"Das Ende vom Lied" am Grazer Schauspielhaus

Melancholisch-heiterer Abgesang auf die Intendanz von Iris Laufenberg
Mit der musikalischen Collage "Das Ende vom Lied" hat das Grazer Schauspielhaus am Samstag einen genüsslich zelebrierten Schlusspunkt unter die Intendanz von Iris Laufenberg gesetzt. 13 Ensemblemitglieder spielten und sangen voller Inbrunst und Melancholie mit einer sechsköpfigen Musikergruppe unter der Leitung von Sandy Lopičić , der auch für die Regie verantwortlich zeichnete. Es war Begräbnis und Ausblick auf Neubeginn in einem und wurde vom Publikum heftig bejubelt.

Eine Trauergesellschaft sitzt nach einem Begräbnis zwischen gepackten Schachteln und einzelnen Möbelstücken herumsaß. Fotoalben, Kerzenleuchter, Requisiten aus vergangenen Produktionen und gleichzeitig Versatzstücke eines ganzen Lebens, Erinnerung und auch Ballast für die Hinterbliebenen. Daraus entwickelte sich ein Nachdenken über Trauer, über den Umgang mit Verlust, über die Aussicht auf ein Weiterleben in anderer Form (Text: Hannah Zufall).

In einer Mischung aus Weinseligkeit, Schmerz und Erinnerungen zog sich der Abschiedsgedanke bei der Auflösung des Haushalts durch den ganzen Abend. Für alle Spielenden war es auch ein persönlicher Abschied, ein Ende jahrelanger Zusammenarbeit. Einige folgen Iris Laufenberg an das Deutsche Theater Berlin, andere bleiben in Graz, manche suchen sich neue Wirkungsstätten. Das alles und noch mehr spiegelte sich in den Liedern wieder, ob es "It Ain't Over 'Til It`s Over" oder sentimental-komisch bei "Mein Freund der Baum" war.

Alles 13 Mitwirkende - Gerhard Balluch, Lisa Birke Balzer, Oliver Chomik, Maximiliane Haß, Fredrik Jan Hofmann, Mathias Lodd, Sarah Sophia Meyer, Sebastian Pass, Clemens Maria Riegler, Franz Solar, Lukas Walcher, Susanne Konstanze Weber, Rudi Widerhofer - trugen ihren Teil bei, gaben den Liedern und Texten ihre persönliche Prägung. Wunderschön zwischen all den Songs Gerhard Balluchs Interpretation von Hugo von Hofmannsthals "Erlebnis", Fredrik Jan Hofmanns "Hurra, wir leben noch" oder Susanne Konstanze Webers hoffnungssattes, sprühendes "Lied ans Leben".

Zuletzt noch sentimentales Beisammensitzen auf der Bühne und mit rot-gelben Lichtern beleuchtetes Singen von "Odlazi Cirkus" mit der Frage: "War alles nur ein Scherz?".

Auch wenn die Intendanz von Iris Laufenberg in Bezug auf die Qualität der Produktionen durchwachsen war, ihr unermüdlicher Einsatz während des lockdownbedingten Stillstands war beispielhaft. Ob es Kurzfilme von Ensemblemitgliedern waren, deren jeder Einzelne sehenswert war und viel zu wenig gewürdigt wurden, ob es das Anschaffen von VR-Brillen und damit verbundene Kleinproduktionen oder das permanente Streamen von Aufführungen war - einen Stillstand gab es am Grazer Schauspielhaus auch während der Pandemiehöhepunkte nie. Wie sang Franz Solar so stimmungsvoll? "Aber schön war es doch". Auf jeden Fall!

(S E R V I C E - "Das Ende vom Lied" von Sandy Lopičić (Musik und Regie) und Hannah Zufall (Text). Mit: Gerhard Balluch, Lisa Birke Balzer, Oliver Chomik, Maximiliane Haß, Fredrik Jan Hofmann, Mathias Lodd, Sarah Sophia Meyer, Sebastian Pass, Clemens Maria Riegler, Franz Solar, Lukas Walcher, Susanne Konstanze Weber, Rudi Widerhofer. Weitere Aufführungen: 9., 10. und 11. Mai 2023. https://schauspielhaus-graz.buehnen-graz.com/)

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