APA - Austria Presse Agentur

"Columna V" fordert Stelle gegen Missbrauch in den Medien

Ein Jahr ist es her, dass Branchenvertreterinnen rund um das Frauennetzwerk Medien ihre Forderung nach einer Vertrauensstelle gegen Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung und Gewalt in den Medien deponiert haben. Mittlerweile wurde der Verein "Columna V" gegründet, der diesem Begehr Nachdruck verleiht. Forderung bleibt weiterhin das Einrichten einer Stelle, die Medien als 4. Säule der Demokratie stützt, Betroffene begleitet und Präventionsarbeit für einen Kulturwandel leistet.

"Die Notwendigkeit für so eine Stelle war schon vor einem Jahr mit beiden Händen greifbar", hielt Astrid Kuffner, die wie auch Angela Alexa, Katrin Grabner und Sophie Rendl im Vorstand von "Columna V" tätig ist, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch fest. Die Bemühungen um die Gründung einer Vertrauensstelle war eine Reaktion auf öffentlich gewordene und auch vor Gericht behandelte MeToo-Fälle in der Medienbranche. Im vergangenen Jahr wurden Kräfte gebündelt, eine Vereinsstruktur errichtet und nicht zuletzt eine Umfrage mit über 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Medienbranche durchgeführt.

Aus den Umfrageantworten geht hervor, dass lediglich 30 Prozent nie von Gewalt oder Machtmissbrauch betroffen waren. Viele gaben an, dass diverse Formen der Gewalt von ihren Vorgesetzten ausging. Aber auch Kolleginnen und Kollegen wie auch Interviewpartner wurden genannt, wobei der Großteil der Täter männlich ist. Viele Personen schilderten diverse Vorfälle sehr detailliert. "Es wird einem schlecht beim Lesen", so Grabner. Mehr als ein Drittel gab an, dass es keine Ansprechperson in ihrer Organisation gebe, um Fälle von Machtmissbrauch, sexueller Belästigung oder Gewalt zu melden. Und gibt es eine solche Ansprechperson, würden Fälle häufig unter den Teppich gekehrt.

In der Branche habe es mit Blick auf Geschlechterungleichheit zwar Fortschritte gegeben, aber gebe es immer noch Problemstellen - etwa bei Führungspositionen. Der Großteil ist männlich besetzt. "Das begünstigt ein Klima, in dem alte problematische Verhaltensweisen tradiert werden können", so Alexa. Es fehle in der Branche an Fehlerkultur, Konsequenzen nach Übergriffen und Schulungen zum Thema. Viele Personen hätten sich an den Verein gewandt und Missstände wie sexuelle Belästigung, Bedrohung, Herabwürdigung, Rufschädigung oder auch das Anstiften zum Geheimhalten von Fehlverhalten gemeldet. "Die Frage ist, wie können Journalistinnen über Fälle von Gewalt berichten, wenn sie selbst betroffen sind? Wir müssen die Gewaltspirale durchbrechen. Ein System, das verdunkelt, kann nicht aufdecken", sagte Alexa.

In Österreich existiere ein gut ausgebautes Gewaltschutznetz. Allerdings fehle es an einer niederschwellig ansteuerbaren, unabhängigen und auf den Medienbereich spezialisierten Anlaufstelle, so Rendl. Diese Stelle sollte Betroffene ebenso schützen wie Journalistinnen und Journalisten, die über Übergriffe berichten. Sie forderte ein politisches Commitment für eine solche Vertrauensstelle über Wahlperioden hinweg und eine gesetzliche Verankerung. Auch müsse die Finanzierung abgesichert sein, damit etwa Psychologinnen und Psychotherapeutinnen Beratungen und Begleitungen durchführen könnten. Nicht zuletzt peile man eine Zusammenarbeit mit Medienhäusern an, um durch Präventionsangebote deren Strukturen sicherer zu gestalten.

Von "Columna V" wurden Statements von den Parlamentsparteien zur Gründung einer solchen Anlaufstelle angefordert. ÖVP, SPÖ, Grüne und NEOS betonten dabei allesamt, wie wichtig der Schutz von Journalistinnen bzw. die freie Ausübung des Jobs sei. Von der FPÖ langte keine Antwort ein.