Dystopische Installation im MAK lädt an den "Terminal Beach"

Installation an Schnittstelle von virtueller und materieller Welt
Ein Mischwesen aus Roboterarm und Kreatur schlägt rhythmisch wie unaufhörlich mit einer Axt auf den letzten Baum auf einem Ödland ein. Diese Szenerie auf einem wandfüllenden LED-Schirm spiegelt sich in einem sechs mal zwölf Meter Wasserbecken, die Oberfläche so schwarz wie der Screen, wenn er zwischen Abschnitten der immersiven Installation nicht bespielt wird und nur verstörende Geräusche zu hören sind. "Willkommen am 'Terminal Beach'", so MAK-Direktorin Lilli Hollein.

Die dystopische Rauminstallation des deutsch-französischen Kollektivs Troika, ab 1. Mai im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben, wurde speziell für das MAK konzipiert und versteht sich als Beitrag des Hauses zur Wiener Klima Biennale. "Terminal Beach" führt zu jenem Zeitpunkt in einer drohenden Zukunft, an dem das natürliche Leben auf der Erde dem Ende entgegensteuert, wenn die mit schwarzem Fell überzogene und gefiederte Maschine den letzten Baum traktiert. "Wir befinden uns an einem kritischen Punkt. Die Menschheit hatte noch nie so viel Schaffenskraft und Wohlstand wie heute, zugleich aber auch noch nie so viel Zerstörungspotenzial", betonte Sebastian Noel von Troika im Gespräch mit der APA.

Das Kunstwerk, das den gesamten Contemporary-Saal einnimmt und in wechselnde Farben taucht, symbolisiert auch die Schnittstelle von virtueller und materieller Dimension. "Es wird nicht nur schwer werden, die künstliche von der realen Welt zu unterscheiden, nein, sie werden komplett verschmelzen", glaubt der Franzose. "Das wollen wir vor Augen führen." Ausgangspunkt von "Terminal Beach" war ein Roboterarm, wie er in der Industrie seit langem verwendet wird - immer effizienter. "Man zeigt oft, wie genau und sanft diese Maschinen Aufgaben erledigen können. Aber sie haben auch eine enorme Power. Und wir füttern sie mit immer mehr Daten." Noel selbst hat auf einen Baumstumpf gehackt, der Vorgang wurde gescannt und für "Terminal Beach" animiert.

Das dramatische Geschehen ist in vier Szenen unterteilt. Die frontale Einstellung, in der das Gerät/Wesen seinem Zerstörungsvorgang frönt, wechselt zu einem Drohnenflug, von oben wird erst die gesamte Ödnis der Umgebung erkennbar. Es folgt eine Perspektive aus Sicht des Roboterarms und schließlich vom Baum selbst. Untermalt ist alles neben beklemmenden Hack-Geräuschen von einer akustischen Kulisse, die an Vogelsang erinnert. Tatsächlich handelt es sich um eine Geophonie (was nicht lebt, aber trotzdem klingt, Anm.) aus Radiowellen, erzeugt von Wetterphänomenen. Vervollständigt wird die Installation von mehreren bizarren Skulpturen, mystische Mischwesen, Grenzgänger genannt, die aus dem gerodeten Wald zu fliehen scheinen.

Die Umsetzung der Arbeit, die analoge wie virtuelle Elemente verbindet, sei eine Herausforderung gewesen, hieß es am Dienstag bei einem Pressetermin. Die aufrüttelende Animation entfaltet, gespiegelt im Wasserbecken, eine enorme visuelle Kraft. Ein Gerät ermöglicht sogar Wellenbildung an der sonst vollkommen glatten Wasseroberfläche zu bestimmten Stellen des "Films"- die Warnung vor steigenden Pegeln durch den Klimawandel mag einem durchaus in den Sinn kommen. Der Titel "Terminal Beach" lehnt sich an J.G. Ballards gleichnamige Kurzgeschichtensammlung an: Diese "kreisen um das bittere Paradoxon, dass die außergewöhnliche schöpferische Kraft der menschlichen Vorstellungskraft nur von ihrem rücksichtslosen Zerstörungstrieb übertroffen wird", heißt es in den Unterlagen zur Schau.

Bei aller Dystopie, soll die Installation jedoch auch Hoffnung vermitteln. "Wir sehen nicht, wie der Baum fällt", betonte Hollein. Das gelte es zu verhindern, "Terminal Beach" rufe zum Handeln auf. "Es ist Zeit, aus dem Liegestuhl aufzustehen!"

(S E R V I C E - "Terminal Beach" im MAK, Kuratorin: Marlies Wirth, Stubenring 5, 1010 Wien, 1.5.-11.8., Di 10-21, Mi-So 10-18 Uhr, www.mak.at)

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