Erstes "Forum Kultur": Branche nahm "Gesprächsangebot" an

Erstes "Forum Kultur"-Panel: Ratschiller, Sternfeld, Marinic, Gimpel, Gasser, Yasmo, Levit (v.l.)
So viel Publikum würde sich das Volkstheater Wien wohl für jede Vorstellung wünschen: Am Dienstagvormittag begann das erste "Forum Kultur" vor dicht besetzten Rängen. Bis zum frühen Abend sollen in Statements, Panels und Informationsrunden aktuelle Fragen der Kunst- und Kulturbranche besprochen werden. Die Veranstaltung ist Teil der "Kunst- und Kulturstrategie", deren Erarbeitung im Regierungsprogramm festgehalten wurde und soll künftig jedes Jahr stattfinden.

Goethes Vorrede auf dem Theater aus der aktuellen "Faust"-Inszenierung von Hausherr Kay Voges eröffnete die ganztägige Veranstaltung, über die Kabarettist Hosea Ratschiller, der gemeinsam mit Musikerin und Slampoetin Yasmo als Moderator fungierte, zum Auftakt meinte: "Wenn das kein spannender Tag wird, sind wir selber schuld." Staatssekretärin Andrea Mayer, von Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler (beide Grüne) als "de facto Kulturministerin" tituliert, nannte das "Forum Kultur" ein "Gesprächsangebot" in einem offenen Kommunikationsprozess und einen "Meilenstein", nicht das Ende der "Kunst- und Kulturstrategie": "Das hat's noch nie gegeben." Kogler deutete auf die Frage, was es an großen Vorhaben für diese Legislaturperiode noch gebe, an, dass "eine große, brauchbare Lösung" für das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) im Werden sei: "Ich glaube, das wird demnächst auch gelingen."

Der Pianist Igor Levit wollte als Keynote-Speaker "Mut machen" in einer von Pandemie und Ukraine-Krieg ("Der Epochenbruch") geprägten Zeit und hielt ein Plädoyer für Kunst als Raum der Hoffnung, des Zusammenseins und des Gemeinsamen. Und doch stellte er - unter dem Applaus des Publikums - einige Fragen: Warum werde Musikunterricht immer stärker gekürzt? Warum lebten so viele Künstler im Prekariat? Warum spreche man in der Kultur von Subventionen und nicht von Investitionen? Warum werde ernsthaft die Abschaffung des RSO diskutiert?

Antworten darauf gab es vor der Mittagspause weder von der Kulturpolitik noch von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der ersten Diskussionsrunde, die den Titel "Kunst und Kultur 2023 - Eine Standortbestimmung" trug. Es ging um die Freiheit der Kultur, die es mehr denn je zu sichern gelte. "Die Kunst hat niemandem zu dienen", meinte Katja Gasser, Künstlerische Leiterin des österreichischen Gastland-Auftritts auf der kommenden Leipziger Buchmesse; "Kunst darf politisch sein, sie darf aber auch unpolitisch sein", betonte die deutsche Podcasterin und Autorin Jagoda Marinić, Leiterin des Interkulturellen Zentrum der Stadt Heidelberg und der Heidelberger Literaturtage. "Auch ich glaube daran, dass Kultur alles kann und nichts muss", sagte Igor Levit. "Aber das ist nicht unsere Realität, und wird es auch nie sein." - "Es ist schlechter geworden", verglich die Kuratorin und Kunstvermittlerin Nora Sternfeld die Lage der Künstlerinnen und Künstler mit früher.

Mögliche Auswege wie ein Künstler-Grundeinkommen oder ein Kunst- und Kulturstreik wurden nur angerissen. Es brauche wohl ein Maßnahmenbündel, das von der Sozialversicherung bis zur Förderpraxis reiche und wohl Flickwerk bleiben werde, meinte Yvonne Gimpel, Geschäftsführerin der IG Kultur Österreich, die sich im Gegensatz zu manchen anderen sehr wohl eine Kulturstrategie als Guideline für die Kulturpolitik wünschte, denn "sonst verwalten wir nur noch und gestalten nicht": Aber ein Diskurs ist noch keine Strategie."

(S E R V I C E - www.forumkultur.at )

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