APA - Austria Presse Agentur

Corona trifft Schlumberger erneut in der wichtigsten Zeit

Gastroschließungen, ein Komplettausfall der Ballsaison, abgesagte Weihnachtsfeiern: Die Maßnahmen wegen der Coronapandemie treffen das Sekthaus Schlumberger erneut in der wichtigsten Zeit des Jahres. Von Oktober bis Dezember machen Sekthersteller die Hälfte bis zwei Drittel ihres Jahresumsatzes. Dank der Erschließung neuer Exportmärkte und einem Mehrverkauf im Handel übersteht Schlumberger die Krise ohne größere Blessuren.

Enorme Preissteigerungen bei Gas, Strom, Europaletten, Etiketten, Sektgrundwein, Reinalkohol, Zucker usw. könne man aber nicht mehr schlucken, weshalb ab April 2022 Preiserhöhungen anstehen würden. "Wenn man sich diese Vielfalt von historisch noch nie da gewesenen Preiserhöhungen anschaut, ist klar, dass man das nicht abfedern kann", sagte Schlumberger-Chef Benedikt Zacherl im APA-Gespräch.

Erst im vergangenen Jahr wurde nach jahrelangen Bittrufen der Branche die Sektsteuer abgeschafft. Das hat das Sprudelgetränk für Konsumenten vergünstigt. Sekt gehört im Supermarkt aber ohnehin zu jenen Produkten, die mit am häufigsten zum Aktionspreis verkauft werden. Der Aktionsanteil liegt im Schnitt bei bis zu 50 Prozent.

Seit Beginn der Krise wird im Lebensmittelhandel wegen der geschlossenen Lokale deutlich mehr Sekt gekauft als sonst. Von Jänner bis September 2021 stieg der Sekt-Absatz in den heimischen Supermärkten laut Zahlen des Marktforschers Nielsen um 18,6 Prozent, bei Schaumwein insgesamt gab es ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2020. Immer gefragter ist Rose-Sekt, der mengenmäßig in den ersten neun Monaten um 35 Prozent zum Vorjahr zulegte. Die Marke Schlumberger verzeichnete in diesem Zeitraum ein Absatz-Plus von fast einem Viertel, die Marke Hochriegl, die im niedrigeren Preissegment angesiedelt ist, von einem Drittel.

"Die Menschen gönnen sich mehr und trinken nicht mehr nur zum Geburtstag oder zu Weihnachten Sekt", sagte Zacherl. Auch würden immer mehr Jüngere zwischen 18 und 29 Jahren zu Sekt greifen und nicht mehr nur Ältere.

Der Mehrverkauf im heimischen Handel allein kann aber monatelange Schließungen der Gastronomie nicht ausgleichen, weshalb Schlumberger auf sein drittes Standbein, den Export, setzt. Im Ausland verkauft das Sekthaus hauptsächlich seine Marken Schlumberger sowie die Schokoladen-Spirituose Mozart. Mit Schlumberger habe man neue Märkte wie Russland oder Korea erschlossen, zudem seien bereits etablierte Länder wie Deutschland, die Schweiz und die Niederlande heuer sehr gut gelaufen. Den Schokolikör Mozart verkauft das Unternehmen jetzt auch in den USA, Großbritannien und China.

Der Umsatz der Schlumberger-Unternehmensgruppe, zu der auch die Sektmarken Goldeck und Hochriegl sowie die Schokoladen-Spirituose Mozart zählen, ist 2020 im In- und Ausland um fast 10 Prozent auf 165,9 Mio. Euro eingebrochen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) stieg hingegen von 3,29 auf 4,93 Mio. Euro.

Der Österreich-Umsatz ist im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf knapp 80 Mio. Euro zurückgegangen. Schon heuer soll das Österreich-Geschäft wieder an das Jahr 2019 anknüpfen können, erwartet Zacherl.

Die Schlumberger-Unternehmensgruppe beschäftigte im abgelaufenen Jahr in Summe 256 Personen (Vollzeitäquivalente), nach 266 im Jahr 2019. Die Reduktion sei auf natürliche Abgänge wie Pensionierungen zurückzuführen. "Es gab keinerlei coronabedingte Kündigungen", betonte Zacherl.