Neue Entwicklungen in der Endometriose-Forschung.

Sydney Sims /Unsplash

Endometriose-Durchbruch: Neue Hoffnung für Therapiemöglichkeiten?

ForscherInnen haben ein molekulares Profil der Endometriose erstellt, um die therapeutischen Möglichkeiten zu verbessern.

Könnten sich die Therapiemöglichkeiten bei der Endometriosebehandlung bald ändern? Eine neue internationale Studie macht Hoffnung. Dabei soll vor allem eine Datenbank helfen, die die Krankheit detailliert profiliert und so zu neuen Behandlungsmöglichkeiten verhelfen kann. Die Untersuchungsergebnisse wurden im Fachjournal "Nature Genetics" veröffentlicht. 

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Was ist Endometriose? 

Wie das ForscherInnenteam am Cedars-Sinai erklärt, handelt es sich dabei um eine Erkrankung, bei der Zellen der Gebärmutterschleimhaut oder solche, die dem Endometriumgewebe ähneln, an den falschen Stellen wachsen. Am häufigsten sind dabei die Eierstöcke sowie die Eileiter und die Bauchhöhle betroffen. Patientinnen mit dieser Erkrankung können unter chronischen Schmerzen, Unfruchtbarkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie Darm- und Blasenfunktionsstörungen leiden.

"Endometriose ist eine wenig erforschte Krankheit, was zum Teil an den begrenzten zellulären Daten liegt, die die Entwicklung wirksamer Behandlungen behindert haben. In dieser Studie haben wir eine neue Technologie, die Einzelzellgenomik, angewandt, die es uns ermöglicht hat, ein Profil der vielen verschiedenen Zelltypen zu erstellen, die zu der Krankheit beitragen", sagte Studienautorin Kate Lawrenson in einer Pressemitteilung.

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Zellatlas erstellt

Die Behandlungsmöglichkeiten für betroffene Frauen sind gering. Lawrenson und ihr Team konnten jedoch ein Profil der Erkrankung erstellen. Dafür untersuchten sie 21 Patientinnen, von denen einige an Endometriose erkrankt waren und andere nicht. Sie sammelten Zellproben aus den Gebärmüttern der Probandinnen, um Daten zu sammeln. 

"Wir haben einen Zellatlas der Endometriose erstellt, nachdem wir fast 400.000 einzelne Zellen dieser Patientinnen analysiert hatten. Wir waren in der Lage, die molekularen Unterschiede zwischen den wichtigsten Subtypen der Endometriose, einschließlich der peritonealen Erkrankung und des ovariellen Endometrioms, zu identifizieren", so Lawrenson.

Behandlung von Endometriose

Unter einer peritonealen Endometriose (Peritoneum bedeutet Bauchfell) versteht man, dass die Erkrankung sich auf die innere Auskleidung der Bauchhöhle erstreckt. Eine ovarielle Endometriose hingegen beschreibt, dass die Erkrankung die Eierstöcke betrifft. 

Die ForscherInnen sind optimistisch, dass diese neue Datenbank zu einer verbesserten Behandlung der Erkrankung führt. "Die Identifizierung dieser zellulären Unterschiede auf einer so detaillierten Ebene sollte es uns ermöglichen, die Entstehung, den natürlichen Verlauf und potenzielle therapeutische Ziele für die Behandlung besser zu verstehen. Derzeit sind wir auf die Hormontherapie und die chirurgische Entfernung der Gebärmutter beschränkt, mit unterschiedlichem Erfolg und häufigem Wiederauftreten der Krankheit", sagte Mitautor Matthew Siedhoff.

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Vergleiche mit Krebserkrankungen gezogen

Endometriose wird mit einem leicht erhöhten Risiko für die Entwicklung bestimmter Krebsarten in Verbindung gebracht. Medizinische WissenschafterInnen haben häufig Ähnlichkeiten in der Funktionsweise der Erkrankungen festgestellt.

"Die Krankheit kann sich im ganzen Körper ausbreiten, sodass sie sich in vielerlei Hinsicht wie Krebs verhält. Aber warum verhält sich die Endometriose wie Krebs, wird aber selten zu der Erkrankung? Groß angelegte Sequenzierungsprojekte haben sich als äußerst hilfreich erwiesen, um die Funktionsweise von Krebs zu verstehen und gezielte Therapeutika zu entwickeln. Wir gehen davon aus, dass dies auch für die Endometriose möglich ist", so Lawrenson.

Die ForscherInnen haben bereits damit begonnen, den neuen Zellatlas der Endometriose zu nutzen, um therapeutische Ziele in einem Mausmodell der Krankheit zu testen. "Diese Ressource kann nun von ForscherInnen auf der ganzen Welt genutzt werden, um bestimmte Zelltypen zu untersuchen, auf die sie spezialisiert sind, was hoffentlich zu einer effizienteren Diagnose und Behandlung von Endometriose-Patientinnen führen wird. Das ist wirklich ein Wendepunkt", erklärte die Studienautorin abschließend.