APA - Austria Presse Agentur

Covid-19 kann zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko führen

Eine Covid-19-Erkrankung kann zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko führen, zudem führt die Coronakrise dazu, dass Schlaganfallpatienten nicht ausreichend versorgt werden oder keine medizinische Hilfe suchen.

Während der ersten Phase der Pandemie sei in Notaufnahmen und Spitälern ein deutlicher Rückgang bei den Aufnahmen von Schlaganfallpatienten verzeichnet worden, berichtete Raul Nogueira vom Grady Memorial Hospital in Atlanta bei der virtuellen Welt-Schlaganfall-Konferenz. Patrik Michel vom Schlaganfallzentrum am Universitätsspital Lausanne in der Schweiz, erläuterte, dass vor allem das Risiko, einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden, in Verbindung mit Covid-19 offenbar höher ist. Während das relative Schlaganfallrisiko um den Faktor 2,9 ansteigt, wenn ein Patient an Influenza erkrankt ist, steigt dieses Risiko bei einem Covid-19-Patienten im Vergleich zum Influenza-Patienten um einen zusätzlichen Faktor von 7,7.

Weitere Publikationen weisen auch auf eine größere Anzahl hämorrhagischer (intrazerebrale Blutungen) Schlaganfälle hin, hieß es auf der Konferenz. Darüber hinaus kann eine Schädigung der kleinen Kapillaren zum Austritt von Blut ins Gehirn führen und so kleine und große Hirnblutungen verursachen. Auch die Rate der zerebralen Venenthrombosen kann durch eine Covid-19-Erkrankung erhöht sein.

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Auch Junge betroffen

Laut dem Schweizer Experten weisen die meisten Schlaganfallpatienten mit Covid-19 klassische zerebrovaskuläre Risikofaktoren (Gefäßerkrankungen des Gehirns) auf. Zusätzlich erleiden jedoch manchmal auch jüngere Patienten mit wenigen oder keinen Risikofaktoren einen Covid-19-bezogenen Schlaganfall. Allgemein sind Covid-19-Patienten in der Regel von schwereren Schlaganfällen betroffen, weisen eine größere Anzahl von Gefäßverschlüssen auf und die Schlaganfälle betreffen oft mehrere Gehirnareale.

Laut Nogueira gingen laut Studien in den USA, Europa und weltweiten Analysen die Notfallambulanzbesuche, der Einsatz bildgebender Verfahren bei akutem Schlaganfall und die Krankenhauseinweisungen aufgrund von Schlaganfällen wegen der Coronavirus-Pandemie um zehn bis 50 Prozent zurück. Die Folge davon könne eine unzureichende Versorgung und Behandlung von Schlaganfallpatienten sein, was wiederum zu größeren Behinderungen, Langzeitinvalidität, Schlaganfallrezidiven und zum Tode führen kann. Die Experten empfahlen, zur Aufrechterhaltung der Schlaganfall-Versorgungskette die üblichen, wissenschaftlich erprobten Behandlungsmethoden anzuwenden.