APA - Austria Presse Agentur

Drei Viertel der Bevölkerung für ausländische Pflegekräfte

Ein großer Teil der Bevölkerung (57 Prozent) macht sich Sorgen darum, wer sie im Alter einmal pflegen wird. Das zeigt eine repräsentative Foresight-Studie (ehemals SORA, Anm.) im Auftrag der Caritas vom September 2023 mit 1.011 Befragten. Im Gegensatz dazu sieht nur jeder Fünfte die derzeitigen politischen Bemühungen, die Pflege sicherzustellen, als ausreichend an. Gar drei Viertel denken, dass es ausländische Fachkräfte braucht.

200.000 Personen an zusätzlichem Personal werden in den Pflege bis 2050 benötigt. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Pflegepersonalbedarfsprognose der Gesundheit Österreich. Wenig überraschend steigt die Sorge darum, wer einen später einmal pflegen wird, mit dem Alter, wie die Studie vom September zeigt. Stärker ist die Sorge auch bei jenen Menschen mit mittlerem und geringerem Einkommen sowie bei jenen ohne Migrationshintergrund. Fast die Hälfte gibt jedoch an, dass das Thema Pflege relevant für ihre Wahlentscheidung ist.

Auch ein Ost-West-Gefälle ist spürbar: Während die Sorge über die zukünftige individuelle Pflege in Wien mit 67 Prozent und in Niederösterreich und im Burgenland mit 75 Prozent überdurchschnittlich hoch ausfällt, ist sie im Westen (Salzburg, Tirol, Vorarlberg) vergleichsweise niedrig (32 Prozent). Auch die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte sieht im Westen ein geringerer Teil für notwendig an als im Osten.

Die Zustimmung zu einem Gehalt oder Stipendium für Menschen, die sich für den Pflegeberuf umschulen lassen, fällt mit 95 Prozent am deutlichsten aus. Analog dazu stimmen mehr als neun von zehn Befragten (93 Prozent) der Aussage zu, dass die Höhe des Pflegegeldes die tatsächlichen Kosten des Pflegebedarfs abdecken sollte. Eine deutliche Mehrheit der Befragten (87 Prozent) befürwortet darüber hinaus österreichweit einheitliche Regelungen der Kosten sowie Qualitätsstandards im Pflegebereich.

Fast die Hälfte der Befragten stuft die Pflege als attraktives Berufsfeld ein, sieben von zehn sieht die Arbeit als sehr sinnstiftend an, gar drei Viertel sehen den Beruf als krisensicherer und gefragter als andere Berufe. Selbst im Pflegebereich zu arbeiten, kann sich aber nur ein Viertel vorstellen. Bei einer Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen in Form von höheren Gehältern können sich 30 Prozent der Befragten eine Tätigkeit im Pflegebereich vorstellen. Bei einer Verbesserung durch eine Reduktion der körperlichen Belastung stimmt jedoch nur um ein Prozent der Befragten mehr zu.

Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Einschätzung des Berufsfeldes und der Tätigkeit nach Geschlecht und Alter. Frauen stufen sowohl die Attraktivität des Berufsfeldes als auch ihre eigene Bereitschaft zu einer Tätigkeit im Pflegeberuf höher ein als Männer. Ältere Menschen (ab 55 Jahren) sehen zwar das Berufsfeld als attraktiver an als jüngere Menschen, sie können sich aber eine eigene Tätigkeit in diesem Bereich seltener vorstellen. Darüber hinaus können sich auch Menschen mit Migrationshintergrund eine eigene Tätigkeit im Pflegebereich grundsätzlich eher vorstellen als Menschen ohne Migrationshintergrund, sowie insbesondere im Fall einer Erhöhung der Gehälter sowie einer Reduktion der körperlichen Arbeitsbelastung.

Für den Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner sind die Ergebnisse der Befragung ein deutlicher Auftrag an die Politik. Nötig wäre eine "echte Systemreform" zur langfristigen Sicherung der Pflege in Österreich mitsamt ausreichender Finanzierung, Ausbildungsoffensive, langfristig guten Gehältern, neuen Modellen zur Personalplanung und abgestimmten Qualitäts- und Kostenstandards in ganz Österreich. "Hören wir bitte endlich damit auf die Pflege dauern schlecht zu reden. Schon heute arbeiten so viele Menschen im Pflegebereich wie nie zuvor", so Schwertner in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Man werde aber noch deutlich mehr Menschen für Pflegeberufe begeistern müssen.

Um Österreich als Standort für Pflegekräfte aus dem Ausland attraktiv zu machen, wären laut Schwertner außerdem nicht nur Vereinfachungen bei der Rot-Weiß-Rot Karte und eine entsprechende Berufsanerkennung notwendig. "Zentral wird auch sein, eine Kultur zu schaffen, in denen sich Menschen, die hier leben und arbeiten möchten, willkommen fühlen und geschätzt werden."