Diversität und Mehrsprachigkeit: Sara Ostertag TAG-Chefin

Glückliche Übergabe: Gernot Plass und Sara Ostertag
Die Wiener Theatermacherin Sara Ostertag (Jahrgang 1985) übernimmt ab der Saison 2025/26 die künstlerische Geschäftsführung des Wiener Theaters an der Gumpendorferstraße (TAG) und wird Nachfolgerin des seit 2006 an der Spitze stehenden Gernot Plass. Das hat die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) am Mittwoch bekanntgegeben. Es sei eine kluge, inspirierende, neue Theaterleitung gefunden worden, sagte sie an diesem "wirklichen Freudentag": "Habemus Ostertag!"

Das Niveau der 42 Bewerbungen sei "erstaunlich hoch, schön und beglückend", gewesen, sagte die Stadträtin. Laut Thomas Stöphl, der dem Alleingesellschafter des TAG, dem Theaterverein Wien, als Obmann vorsteht, wurden nach einer Sichtung durch eine siebenköpfige Jury Vertreter von fünf Einreichungen zum Hearing eingeladen. "Es war so eindeutig, dass wir eine einstimmige Empfehlung abgeben konnten." Für Jurysprecherin Simonida Selimovic hat Ostertag mit einem sehr klaren Konzept, in dem Diversität und Mehrsprachigkeit betont wurden und auch Outreach-Projekte enthalten waren, überzeugt.

Diese Schwerpunkte betonte die designierte Theaterleiterin auch in einem ersten programmatischen Statement. In Wien werde eine Vielzahl von Sprachen gesprochen, die häufigsten seien Deutsch- BKS-Sprachen, Farsi, Türkisch und Gebärdensprache. "Das ist komplex in allen seinen Formen. Wien braucht eine Kulturininstitution, die genau diese Komplexität beheimatet - ein Haus, wo diese meistgesprochenen Sprachen anwesend sind." Künftig werde es mehrsprachige Eigenproduktionen sowie Produktionen mit multilingualen Akteuren und Akteurinnen der Szene geben. "Ein Outreach-Programm soll Tangenten in die Stadt legen. Wir werden aus der Mitte der Stadt in die Stadt hineingehen."

"Dieses Haus ist aus der Szene gewachsen und war immer für die Szene da", sagte Ostertag über das TAG, ein ehemaliges Pornokino, das vom "Theater Gruppe 80" zur Bühne gemacht wurde. "Ich suche seit langem die Verbindung des Mehrheitsfähigen mit dem Experiment." Als Beispiele für ein künftiges erweitertes Team, "das die Multiperspektivität und Multilingualität hineintragen wird", nannte sie die Autorin Barbi Markovic und den Autor Amir Gurdazi, die Theatermacherin Nora Jacobs (Gebärdensprache), die Musikerinnen Mira Lu Kovacs und Jelena Popržan sowie das Institut für Medien, Politik & Theater. "In dieser Vielfalt liegt der Schlüssel!", sagte Ostertag und kündigte einen "nachhaltigen, liebevollen und mutigen Neustart" an.

Sara Ostertag wurde 1985 in Wien geboren, studierte Theaterregie und Choreografie in Zürich und Amsterdam und graduierte bei Milo Rau. Sie erhielt 2017 den Nestroy-Preis für die beste Off-Produktion für ihre Inszenierung von "Muttersprache Mameloschen", war Hausregisseurin am Staatstheater Mainz und inszenierte bisher u.a. am Burgtheater, dem Volkstheater, dem Landestheater Linz, dem Landestheater Niederösterreich und dem Grand Theater de la Ville Luxemburg. Sie ist regelmäßig als Dramaturgin für Florentina Holzinger tätig und seit 2015 künstlerische CO-Leiterin des Schäxpir Festivals für junges Publikum in Linz. Sie ist Mitbegründerin des mehrfach ausgezeichneten Kollektivs makemake produktionen, das laut Ostertag die Arbeit künftig ohne sie fortsetzen und dessen Mitglieder möglicherweise künftig fallweise - wie schon bisher bei ihren Inszenierungen an anderen Häusern - einbezogen werden könnte.

Die ebenfalls ausgeschriebene kaufmännische Geschäftsführung des TAG soll laut Stöphl in den nächsten Tagen entschieden werden.

Kommentare