"der kleine metternich": Biografie vor dem 250. Geburtstag

Eine etwas andere Metternich-Biografie zum 250. Geburtstag
"Er war einer der besten Diplomaten, die Österreich je hatte." Wenn der Historiker und Journalist Stefan Müller über Clemens Fürst von Metternich (1773-1859) spricht, schwingt unüberhörbar Bewunderung mit. Zum 250. Geburtstag des einstigen "Kutschers Europas" am 15. Mai hat er für den Molden Verlag eine Biografie verfasst. "Da gehört auch Mut dazu, denn der Mann ist ja nicht unbedingt beliebt." Müller ist angetreten, das zu ändern.

Sein heute erscheinendes Büchlein mit dem koketten Titel "der kleine metternich" ist der Auftakt zur neuen Reihe "Große Männer klein geschrieben" im Molden Verlag. "Große Männer sollen dabei in leichtfüßigem eleganten Erzählstil von Podest der Geschichte gehoben und entstaubt werden", kündigte Programmleiter Stefan Schlögl kürzlich im Gespräch mit Journalisten an. Angedacht sind etwa Bände über "den kleinen casanova", "den kleinen rasputin" oder "den kleinen doderer".

Für den flotten Start mit Metternich habe man in dem Wissenschaftsjournalisten Stefan Müller, der u.a. für "Die Zeit", ORF und "Terra Mater" gearbeitet hat, und in der Illustratorin und Grafikdesignerin Anna Frohmann ein kongeniales Duo gefunden, so Schlögl. In dem Buch wird der Mann, der Napoleon die Stirn bot, dem Volk aber die eingeforderten Rechte verweigerte, als "umstrittener Held" eingeführt: "Stratege der Macht, trickreicher Diplomat, Europäer und Friedensfürst. Aber auch Zensor und Unterdrücker."

Die Jahre 1809-1813 seien Metternichs Durchbruch gewesen, um aus den Vorzimmern der Macht in ihre Zentralen zu gelangen, schildert Müller im Gespräch: "1809 wird er Außenminister in einer Zeit, in der Österreich am Boden liegt. Was er in den folgenden vier Jahren schafft, ist bemerkenswert. Er hat die Dinge neu gemacht - und war ziemlich erfolgreich damit." Am erfolgreichsten war die "Methode Metternich" beim Wiener Kongress. "Er hat damals Europa neu erfunden und nach 20 Jahren Krieg ein Equilibrium der Kräfte organisiert. Man bräuchte heutzutage so eine Art Metternich, um nach dem Ukrainekrieg wieder ein Gleichgewicht der Mächte herzustellen."

Der schillernde Staatskanzler, der Revolutionen und Innovationen nur in der Technik, nicht jedoch in der Gesellschaft begrüßte, liefere "besten Stoff" und zahllose Geschichten, begeistert sich Müller und gibt einen erfolgreichen Trick Metternichs zum Besten: "Immer, wenn es haarig wird, taucht er ab und wartet, dass ein anderer einen Fehler macht." Auch der Versuch, die Nachfolge von Kaiser Franz 1835 zu regeln, indem er bewusst ein Machtvakuum herbeiführte, das er selbst zu füllen gedachte, sei "spannender als 'House of Cards'".

Und doch war Metternich bei den Revolutionären von 1848, die ihn aus Wien verjagten, verhasst. Tritt Müller gar zur Ehrenrettung eines Tyrannen an? "Es stimmt, er hat das perfekte Feindbild abgegeben. Teilweise zu Recht, teilweise aber auch, weil er beim Eigenmarketing versagt hat. Sein Bad-guy-Image des Unterdrückers und Verfechter des Polizeistaates ist teilweise von seinen Feinden bewusst geschürt worden. Die Hoch-Zeit der Zensur kam erst nach Metternich."

"der kleine metternich" tritt in vielen Kapiteln an, den Machtpolitiker Metternich menschlich zu zeichnen: Seine Vorlieben und Spleens, seine Mode, sein Geld, seine Prinzipien, seine Liebschaften, seine Kuriositätensammlung ... All das ist leicht lesbar dargestellt und flott illustriert. Und sollte dennoch nicht über das wesentliche Faktum hinwegtäuschen: "Metternich war ein Diener der alten Welt. Für ihn war die Monarchie die einzig vorstellbare Herrschaftsform", räumt Stefan Müller ein. "Mit seiner Politik hat er der Monarchie 30 Jahre verschafft für Reformen, die unvermeidlich waren. Er hat die Monarchie in die Verlängerung geschickt."

(S E R V I C E - Stefan Müller: "der kleine metternich. Eine fürstliche Biografie", Molden Verlag, 160 Seiten, 25 Euro)

Kommentare