APA - Austria Presse Agentur

Das Weltmuseum Wien erzählt 2023 "Science Fiction(s)"

Das Weltmuseum Wien blickt voraus: "Wir werden oft als kulturhistorisches Museum verstanden. Wir sind aber ein Museum der Gegenwart - und blicken in die Zukunft", sagte Direktor Jonathan Fine am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz des strukturell im KHM-Museumsverband und räumlich in der Neuen Burg angesiedelten ehemaligen Völkerkundemuseums. "Die Frage, wie wir eine lebenswerte Zukunft gestalten können", sei zentral - in der Gesellschaft wie im Ausstellungsprogramm.

Die Sammlungen des Hauses böten eine reiche Ressource für historische Forschung, die natürlich weiter ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Hauses bleibe, doch "alle Ausstellungsprojekte sind in der Gegenwart verankert". Das beginnt bei der Ausstellung "Ausgestorben!?", die im Rahmen des von der EU kofinanzierten vierjährigen Projekts "Taking Care" ab 23. Februar 2023 im ehemaligen Korridor des Staunens gezeigt wird. Dieser wird in "zam" umbenannt und soll der bei freiem Eintritt zugängliche "partizipative Raum" sein, "der sich in Partnerschaft mit Erinnerungsgemeinschaften, Herkunftsgesellschaften, Communities und Besucher*innen relevanten zeitgenössischen Fragen widmet", wie es in den Unterlagen heißt. In der Ausstellungen sollen "gängige Narrative des Aussterbens hinterfragt und aus anderen Perspektiven neu erzählt" werden.

Dabei gehe es auch um die Frage der Bedeutung von ethnografischen Museen im Zeitalter von Anthropozän und Klimakrise, so Fine. Diese Museen fungierten oft wie ein Spiegel, der Erkenntnisse der ethnologischen Forschung in die Zukunft projiziere. Genau deshalb heißt die am 30. März startende Hauptausstellung des kommenden Jahres auch "Science Fiction(s)". Im Ausstellungsdesigns von KAWA, der Ausstatter des Austro-Science-Fiction-Films "Rubikon", geht es anhand von Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler um die Zukunftserzählungen Hollywoods und die Zukunftsperspektiven indigener Völker. Die Künstlerliste sei noch nicht komplett, sagte Fine, verwies aber auf eine Fotoarbeit von Nicholas Galanin, das die Thematik auf den Punkt brächte: George Lucas habe für die markante Frisuren der Prinzessin Leia in "Star Wars" auf Outfits von Hopi-Frauen zurückgegriffen, das aber nie ausgewiesen. Fine: "Man könnte das Inspiration nennen. Aber eigentlich ist es ein klassischer Fall von kultureller Aneignung."

Als Teil der sechs Räume im Weltmuseum bespielenden Schau wird ab 21. April auch der Theseustempel einbezogen. Der pakistanisch-amerikanische Künstler Saks Afridi beschäftigt sich dort in seiner Installation "Space Mosque" mit der Frage: Was wäre, wenn alle unsere Gebete in Erfüllung gehen? Und wenn die Wünsche von Jonathan Fine in Erfüllung gehen, wird das Weltmuseum den Theseustempel auch 2024 bespielen. "Unsere Vorschläge dafür sind bereits eingebracht." Dort präsent zu sein und die Menschen aus dem Volksgarten ins Weltmuseum zu locken, sei ihm im Augenblick wichtiger als die derzeit fragliche Fortsetzung der Bespielung des eigens vor dem Weltmuseum errichteten Kubus am Vorplatz, sagte Fine. Mittel- und langfristiges Ziel bleibe die Präsenz am Heldenplatz jedoch weiterhin. Im ganzen Weltmuseum dagegen will man 2023 auf das 150-Jahr-Jubiläum der Wiener Weltausstellung von 1873 aufmerksam machen.

Weitere Ausstellungsvorhaben des Weltmuseums gelten moderner japanischer Kalligrafie, die sich mit Wien beschäftigt ("Beyond the Future", ab 30. März), dem Projekt "Whatever You Throw at the Sea ..." der im Rahmen einer Residency in Wien recherchierenden südafrikanischen Künstlerin Zara Julius (ab 27. April im zam) und für Fine "eine direkte Auseinandersetzung mit der Klimakrise, wie sie in Afrika und der afrikanischen Diaspora erlebt wird". Im "Spatzenkrieg" beschäftigt sich der Künstler Maximilian Prüfer ab 18. Mai mit den verheerenden ökologischen Folgen der Ausrottung der als Ernteschädlinge angesehenen Spatzen in China, zu der Mao Zedong im Rahmen seiner "Kampagne zur Beseitigung der vier Übel" 1958 aufgerufen hatte.

Klimaaktivisten, die möglicherweise schon den Superkleber anrühren, rät Fine daher vor einem etwaigen Besuch im Weltmuseum Wien dazu, zu berücksichtigen, wie sehr sich das Museum in Sachen Klimakatastrophe inhaltlich engagiere. Bis Oktober wurden im Weltmuseum 148.000 Besucher gezählt. Damit liege man bereits jetzt über der Zahl des Jahres 2019 (142.000), sagte Fine: "Wenn's so weitergeht, haben wir ein sehr gutes Jahr." Die finanziellen Auswirkungen der steigenden Personal- und Energiekosten seien zwar nicht zu unterschätzen, sind im Falle des Weltmuseums jedoch durch die Tatsache abgefedert, dass es nicht autonom, sondern im KHM-Museumsverband agiert. Die Programmplanung sei abgeschlossen, eingereicht und abgesegnet. Da sollte also nicht mehr viel passieren, zeigte sich der Direktor zuversichtlich.

(S E R V I C E - www.weltmuseumwien.at)