Van der Bellen besuchte die "Schule Nr. 3" von Butscha. Ihr Dach wurde mit österreichischer Hilfe komplett erneuert. 1.600 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen sechs und 17 Jahren besuchen die Institution, an der auch über 100 Lehrkräfte beschäftigt sind. Van der Bellen wurde bei seiner Solidaritätsreise nach Kiew aber auch von Vertretern des Roten Kreuzes, der Caritas und des Gemeindebundes begleitet, die in der Ukraine Hilfe leisten.

Gespendete Rettungsfahrzeuge

Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt seine ukrainischen Kollegen in der allgemeinmedizinischen Betreuung etwa durch gespendete Rettungsfahrzeugen. Am Dienstag sollten dem Institut für Pädiatrie, Geburtshilfe und Gynäkologie in Kiew neben anderen Hilfsmitteln zwei weitere Generatoren übergeben werden, die mithelfen sollen, den Betrieb an der Frauen- und Kinderklinik am Laufen zu halten.

Rettungs-, Feuerwehr- oder Müllfahrzeuge hatte auch der Gemeindebund schon in der jüngeren Vergangenheit in die Ukraine geliefert. Er will der Ukraine auch mit Know-how zum Aufbau von gemeinnützigen Organisationen wie einer Freiwilligen Feuerwehr unter die Arme greifen.

Österreich könne der Ukraine wegen seiner Neutralität zwar nicht militärisch helfen, im gesundheitlich-sozialen und infrastrukturell-technischen Hilfsbereich gehöre Österreich aber zu den größten Gebern, hatte der Bundespräsident schon zu Beginn seiner Reise in die Ukraine betont, und dabei auch die Spendenbereitschaft der Zivilbevölkerung hervorgehoben. Schließlich gelte es ein Zeichen zu setzen: "Wir stehen euch zur Seite."

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