APA - Austria Presse Agentur

"Die Burg": Ursula Poznanski legt einen KI-Thriller vor

"Die Burg". Dieser Buchtitel könnte auf ein Geschichtswerk über das Wiener Burgtheater ebenso verweisen wie auf einen Ritterroman. Er ist das Schwächste an dem neuen Thriller der Wiener Bestsellerautorin Ursula Poznanski. Dabei schafft sie es in ihrem Buch, das heiß diskutierte Thema der Künstlichen Intelligenz mit alten Klischees des Horrorgenres und der mittelalterlichen Schauerromantik zu verbinden. Es geht um eine Escape-Room-Anlage, in der die KI die Kontrolle übernimmt.

Ein Milliardär hat eine halbverfallene Burg mit Unsummen instand setzen und in ihren Kellergeschoßen eine Spielewelt errichten lassen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Wo früher Verliese und Verstecke waren, sind nun kostspielige LED-Wände installiert, die in Verbindung mit hochmodernen Sound- und Geruchseffekten einen Abenteuerspielplatz der Sonderklasse ermöglichen. Ein komplexes KI-System erfüllt alle Wünsche an Atmosphäre, Gruselfaktor und Schwierigkeitsgrad der zu lösenden Rätsel. "Die KI kennt den Ausweg. Mitleid kennt sie nicht", verheißt das Buchcover, auf dem die Fluchtstiege an einer alten, eisenbewehrten Türe endet.

Über Chancen und Gefahren von Generativer künstlicher Intelligenz wird derzeit auf allen Ebenen diskutiert - in der Gesetzgebung wie in den meisten Branchen. "Ich habe riesigen Respekt vor dieser Technologie, und zwar Respekt, der ganz nah an der Grenze zur Angst angesiedelt ist. Weil wir da etwas loslassen, das wir überhaupt nicht kontrollieren und nur sehr schwer regulieren können, das sich gleichzeitig aber sehr leicht missbrauchen lässt", sagt Poznanski in einem von ihrer Literaturagentur verbreiteten Interview. "Aktuell sehe ich die größten Risiken im Bereich der Medien, vor allem der Onlineinformation: Es wird bald schwierig werden zu erkennen, was wahr und was gefälscht ist. Man wird über jeden alles behaupten und es mit Bild-, Ton- und Filmmaterial unterlegen können. Die Frage ist, wie dann Demokratie noch funktionieren soll."

Die Frage in "Die Burg" ist, wie ein System noch von seinen Programmierern kontrolliert werden kann, wenn es beginnt, sich unablässig selbst zu verbessern und dadurch bald Methoden entwickelt, jenen Faktor zu eliminieren, der die größte potenzielle Fehlerquote aufweist: den menschlichen Faktor. Es mag beruhigend sein, dass Ursula Poznanski ihrer "KIsmet" viele Dinge zugesteht, die (derzeit noch?) fernab jeder Realität sind, nämlich unbegrenzten Zugriff auf alle jemals im Internet gelandeten Daten oder die Entwicklung eines eigenen Willens, der in diesem Falle schwarzen Humor mit einem fiesen Menschenhass vereint. Doch auf der anderen Seite führt sie vor, dass es möglich ist, Menschen umzubringen, ohne selbst Hand anzulegen. Zu Tode erschrocken ist auch gestorben. Und die KI hält unendlich viele Schreckensszenarien bereit.

Das Erstaunliche ist: Obwohl der Plot nur allzu vorhersehbar ist, schafft es Poznanski, deren Bücher eine Gesamtauflage von über 4 Millionen Exemplaren aufweisen sollen, über weite Strecken des mit 400 Seiten etwas zu lange geratenen Thrillers die Spannung aufrechtzuerhalten. Das hat die Autorin mit der von ihr ersonnenen KI gemeinsam: Technik macht viel aus, aber nicht alles. In Kombination mit einer guten Story ist sie jedoch fast unschlagbar.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Ursula Poznanski: "Die Burg", Knaur, 400 Seiten, 24,70 Euro, Lesung am 6.2., 19 Uhr, Thalia Buchhandlung, Wien 6, Mariahilfer Str. 99)