APA - Austria Presse Agentur

Die Renaissance nördlich der Alpen im KHM

Die Renaissance diesseits der Alpen hatte in Augsburg ihr Epizentrum, dem wirtschaftlichen Sitz der reichen Fuggerdynastie, die sich als Förderer der Künste einen Namen machte. Dieses nördliche Erblühen eines neuen Menschenbildes und des Humanismus will das Kunsthistorische Museum (KHM) in seiner Frühjahrsausstellung "Holbein, Burgkmair, Dürer" nachzeichnen, die sich drei zentralen Proponenten widmet, aber auch gut "Das Augsburg der Renaissance" heißen könnte.

"Augsburg war fraglos der Hotspot für das, was wir heute als Renaissance nördlich der Alpen bezeichnen", machte Kurator Guido Messling am Freitag bei der Präsentation deutlich. In der freien Reichsstadt mit römischer Vergangenheit dominierten im 16. Jahrhundert die Kaufmannsfamilien der Fugger und der Welser, wobei sich vor allem Jakob Fugger als Mäzen hervortat. "Das, was Lorenzo de' Medici für Florenz war, war Jakob Fugger für Augsburg", verglich KHM-Generaldirektorin Sabine Haag die beiden Kunstförderer.

Dank dieser unermesslichen wirtschaftlichen Potenz, erblühten im 16. Jahrhundert Künstlerfamilien wie die Holbeins, die Hans Holbein d.Ä. und d.J. hervorbrachten. Auch Hans Burgkmair d.Ä. wurde zu einem der kreativen Köpfe des neuen Zeitalters. Interessant ist in der Gegenüberstellung im KHM nicht zuletzt, wie unterschiedlich sich die Zeitgenossen im selben lokalen Umfeld entwickelten. Während Holbein d.Ä. sich eher an altniederländischen Vorbildern orientierte, ist es bei Burgkmair die italienische Tradition, was sich nicht zuletzt in zahlreichen Selbstbildnissen niederschlägt.

Dennoch steht Burgkmair heute Kollegen wie Dürer oder den Holbeins in puncto Bekanntheitsgrad weit nach. Weshalb, darüber kann auch Messling nur Vermutungen anstellen. "Ihm fehlt vielleicht die Monumentalität und Genauigkeit Albrecht Dürers, die Perfektion", meint der Kurator: "Vielleicht war er für den Norden zu italienisch." Darüber können sich Besucher selbst ein Urteil bilden, finden sich unter den mehr als 170 Gemälden, Skulpturen und Artefakten doch neben den Augsburger Vertretern auch das wichtige Nürnberger Pendant Dürer. Am augenfälligsten sind die Differenzen etwa in der Gegenüberstellung des berühmten Dürer-Drucks des Panzernashorns mit dem eines Burgkmair-Rhinozeros aus demselben Jahr, das ungleich realistischer daherkommt. Hans Dauchers putzige Putten aus der Fuggerkapelle in Augsburg indes sind hingegen mit einem klaren Augenzwinkern geschaffen.

Sinnieren über Parallelen, Differenzen und den Lauf der Zeit im Allgemeinen kann man in einer neugestalteten Lounge auf halber Strecke der monumentalen Schau, in der Sofas samt Tablets zum Verweilen einladen. "Wenn man die Sammlungen des KHM kennt, liegt es eigentlich auf der Hand, dass man endlich diese Ausstellung zeigt", unterstrich Haag. Zugleich finden sich in der in Kooperation mit dem Frankfurter Städel Museum konzipierten Schau zahlreiche Leihgaben. Schließlich sei die Ausstellung ein unglaublich komplexes Projekt, bei der das KHM seine Meisterschaft in der Grundlagenforschung unter Beweis stellen könne: "Wir sind so etwas wie eine kleine Uni."

(S E R V I C E - "Holbein. Burgkmair. Dürer. Renaissance im Norden" von 19. März bis 30. Juni im Kunsthistorischen Museum, Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien. Dazu erschienen "Renaissance im Norden. Holbein, Burgkmair und die Zeit der Fugger" (hrsg. von Guido Messling und Jochen Sander), Hirmer Verlag, 360 Seiten, 44,90 Euro. www.khm.at/besuchen/ausstellungen/holbein-burgkmair-duerer/)