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Coronavirus: Zahlen in Österreich steigen rasant

Mehr als 3.600 Fälle am Samstag und neuer Rekord an einem Sonntag: Das Coronavirus breitet sich rasant aus.

Das Coronavirus breitet sich derzeit in Österreich rasant aus: Mit 3.614 SARS-CoV-2-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden in Österreich wuchs die Zahl der aktiven Fälle in Österreich erstmals seit Ausbruch der Pandemie auf über 20.000 an. Am Sonntag kamen weitere 2.782 Infektionen dazu, Rekord für einen Sonntag. Damit gibt es bereits 21.974 aktiv Infizierte. Stark steigen auch die Zahlen der Hospitalisierten. Notwendigkeit für einen Lockdown sieht dennoch niemand.

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Allerdings gab es diesbezüglich Warnungen am Sonntag: "Die Lage ist extrem ernst, die Situation spitzt sich zu", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im "Kurier". In anderen Ländern gebe es schon wieder Lockdowns mit geschlossenen Schulen, Geschäften, Restaurants und Ausgangssperren. Das stehe auch in Österreich bevor, wenn das Wachstum der Infektionen nicht verlangsamt werde. "Im Moment sieht es nicht danach aus, dass das der Fall ist", zeigte sich Kurz pessimistisch.

Franz Allerberger, Leiter der Abteilung für "Öffentliche Gesundheit" der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), hielt unterdessen einen zweiten Lockdown derzeit nicht für notwendig: "Ich glaube, dass man mit Maßnahmen, die gelinder sind, das gleiche Ziel erreichen kann", sagte er in der ORF-Ö3-Sendung "Frühstück bei mir". Allerberger rechnet - anders als Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), der im ersten Quartal 2021 mit dem Impfen beginnen will - mit einem Corona-Impfstoff erst ab Juli 2021.

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Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) warnte unterdessen vor der bevorstehenden Überlastung der Spitäler durch die Corona-Krise. In Salzburg könnte es bereits in einer Woche so weit sein, sagte Haslauer in der ORF-"Pressestunde". Sollten die Infektionszahlen weiter stark steigen, könnten aus seiner Sicht neue österreichweite Maßnahmen nötig werden. Zur Bewältigung der Coronakrise in den Krankenhäusern forderte Haslauer mehr Geld vom Bund für die Länder.

Haslauer hatte vorige Woche davor gewarnt, dass die Spitalskapazitäten in seinem Bundesland binnen zwei Wochen erschöpft sein werden. Diesen Weg habe man nun bereits zur Hälfte zurückgelegt: "Dann wird Personal umgeschichtet, Betten werden umgeschichtet, dann müssen Hüftoperationen, die vielleicht schon einmal verschoben wurden, wieder verschoben werden." Auch die Nachverfolgung der neuen Infektionen sieht Haslauer wegen der "explosionsartigen" Infektionsentwicklung "an der Grenze".

Um die Nachverfolgung war nämlich am Samstag eine Debatte entstanden, nachdem die Vorarlberger Landesregierung am Freitag bekanntgegeben hatte, aus Kapazitätsgründen den Umfang des Contact Tracing im westlichsten Bundesland zurücknehmen zu müssen. Anschober sah darin ein Missverständnis: Denn reduziert werde nur die über die Vorschriften hinausgehende direkte Befragung von K1- und K2-Kontaktpersonen. Der Gesundheitsminister sah die Nachverfolgung und Absonderung der engen Kontakte nach Corona-Infektionen in Vorarlberg weiterhin gesichert. Die vom Land tags zuvor gemeldete Einschränkung des Contact Tracing wertete Anschober in einer Aussendung am Samstag als "Missverständnis".

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Anschober appellierte am Sonntag, die Stopp-Corona-App zu installieren. Er betonte, dass das Kontaktpersonenmanagement entscheidend sei und durch das Installieren der App unterstützt werden könne: "Jetzt ist es an der Zeit, dabei mitzumachen. Es ist kein großer Aufwand und trägt dazu bei, sich und die anderen zu schützen.

AGES-Epidemiologin Daniela Schmid betonte, dass eine Reduktion des Contact Tracing keine Option sei. Die Nachverfolgung der Kontaktpersonen sei evidenzbasiert die effektivste Maßnahme gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2. Personelle Ressourcen wären zudem vorhanden. Wer das Contact Tracing aufgibt, gibt auch die Kontrolle über die Epidemie auf, sagte Schmid bereits am Freitag bei der Pressekonferenz zur Ampelschaltung.

Die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl von der MedUni Wien warnte in einem Mail an mehrere Personen der Task-Force des Gesundheitsministeriums davor, dass die Kontrolle über das Infektionsgeschehen verloren gehen könnte. Detailanalysen in Wien hätten gezeigt, dass "Infektionen bereits in unklarer Weise im Öffentlichen Raum (...) akquiriert werden", zitierte die "Kleine Zeitung" (Sonntagsausgabe) aus Puchhammer-Stöckls Mail. Man habe bei Untersuchungen festgestellt, "dass immer mehr Menschen nicht wissen, wo sie sich angesteckt haben könnten", erläuterte die Medizinerin.

Im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hieß es dazu gegenüber dem ORF Wien, dass man die Untersuchung nicht kenne. Nur bei vier Prozent der infizierten Personen ist laut einem Sprecher Hackers völlig unklar, wo sich eine Person angesteckt hat.

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Eine weitere Diskussion entstand unterdessen um sogenannte Freitests. Die ÖVP will das "Freitesten" von K1-Kontaktpersonen nach fünf Tagen Quarantäne erlauben. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte gefordert, dass Lehrer, die zwar engen Kontakt zu einer Covid-positiven Person hatten, die aber nach fünf Tagen keine Symptome entwickeln, mit einem negativen Test wieder aus der Quarantäne entlassen werden. Auch ÖVP-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger hat sich für dieses "Freitesten" ausgesprochen. Eingefordert wird das insbesondere von Unternehmensvertretern. Auch die Gewerkschaft vida begrüßte diese Idee am Samstag.

Dem erteilte Anschober eine Absage: "Ich bin gerade in Zeiten der massiven Zunahme der Infektionszahlen nicht bereit, ein erhöhtes Risiko für die Bevölkerung einzugehen", teilte Anschober am Samstag auf APA-Anfrage mit. Er verwies auf Leitlinien von Gesundheitsorganisationen wie der europäischen ECDC und der WHO. Österreich habe als erstes Land die Quarantäne von 14 auf zehn Tage verkürzt. "Weitere Erleichterungen überprüfen wir und werden wir umsetzen, sobald sichergestellt ist, dass damit keine Erhöhung des Risikos einhergeht."