Das Festival Tangente St. Pölten ist eröffnet

Eröffnungs-Talk: Stadler, Binder, Mikl-Leitner (v.l.)
Mit powervollen Klänge ist am Dienstagnachmittag die Tangente St. Pölten eröffnet worden.

 Für den kuratorischen Festivalleiter Tarun Kade ("Das Festival hat längst begonnen") ist es das "Ergebnis einer Achterbahnfahrt". 

Den musikalischen Anfang lieferte ein Quartett - bestehend aus Katharina Ernst, Rojin Sharafi, Tahereh Nourani und Matteo Haitzmann - mit spannungsgeladenen Rhythmen, die sich auch als Signation für einen veritablen Krimi eignen würden. Spannend soll wohl auch das Programm werden, von dem sich die skeptische St. Pöltner Bevölkerung, wie in filmischen Interviews eingespielt, offenbar noch keinen großen Begriff machen kann. 250 Veranstaltungen und 75 Produktionen in einer der "unterschätztesten Städte" - so Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) - sollten das bis Anfang Oktober ändern.

"Kunst steht dafür, verschiedenen Entwicklungen in der Gesellschaft keine Chance zu geben", so Stadler etwas kryptisch. Auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) erwartet sich "kein bequemes Festival", denn es sollten auch Missstände angesprochen und diskutiert werden. Es gehe darum, die "offene Gesellschaft zu verteidigen". Nachhaltig vertieft werden sollen jedenfalls die Verbindungen zwischen dem Land NÖ und der Landeshauptstadt St. Pölten. Tarun Kade erinnerte daran, dass die Idee zum Festival nach der erfolglosen Bewerbung um die Europäische Kulturhauptstadt entstand, und bedankte sich bei allen Mitgliedern seines Teams namentlich für die Vorbereitungsarbeit - auch jenen, "die ausgestiegen sind oder aussteigen mussten".

Moderatorin Hanna Binder nahm an amerikanischen Talkshows Anleihe ("Are you ready? Give me a T!"). Nicht nur dazu in herbem Kontrast stand die Festrede der spanischen Schriftstellerin Cristina Garcia Morales. Sie sei keine "Verbündete der Organisatoren", sondern eine "Feindin". In weitere Folge übte Morales Kritik am Attribut des Zeitgenössischen ("ein Werbemantra"), an einer indoktrinierenden, kapitalisierenden und neoliberalen Kulturindustrie und am "falschen Frieden", hinter dem sich "systemische Gewalt" verberge. Ein durchaus kontroversieller Start für ein Festival, das Vielfalt und Diskurs auf seine Fahnen geschrieben hat.

Die Veranstaltung wurde im unmittelbar benachbarten neuen Festivalzentrum auf Screens live übertragen. Zum Zwischendurch-Feiern übersiedelten die Eröffnungsgäste dann in den mit zwei Tribünen gelungen umgebauten "Löwinnenhof" des Zentrums, ehe es am Abend im Festspielhaus weiterging - mit der Premiere der Oper "Justice".

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