APA - Austria Presse Agentur

"Das Haus verlassen": Außergewöhnliche Text-Bildkomposition

Wer ein Haus kaufen möchte, hat meist viel zu erzählen. Bei Jacqueline Kornmüller ist es umgekehrt: Sie erzählt davon, dass sie ein altes Haus, das sie vor zehn Jahren erworben hat, wieder verkaufen möchte. Sie möchte "Das Haus verlassen". Doch keinem der anreisenden Käufer passt das Haus wirklich. Und keiner will so recht zum Haus passen - finden die Verkäuferin und das Haus selbst. Eine nette Geschichte. Außergewöhnlich wird sie durch die Illustrationen von Kat Menschik.

Die in Wien lebende Regisseurin Jacqueline Kornmüller hat gemeinsam mit Peter Wolf vor allem mit ihren literarisch-musikalischen "Ganymed"-Projekten in Museen Bekanntheit erlangt. Mit der Illustratorin Kat Menschik wurde sie im Zuge der von Kornmüller inszenierten Dramatisierung von Haruki Murakamis "Die unheimliche Bibliothek" im Wiener Odeon Theater bekannt. Dort wird auch Kornmüllers nächste Regiearbeit, "Das große Heft" von Agota Kristof, am 18. April Premiere haben. Schon am 20. Februar findet im Odeon Theater die Buchpremiere dieses besonderen Bilderbuches der beiden Frauen, die mittlerweile Freundinnen geworden sind, statt.

Die 1968 in der DDR geborene Illustratorin und Comiczeichnerin hat vielseitige Begabungen und Interessen - sie bestellt einen großen Garten und brennt Porzellanperlen, sie propagiert die bunte und schmackhafte Vielfalt von Tomatensorten und sie illustriert Bücher so eigenwillig, liebe- und fantasievoll, dass der Verlag Galiani Berlin eine eigene von ihr illustrierte "Lieblingsbücher"-Reihe aufgelegt hat. Diese reicht von Franz Kafkas "Ein Landarzt" über Alexander Puschkins "Pique Dame" bis zu Véronique Witzigmanns "Selbstgemachte Geschenke zum Aufessen". Mit "Das Haus verlassen" ist nun Band 17 der Reihe erschienen.

Das Besondere an dieser Text-Bildkomposition ist, dass sich beide Elemente ergänzen, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Sie habe nicht Kornmüllers Haus gezeichnet, beteuert die Illustratorin, und schon gar nicht findet sich in den Zeichnungen jenes wechselnde Personal an Interessenten, die in Kornmüllers Novelle an der Ich-Erzählerin vorbeidefilieren und ihr wie dem 140 Jahre alten Gemäuer immer mehr auf die Nerven gehen. Sie werden "Die Suchende" oder "Die Frömmler" genannt, "der Belgier" und "die Frau Salz", "Samstagsfrau und Samstagsmann". Man denkt dabei an Peter Handke - und auch ein wenig an die Brüder Grimm.

Jeder nähert sich dem inmitten von grünen Hügeln und unleidlichen Nachbarn gelegenen einsamen Haus mit einem zum Badezimmer umgebauten Keller und einem großen wilden Obst- und Gemüsegarten, der durch den von Interessenten geplanten Bau eines Carports völlig seinen Zauber verlieren würde, auf andere Weise - haptisch, juristisch, skeptisch, forsch, aber nur wenige: respektvoll. Es kommt, wie es kommen muss: Es findet sich niemand, der das Haus wirklich kaufen will. Und alle sind froh darüber. "Haus, sagte ich zum Haus, ich bleibe, was hältst du davon? Grundsätzlich bin ich aufgeschlossen, sagte das Haus."

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Jacqueline Kornmüller und Kat Menschik: "Das Haus verlassen", Galiani Berlin, 96 Seiten, 22,70 Euro. Buchpremiere: Theater Odeon, Wien 2, Taborstraße 10, 20.2., 19 Uhr, www.wennessoweitist.com; www.katmenschik.de)