APA - Austria Presse Agentur

Erneut Spannungen im Norden des Kosovo gemeldet

Vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen hat die NATO-geführte Kosovo-Schutztruppe KFOR ihre Präsenz im serbisch bevölkerten Norden des Landes verstärkt.

Rund 300 KFOR-Soldaten in Kampfmontur bezogen am Montag vor dem Gemeindeamt im Ort Zvecan Stellung. Eine Gruppe ethnischer Serben hatte am Montagmorgen versucht, in dem Ort Zvecan in das Gebäude der Stadtverwaltung einzudringen. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein und drängte die Menge zurück.

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Soldaten der NATO-geführten KFOR-Mission schalteten sich dann ein und positionierten sich zwischen der Polizei und den Demonstranten. Rund 50 Soldaten aus Polen und Ungarn umstellten das Verwaltungsgebäude, wie ein AFP-Journalist berichtete. Österreich hat aktuell 273 Bundesheer-Soldaten im Einsatz bei der KFOR.

Einsatz von Pfefferspray

Die kosovarische Polizei erklärte, die Protestierenden hätten zuerst Tränengasgranaten geschleudert und versucht, die Sicherheitsabsperrung vor dem Gebäude zu durchbrechen. Die Sicherheitskräfte seien deshalb gezwungen gewesen, die Situation "mit legalen Mitteln" unter Kontrolle zu bringen. Die Polizisten hätten unter anderem Pfefferspray eingesetzt.

Die Demonstranten fordern den Abzug der kosovarischen Sicherheitskräfte aus der Region. Auch verlangen sie die Absetzung von der ethnisch-albanischen Bevölkerungsgruppe entstammenden Bürgermeistern in der mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Region.

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Auch am vergangenen Freitag war es in Zvecan zu Zusammenstößen gekommen, nachdem militante Serben kosovarische Polizisten angegriffen hatten. Die Polizei hatte den neuen kosovo-albanischen Bürgermeister, der sein Amt antreten wollte, eskortiert. Serben hatten auch in zwei anderen Orten des Nord-Kosovo protestiert, wo ebenfalls albanische Bürgermeister die Amtsgeschäfte übernahmen. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic versetzte daraufhin die Armee in "höchste Alarmbereitschaft" und entsandte Soldaten an die Grenze zum Kosovo.

Die drei Bürgermeister waren im April gewählt worden, wobei fast alle Serben die Kommunalwahl boykottiert hatten. Deshalb kommen die Wahlsieger aus albanischen Parteien. Die bisherigen serbischen Bürgermeister hatten ihre Funktionen im November 2022 aus Protest gegen die Politik der kosovarischen Regierung niedergelegt.

Der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti setzte in der vergangenen Woche die Bürgermeister ein und widersetzte sich damit den Forderungen der EU und der USA.

Westliche Länder sowie die NATO hatten das Vorgehen der kosovarischen Polizei am Freitag im Nord-Kosovo ungewöhnlich deutlich verurteilt. Am Montag bestätigte die KFOR in der Hauptstadt Pristina die Verstärkung ihrer Präsenz im Norden. "Das Ziel ist es, ein sicheres Umfeld und Bewegungsfreiheit für alle Gemeinschaften im Kosovo zu schaffen", hieß es in einer Mitteilung.

Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Rund 120.000 Serben leben im Kosovo.