APA - Austria Presse Agentur

Der Vater des Eiffelturms starb vor 100 Jahren

Er war geistreicher Unternehmer, gefeierter Ingenieur, und hat das Pariser Wahrzeichen erschaffen: den Eiffelturm. Am Mittwoch (27. Dezember) jährt sich der Tod von Gustave Eiffel zum hundertsten Mal und Frankreich bringt dem Vater des weltberühmten Wahrzeichens mittlerweile deutlich mehr Wertschätzung entgegen als so manche seiner Zeitgenossen. Denn der Entrepreneur war mit seinen modernen Konstruktionen im späten 19. Jahrhundert nicht bei allen beliebt.

Eiffel wird am 15. Dezember 1832 im ostfranzösischen Dijon geboren - im Zeitalter der Industrialisierung. Seine Vorfahren waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus dem Rheinland nach Frankreich gezogen und dort trotz ihres Namens "Bönickhausen" als "Eiffel" bekannt. Während Eiffel zunächst die Chemiefabrik seines Onkels übernehmen will, widmet er sich bald der Metallindustrie und beginnt 1856, für einen Bauingenieur zu arbeiten. Schon mit Mitte 20 verantwortet er den Bau der mehr als 500 Meter langen Eisenbahnbrücke in Bordeaux.

Nach ersten Erfolgen zieht es Eiffel von der Atlantikstadt vor die Tore von Paris, wo er mit 32 Jahren seine eigene Firma gründet. Schnell macht er sich einen Namen, auch durch seine innovative Bauweise. Er nutzt Kragträger und lässt Einzelteile zumeist im Werk fertigen, auf der Baustelle werden die Stücke dann zusammenmontiert. Eisen als stabiles, günstiges und leicht herzustellendes Baumaterial ist auf dem Vormarsch. Für Eiffel folgen glorreiche Jahre. Er wird zum weltweit gefragten Konstrukteur, baut den Budapester Westbahnhof, die Brücke Maria Pia in Portugal, das Viaduc de Garabit in Frankreich, und er schenkt auch der Freiheitsstatue ihr Eisengerüst.

Die Gelegenheit für seinen berühmtesten Bau bietet sich dem Vater von fünf Kindern mit der Weltausstellung, die 1889 nach Paris kommen soll. Vor dem Hintergrund technischer Innovationen versuchen sich kluge Köpfe schon seit Jahren daran, bei einem Bauwerk die 1.000-Fuß- beziehungsweise 300-Meter-Marke zu knacken. Auch Mitarbeiter Eiffels unterbreiten ihm einen Vorschlag für einen solchen Turm - gefertigt natürlich aus Eisen. In einem Duell zwischen Tradition und Kunst auf der einen und Moderne und Technik auf der anderen Seite konkurriert das Vorhaben schnell mit einer geplanten Stein-Sonnensäule des Stararchitekten Jules Bourdais.

Namhafte Verfechter der Künste empfinden Eiffels Entwurf geradezu als Provokation. Eisen wird zwar als Baumaterial geduldet, doch dass es offen zu sehen sein soll und nicht hinter einer schmucken Fassade verschwinden würde, entsetzt sie. Nach langem Tauziehen erhält Eiffel den Auftrag für den Turm. Mehrfach ist dieser später vom Abriss bedroht, bis die Verbreitung der Funktechnik ihn schließlich rettet.

Eiffel schafft es nicht nur als erster Mensch, einen Turm von 300 Metern zu bauen, er lässt das technische Meisterwerk auch in einer Rekordzeit von zwei Jahren, zwei Monaten und fünf Tagen errichten. Dass sein Können außergewöhnlich ist, zeigt sich auch darin, dass der Eiffelturm erst mehr als 30 Jahre nach seiner Eröffnung 1889 mit dem Bau des Chrysler Buildings in New York Anfang der 1930er Jahre übertroffen wird. Auch ein Versuch, den Eiffelturm in den 1890er Jahren in London nachzubauen, scheitert. Der Visionär Eiffel entwirft zudem eine röhrenförmige Unterseebrücke unter dem Ärmelkanal hindurch, Metrostationen für Paris und einen Kampfflieger. Doch auch für Eiffel gab es Rückschläge. 1891 stürzt im schweizerischen Münchenstein eine von ihm gebaute Brücke ein, 73 Menschen kommen ums Leben.

Im französischen Gedächtnis scheint die einst heftige Kritik am Eiffelturm längst vergessen. Das gesamte Jahr steht schon im Zeichen Eiffels - mit Gedenkbriefmarke, Konferenzen und Sonderausstellung. Zum Todestag des berühmten Konstrukteurs soll ein Elektrkonzert am Turm den Pionier zelebrieren, der mehr als 500 Werke in 30 Ländern schuf und mit dem Eiffelturm nicht nur eine der meistbesuchten Attraktionen Frankreichs geschaffen hat, sondern auch ein französisches Markenzeichen.