Erfrischende "Sommerfrische" im Theater in der Josefstadt

Auf Sommerfrische: Juliette Larat und Paula Nocker
Nein, es ist kein brandaktuelles, sondern ein zeitloses Thema. Nein, es ist keine Überschreibung oder Adaption, sondern einfach eine Inszenierung, die die Vorlage ernst nimmt und ihr nichts hinzufügt.

Aber ja, Carlo Goldonis "Trilogie der Sommerfrische" unterhält in der Inszenierung von Janusz Kica, die am Samstag im Theater in der Josefstadt Premiere hatte, bestens und zeigt, dass ernsthafte Arbeit an der Komik der menschlichen Unzulänglichkeit immer Saison hat.

Freilich könnte man einwenden, dass fast drei Stunden (inklusive Pause) schon ein wenig lang werden können - doch nach einer gewissen Aufwärmphase bekommen die Irrungen und Wirrungen einer blasierten, mehr am Schein als am Sein orientierten Upper-Class-Gesellschaft Luft unter die Flügel, heben ab und vollführen kunstvolle Pirouetten. Vor allem aber ist dieser Abend ein deutliches Lebenszeichen des Ensembletheaters an sich und ein Beweis der Güte des Josefstadt-Ensembles im Besonderen. 14 Schauspielerinnen und Schauspieler stehen auf der Bühne - und es gibt kaum einen oder eine, der oder die nicht beides beherrscht: Oberfläche und Tiefe, das Ausspielen von Pointen und ein Erahnen-Lassen der darunter schlummernden Sehnsucht.

Diese Schwebe zeichnet die Inszenierung des Josefstadt-Ehrenmitglieds Kica, der 1999 am Haus debütierte und fast zwei Dutzend Arbeiten folgen ließ, aus. Einerseits setzt er musikalisch auf Italianitá, lässt den Abend mit "Azzurro" beginnen und in der Folge viele Ensemblemitglieder ihre sängerische oder instrumentale Begabung unter Beweis stellen, andererseits wird das auch nicht übertrieben, sondern stellt Ausstatterin Karin Fritz das Geschehen in einen geschmackvollen Raum zwischen Abstraktion und Theater-Realität. Die Hauptlast des Geschehens tragen nicht Regie- oder Bühnenbildeinfälle, sondern die Interaktion der Menschen auf der Bühne. Und da gibt es zwischen Aufbruchsstimmung nach "Montemare", wo - koste es, was es wolle - ein standesgemäßer Urlaub zu verbringen ist, dem Ferienaufenthalt, der vieles zum Ausbruch bringt, was schon zuvor latent vorhanden war, und dem Katzenjammer danach, sehr viel zu sehen.

Frauen sind hier am Drücker, werden aber nicht wirklich glücklich. Im Zentrum stehen Juliette Larat als Giacinta, die Guglielmo (Alexander Absenger) liebt, aber Leonardo (Claudius von Stolzmann) heiraten wird, und Paula Nocker als Leonardos Schwester Vittoria, die Guglielmo liebt, ihn auch bekommen wird, aber ahnt, damit nicht ihr Glück zu machen. Die beiden treiben ihre Väter (Marcus Bluhm ist ein von allen Ausgenützter, gleichzeitig aber Verachteter), Verehrer und Brüder mit ihren Launen vor sich her, während auch ihre alten (hoch komisch: Marianne Nentwich) und jungen (stets unzufrieden: Larissa Fuchs) Geschlechtsgenossinnen bei der Partnerwahl kein Glück haben.

Während André Pohl als Fulgenzio ein fieser Strippenzieher ist, der bedenkenlos über andere bestimmt, Marcello De Nardo als Diener alles im Laufen hält und Martina Stilp als Constanza Intrigen spinnt, pflegt Raphael von Bargen als Filou Ferdinando vor allem seine eigene Eitelkeit. Eine auf Ehrlichkeit und Zuneigung beruhende Partnerschaft scheint nur in der Dienerschaft (Katharina Klar und Markus Kofler) möglich. Doch Kica gönnt ihnen kein Happy End.

Es gibt manche Commedia-Elemente (Matthias Franz Stein absolviert etwa die obligate Klapp-Liegestuhl-Nummer) und hübsche Auftritte mittels fahrender Wand, aber auch ruhige Zweier-Szenen. Kica beherrscht den Rhythmuswechsel und lässt den dritten Akt ins Melancholische driften. Am Ende gab es viel Applaus für eine erfrischende "Sommerfrische". Doch ehe die Josefstadt in die Sommerfrische geht, soll noch über die künftige künstlerische Leitung ab 2026 entschieden werden. Der oder die Neue darf sich freuen. Doch eines steht fest: Das wird kein bloßer Sommerjob.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

Carlo Goldoni: "Trilogie der Sommerfrische", Regie: Janusz Kica, Bühnenbild und Kostüme: Karin Fritz. Mit: Marcus Bluhm (Filippo / Bernardino, Leonardos Onkel), Juliette Larat (Giacinta, seine Tochter), Claudius von Stolzmann (Leonardo, ein Verehrer Giacintas), Paula Nocker (Vittoria, Leonardos Schwester), Raphael von Bargen (Ferdinando), Alexander Absenger (Guglielmo, ein Verehrer Giacintas), André Pohl (Fulgenzio, Filippos Freund), Katharina Klar (Brigida, Giacintas Zofe), Markus Kofler (Paolo, Leonardos Diener), Marcello De Nardo (Cecco, Leonardos Diener), Marianne Nentwich (Sabina, Giacintas Tante), Martina Stilp (Costanza), Larissa Fuchs (Rosina, ihre Nichte), Matthias Franz Stein (Tognino, Verehrer Rosinas), Theater in der Josefstadt, Nächste Vorstellungen: 2., 14., 17., 21.6., Karten: 01 / 42 700-300, www.josefstadt.org

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