Darmkrebs-Betroffene wollen mit ihren Erfahrungen Mut machen

Buch auch Aufruf zur Vorsorge
Darmkrebs ist Thema des fünften Buchs einer im Jahr 2020 gestarteten Reihe, die unter dem Sammeltitel "Mutmacher:innen" von der Österreichischen Krebshilfe publiziert wird. Zwölf Patientinnen und Patienten, die mit einer derartigen Erkrankung konfrontiert waren, berichten hier über den Umgang mit dieser Situation. Eine dieser Personen ist Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), der am Dienstag bei der Präsentation in Wien auch von seinen Erfahrungen sprach.

Was einen offenen Umgang mit Darmkrebs betrifft, so hielt Krebshilfe-Geschäftsführerin und Projektleiterin Doris Kiefhaber fest, dass es vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre, dass Menschen mit einer derartig tabuisierten Erkrankung zur Teilnahme an einem derartigen Buch bereit gewesen wären. Die zwölf Betroffenen sind in ihren jeweiligen Beiträgen keineswegs anonym, sondern wurden von Fotografin Sabine Hauswirth zusätzlich auch porträtiert - in schwarz-weiß gehalten und mit einem weißen Hemd ausgestattet. Das Ziel der Publikationen aus der Serie ist sowohl Betroffenen wie auch Angehörigen Mut zu machen, thematisiert wurden unter anderem bereits Brustkrebs oder Hautkrebs, eine sechste Ausgabe soll noch folgen.

Rauch machte die bei ihm im Jahr 2005 diagnostizierte Erkrankung bereits vor seinem Beitrag bei dem im Echomedia Verlag erschienen Buch publik, das in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) entstanden ist. "Eine Hauptmotivation war sicher, dass ich keine Lust hatte, Verstecken zu spielen", eine zweite sei es aber auch gewesen, ein Beispiel zu geben. Seine Offenheit habe für Überraschung gesorgt, erinnerte sich Rauch zurück - jedoch habe ihn sein Vorgehen dann "auch ein Stück weit getragen", denn positive Anteilnahme und Rückhalt seien die Reaktionen aus seinem Umkreis gewesen.

Rauchs Reaktion auf die Darmkrebs-Diagnose war indes, diese als eine Herausforderung zu sehen, aber ebenso habe er sich rückblickend "massive Vorwürfe gemacht, nicht zur Vorsorge gegangen zu sein. Das war eine Zumutung für mich und meine Familie" - aber im Positiven ebenso eine Motivation, das Darmkrebs-Screening wie auch den "Vorsorgegedanken" im Ganzen massiv weiter zu treiben. Kiefhaber hob indessen die Rolle der Krebshilfe hervor, die sich ebenso für ein Screening ausspricht, aber Betroffene im Erkrankungsfall auch mit psychologischer und finanzieller Unterstützung zur Seite stünde.

Was die Darmkrebsvorsorge betrifft, so stünden dieser immer noch Hemmungen und Angst vor der dafür notwendigen Untersuchung entgegen. "Den Schrecken vor der sogenannten Koloskopie würde ich mit dicken schwarzen Stift durchstreichen wollen", sagte dazu ÖGGH-Präsident Peter Fickert. Viele Vorbehalte vor der Untersuchung konnten ohnehin entkräftet werden, etwa müsse inzwischen weitaus weniger der Vorbereitungslösung konsumiert werden.

Wichtig sei, dass eine Koloskopie nicht dann gemacht werden soll, wenn bereits Symptome auftreten, die Krankheit solle davor diagnostiziert werden. "Es ist kein Werbegag, wenn wir von der schmerzfreien und angstlosen Koloskopie sprechen", unterstrich Fickert. "Sie werden sich nicht daran erinnern und auch nichts spüren", lautete sein Appell, diese auch zu nutzen.

Das Screening sollte inzwischen früher erfolgen, so riet das Nationale Screening Komitee in Österreich zur Darmkrebsvorsorge mittels Darmspiegelung oder dem Blutstuhltest ab 45 und nicht wie bisher ab 50 Jahren. Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda hob indes hervor, dass bei der Vorsorge "ein ganz wesentlicher Punkt in einem föderalen Staat" wie Österreich eine Harmonisierung, also ein einheitliches Vorgehen sein müsse. Insgesamt würde die Früherkennung nur dann erfolgreich sein, wenn eine hohe Beteiligungsrate vorliege.

Auch der Gesundheitsminister trat für eine Harmonisierung jenseits der Länderkompetenzen ein. In manchen Bereichen sei eine solche bereits erfolgt, so Rauch unter Hinweis auf die Gesundheitsreform: "Aber wir leiden an dem 'zerspragelten' System". In Summe müsse es jedoch möglich sein, "vom Bodensee bis zum Neusiedlersee dieselbe Behandlung zu bekommen, egal wo man wohne oder was man verdiene. Das sei eine Herausforderung, "aber ich habe bemerkt, dass sich die Fronten lockern".

(S E R V I C E - "Mutmacher:innen, Dem Darmkrebs ein Lächeln entgegenhalten", Fotos: Sabine Hauswirth Texte: Doris Kiefhaber, Herausgeber: Österreichische Krebshilfe und Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie, Echomedia Verlag, ISBN: 978-3-903989-58-0.

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