APA - Austria Presse Agentur

Energieagentur: Heizen mit Gas zu Vollkosten am günstigsten

Heizen mit Gas ist aktuell unter Einbeziehung aller Kosten am günstigsten, in Neubauten sowie sanierten und unsanierten Gebäuden. Dies hat die Österreichische Energieagentur in einem Vollkostenvergleich für ein Einfamilienhaus errechnet, der Energie-, Investitions- und Wartungskosten umfasst. Erneuerbare Heizsysteme sind auf dem Vormarsch. Sanieren lohnt sich fürs Geldbörserl und die Umwelt.

Als Basis für ihre Berechnungen hat die Energieagentur als Modellgebäude ein Einfamilienhaus mit 118 m2 Nutzfläche, einem Warmwasserverbrauch von 12,8 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter sowie neuer Haustechnik herangezogen. Die Energieagentur errechnet einmal im Jahr ihren Heizkostenvollvergleich. Monatlich aktualisiert werden die Energiekosten.

Die Erdgas-Brennwertsysteme punkten in allen Gebäudeklassen aufgrund der geringen Investitionskosten, erklärte Energieagentur-Experte Georg Trnka am Donnerstag vor Journalisten. Auch wiesen sie einen hohen Nutzungsgrad auf. Nach Gas kommen vor allem erneuerbare Heizsysteme wie Wärmepumpen, Holz und Pellets relativ günstig. Die teuersten Heizsysteme sind Fernwärme in thermisch unsanierten Gebäuden und Öl-Brennwert-Heizungen in thermischen sanierten Gebäuden wegen der hohen Energiekosten. Im Neubau ist Heizen mit Pellets am teuersten, hier schlagen sich die hohen Investitionskosten nieder.

Eine thermische Sanierung senkt sowohl die reinen Energiekosten als auch die CO2-Emissionen durchschnittlich um jeweils 53 Prozent.

Im Neubau ist Erdgas mit insgesamt 2.083 Euro im Jahr am günstigsten, auf den Plätzen zwei bis vier liegen Wärmepumpen-Systeme. Neu im Vergleich ist heuer eine Kombinationssystem von Luft/Wasserwärmepumpe und Photovoltaik - der für die Aufnahme relevante Marktanteil von mehr als 5 Prozent wurde überschritten. Dahinter folgen Öl und Fernwärme. Am teuersten ist wegen der hohen Investitionskosten aktuell eine Pellets-Heizung (2.885 Euro).

In einem thermisch unsanierten Gebäude kommt die günstigste Variante Erdgas-Brennwert-Heizung auf 3.773 bis 3.951 Euro. Am teuersten ist hier Fernwärme mit 5.128 Euro. Ist das Einfamilienhaus saniert, kommt Heizen mit Gas ebenfalls am günstigsten mit 2.288 bis 2.466 Euro im Jahr. Die höchsten Kosten hat man im sanierten Gebäude mit einer Öl-Brennwert-Heizung (3.047 Euro bis 3.234 Euro).

Die Investitionskosten für Heizungen sind laut Energieagentur im Vergleich November 2018/November 2019 großteils um 4,5 Prozent gestiegen, nur bei Pellets gab es einen größeren Anstieg um 5,9 Prozent. Bei den Energiepreisen zeigten sich die Heizölpreise einmal mehr sehr volatil. Die Ölpreise würden wohl auch in Zukunft weiter schwanken, so Energieagentur-Geschäftsführer Peter Traupmann. Gas ist derzeit relativ günstig.

Die reinen Energiekosten sind dem Vergleich zufolge am geringsten im Neubau beim System Luft/Wasser Wärmepumpe (286 Euro im Jahr). Fernwärme hat durchgehend die höchsten Energiekosten. Bei den CO2-Emissionen schneiden Scheitholz oder Pellet am besten ab, Öl- und Gasbrennwertsysteme am schlechtesten.

Fernwärme und Heizungen mit erneuerbaren Energieträgern sind in Österreich im Vormarsch. Seit 2003/04 hat sich die Zahl der Fernwärmekessel in Österreich von 600.000 auf mehr als eine Million 2017/18 erhöht. Kräftige Zuwächse von einem niedrigen Niveau ausgehend gab es auch bei Solar und Wärmepumpen (aktuell rund 300.000 Anlagen) sowie Biomasse (rund 740.000 Anlagen). Ölheizungen waren deutlich rückläufig, zuletzt waren es rund 600.000. Gasheizungen entwickelten sich relativ stabil.

Energieagentur-Geschäftsführer Traupmann wies heute darauf hin, dass es nach wie vor rund 1,5 Millionen Heizkessel gebe, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Wenn man fossile Heizsysteme reduzieren möchte, brauche es sehr, sehr große Anstrengungen. Da müsste man mit Aktionen wie "Raus aus dem Öl" ganz massiv in Zukunft pushen, damit sich am Bestand etwas spürbar verändere. Für heuer ist die "Raus aus dem Öl"-Förderaktion des Nachhaltigkeitsministerium bereits ausgeschöpft. Für den Umstieg gibt es bis zu 5.000 Euro. Rund 11.000 Private haben sich heuer und im vergangenen Jahr die Förderung abgeholt. Insgesamt wurden rund 60 Mio. Euro dafür zur Verfügung gestellt. Die Energieagentur spricht sich für eine Fortsetzung aus.

Insgesamt gab es 2017/18 in Österreich 3,89 Millionen Heizungen. Den größten Anteil hatte Fernwärme (28,6 Prozent), gefolgt von Erdgas (23,5 Prozent), Biomasse (18,7 Prozent), Heizöl/Flüssiggas (16 Prozent), Solar/Wärmepumpen (7,6 Prozent) und Strom (5,4 Prozent). Praktisch keine Rolle mehr spielen Kohle- und Koksheizungen (0,2 Prozent).

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