APA - Austria Presse Agentur

Experten für mehr Gratis-Impfungen für Erwachsene

Impfexperten haben am Mittwoch ein Gratis-Impfprogramm auch für Erwachsene gefordert. Die für ältere Personen empfohlenen Immunisierungen gegen Pneumokokken, RSV und Gürtelrose sind alle privat zu bezahlen und kommen insgesamt auf rund 1.000 Euro, sagte Ursula Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien. "Das Kinder-Impfprogramm ist hervorragend", betonte Rudolf Schmitzberger vom Impfreferat der Österreichischen Ärztekammer. Es brauche einen "Schulterschluss" für die Erwachsenen.

"Ich glaube, das wäre eine wichtige Verbesserung", sagte Schmitzberger. Die drei angesprochenen Vakzine seien hoch wirksam, haben aber den "Nachteil, dass sie sehr hochpreisig sind und dass sie die Leute selber bezahlen müssen", erläuterte Wiedermann-Schmidt bei einer Pressekonferenz zur Vorschau auf den Österreichischen Impftag am 20. Jänner 2024. Der Kongress in Kooperation von MedUni Wien, Ärztekammer, Apothekerkammer und der Akademie der Ärzte wird im Austria Center Vienna abgehalten.

Bezüglich Impflücken und -skepsis braucht es laut der Vakzinologin und Immunologin Wiedermann-Schmidt auch neue Wege der Kommunikation. Einerseits könne dafür Künstliche Intelligenz eingesetzt werden, andererseits müsse vor allem die gesunde, jüngere Bevölkerung besser erreicht werden, die nicht von sich aus das Gespräch mit dem Arzt sucht. Sie verwies auf Möglichkeiten von Chat-Bots und Avataren, hier sei es "die Aufgabe von uns, dass die Informationen in diesen Chats von uns befüllt werden", sagte die Medizinerin.

Laut Gerhard Kobinger vom Präsidium der Österreichischen Apothekerkammer braucht es in der Bevölkerung mehr Gesundheitskompetenz. "Das gehört in einem breiten Schulterschluss gelehrt, dann werden wir vielleicht die Impfskepsis in den Griff bekommen", sagte er. Die Eigenverantwortung fange zudem "damit an, dass ich mich informiere, dass ich in meinen Impfpass schaue", empfahl Kobinger. Frühere Impfungen können in Apotheken in den E-Impfpass nachgetragen werden, erinnerte er.

Mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 habe die Bevölkerung überwiegend drei bis vier Kontakte gehabt durch Impfung und/oder Infektionen einen guten Immunschutz aufgebaut, sagte Wiedermann-Schmidt. Die Breite der Immunantwort ist aber unterschiedlich. Bei allen Erwachsenen, bei denen Infektion oder Kontakt mit dem Virus zwölf Monate oder länger her ist, sei eine Immunisierung mit dem angepassten Omikron-Impfstoff empfohlen. Das müsse nicht für immer so bleiben, werde aber zumindest für Risikogruppen auch in Zukunft so gelten, erläuterte die Medizinerin. Neben der Impfung rieten sie und ihre Kollegen angesichts der derzeitigen Welle zu verstärkten Hygienemaßnahmen und zum Tragen von Masken.

In Sachen Grippe geht Wiedermann-Schmidt davon aus, dass die Saison "den Verlauf nimmt, wie wir es von früher gewohnt sind". 2022/23 war von der MedUni Wien die höchste Zahl an Infektionen seit der Einführung der Influenzaüberwachung 1999/2000 registriert worden, zudem hatte die Welle bereits knapp vor Weihnachten einen Höhepunkt erreicht. Derzeit gebe es einzelne Fälle und daher glücklicherweise keine Doppelinfektionen mit Covid. Mit Influenza werden wir es wie vor der Pandemie hauptsächlich von Jänner bis Februar/März zu tun haben, rechnete Wiedermann-Schmidt. Von der Grippe-Impfung wurde "definitiv zu wenig" für das vergünstigte Impfprogramm um die Rezeptgebühr bei niedergelassenen Ärzten bestellt, betonte Schmitzberger. Es sei eine "unbefriedigende Situation", dass der Impfstoff überwiegend nur noch in Apotheken vorhanden und dort privat zu zahlen ist.