APA - Austria Presse Agentur

Doris Uhlich beim ImPulsTanz mit technoidem Körperkarussell

Doris Uhlich nimmt Körper genau unter die Lupe. Sie geht sogar so weit, ihren eigenen in ein überdimensionales Reagenzglas zu stellen und somit gleichermaßen zu Experimentierfeld wie Projektionsfläche für Wünsche oder Ängste werden zu lassen. Für das ImPulsTanz-Festival hat die Choreografin diesen "Tank" am Freitagabend ins Wiener Odeon gestellt und darin ein technoides Körperkarussell aufgeführt.

Dabei waren Haare, Hände oder Füße zunächst kaum auszumachen: Die zentral auf einem Podest platzierte Röhre enthielt nämlich nicht nur die gebürtige Oberösterreicherin, sondern auch reichlich Bühnennebel, der aus kleinen Öffnungen an der Oberseite zaghaft auch den restlichen Raum durchflutete. Uhlich selbst war nur schemenhaft auszumachen, sozusagen ein unbekanntes Etwas im Glas. Zu anfangs atmosphärischen Electroklängen legte sie die Finger an die Röhrenwand, schüttelte ihre Mähne und zog sich immer wieder in den Rauch zurück.

Die Künstlichkeit des Settings illustrierte gut Uhlichs Bestreben, mit dieser im Frühjahr im Düsseldorfer Tanzhaus nrw uraufgeführten Performance die biotechnologische Adaptierung des Menschen zum Thema zu machen. Zum anschwellenden Sound, der zwischen harten Beats und vereinzelten Ruheinseln changierte, ließ Uhlich ihren Körper immer heftiger auf die Plexiglasabgrenzung treffen, klatschte das Fleisch auf diese Barriere, drehte sie sich im Rund schneller und schneller. Der Rauch hatte sich da schon längst verzogen, weshalb sich die nackte Haut auch auf der Röhre spiegelte.

Ihr Faible für humorvolle Kontraste ließ Uhlich in der zweiten Hälfte deutlich werden, als eine Stimme durch den Raum hallte: "Where is my sweat?", fragte diese und spielte damit natürlich auf diverse "Verbesserungen" der Körper durch Schönheitsoperationen an. Ganz anders das Bestreben hier: "I want to stink again, to smell my body again!" Dazu knallte der Techno aus den Boxen und wackelte der Tank gehörig, bevor sich Uhlich zum Schluss aus ihrem vom Berliner Kollektiv Proper Space designten Gefängnis befreien konnte.

Nach etwas mehr als einer Stunde gab es großen Applaus für eine intensive, kluge und humorvolle Performance, die zum Denken anregt. Wie in vielen ihrer Stücke wirft Uhlich auch in "Tank" die Betrachter auf die eigene Position zurück, zwingt zum Reflektieren und Grübeln über das, was in unserer Gesellschaft vielfach als gegeben oder wünschenswert hingestellt wird. Vor allem aber ist dieser "Tank" auch ein lustvolles Suchen nach Assoziationen und Querverbindungen, eine Reduktion auf Wesentliches, um das genaue Hinschauen und in uns Hineinhören zu ermöglichen. Und letztlich ist diese Frau im Glas wohl weniger Science-Fiction, als wir uns eigentlich vorstellen.

(S E R V I C E - ImPulsTanz: "Tank" von Doris Uhlich. Konzept: Doris Uhlich und Boris Kopeinig, Choreografie und Performance: Doris Uhlich, Sound: Boris Kopeinig, Tank: Proper Space. Weitere Aufführung im Odeon, Taborstraße 10, 1020 Wien, am 14. Juli um 19 Uhr. Infos und Tickets unter www.impulstanz.com)

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